Iranische Flagge vor blauem Himmel | Bildquelle: REUTERS

Terrorvorwurf Teheran verschleppt Deutsch-Iraner

Stand: 04.08.2020 19:15 Uhr

Der Iran hat einen deutschen Staatsbürger iranischer Herkunft verschleppt. Er wird als Anführer einer "Terrorgruppe" für Angriffe im Iran verantwortlich gemacht. Auch die USA sind Teil dieses Falls, weil die Gruppe dort ihren Sitz hat.

Der Iran hat einen deutschen Staatsbürger iranischer Herkunft nach Angaben von dessen Familie während eines Aufenthalts in Dubai verschleppt. Der in Kalifornien lebende Dschamschid Scharmahd sei in der Stadt in den Vereinigten Arabischen Emiraten gewesen, um von dort aus für einen Geschäftsdeal nach Indien zu reisen, sagte sein Sohn Schajan Scharmahd heute der Nachrichtenagentur AP. Seine letzte Nachricht habe seine Familie am 28. Juli erreicht, danach habe er nicht mehr auf Anrufe und Mitteilungen reagiert.

In "komplexer Operation" gefangen genommen

Am 1. August hatten iranische Staatsmedien berichtet, der Geheimdienst des Landes habe den Chef der "Terrorgruppe Tondar" (zu deutsch: Donner) mit Sitz in den USA festgenommen. Der Kopf der Gruppe befinde sich in "den mächtigen Händen" der iranischen Sicherheitskräfte, hieß es. Teheran teilte mit, dass Scharmahd in einer "komplexen Operation" gefangen genommen worden sei.

Dschamschid Scharmahd | Bildquelle: AP
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Dieses undatierte Foto von Schajan Scharmahd hat dessen Familie der Nachrichtenagentur AP zur Verfügung gestellt.

Das Geheimdienstministerium veröffentlichte ein Foto, das ihn mit verbundenen Augen zeigt. Der Iran wirft dem 65-Jährigen vor, 2008 an der Planung eines Anschlags auf eine Moschee mit 14 Toten und mehr als 200 Verletzten beteiligt gewesen zu sein. Im Zusammenhang mit dem Anschlag wurden im Jahr 2009 Todesurteile an drei Männern vollstreckt, die Verbindungen zur Organisation Tondar gehabt haben sollen. Laut der vom Staatsfernsehen zitierten Ministeriumsmitteilung sollten die Männer im Auftrag eines iranischen "CIA-Agenten" mit dem Vornamen Dschamschid einen ranghohen iranischen Regierungsvertreter töten.

Dem Bericht zufolge plante die Organisation Tondar noch weitere große Anschläge, die jedoch gescheitert seien. So habe die Gruppe unter anderem vorgehabt, einen Damm in Schiras zu sprengen und eine Buchmesse in Teheran mit "Zyanid-Bomben" zu attackieren. Im Jahr 2010 wurden zwei weitere als Tondar-Mitglieder verurteilte Männer im Iran gehängt, die nach offiziellen Angaben "gestanden, Sprengsätze besorgt und die Ermordung von Regierungsvertretern geplant zu haben". 

Interview unter Zwang?

Das iranische Staatsfernsehen strahlte auch ein Interview mit Scharmahd aus. Seine Familie wies die Vorwürfe zurück und erklärte, er sei lediglich Sprecher der Gruppe gewesen und habe mit den Anschlägen im Iran nichts zu tun gehabt. Sein Sohn geht laut eigenen Worten davon aus, dass sein Vater im Staatsfernsehen unter Zwang rasch eine Erklärung habe verlesen müssen.

Die iranische Organisation Tondar

Die Gruppe "Kingdom Assembly of Iran" (Königliche Vereinigung Irans) tritt für die Wiedereinführung einer Monarchie in dem Land ein. Tondar (deutsch: Donner) gilt als der militante Flügel der Gruppe, über die an sich wenig bekannt ist. Es wird davon ausgegangen, dass sie ihren Sitz in den USA hat.

Familie kontaktiert deutsche und amerikanische Behörden

Scharmahds Familie kontaktierte nach eigenen Angaben inzwischen die Bundesregierung, da er deutscher Staatsbürger sei. Auch zur US-Regierung habe sie Verbindung aufgenommen, da er seit Jahren in Amerika lebt. Laut dem Auswärtigen Amt in Berlin hat die deutsche Botschaft in Teheran um konsularischen Zugang zu Scharmahd ersucht. Es gehe darum, zu erfahren, wie Scharmahd verhaftet worden sei. Der Iran lässt konsularischen Zugang zu Doppelstaatlern allerdings nicht zu, da er sie lediglich als iranische Staatsbürger betrachtet.

Das Außenministerium in Teheran warf den USA vor, Scharmahd Exil gewährt zu haben. Washington unterstütze "bekannte Terroristen", die von den USA aus "bewaffnete Anschläge und Sabotage-Akte gegen das iranische Volk organisieren und für Blutvergießen im Iran verantwortlich sind", erklärte das Ministerium.  Das US-Außenministerium teilte am Wochenende mit, es sei über die Festnahme Scharmahds informiert worden. "Das iranische Regime hat eine lange Geschichte, wenn es um die Inhaftierung von Iranern und Ausländern auf der Basis falscher Anschuldigungen geht", sagte ein Sprecher. Er forderte den Iran nachdrücklich zur Transparenz und zur Achtung der völkerrechtlichen Standards auf. 

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