Iranische Raketen auf US-Ziele im Irak. | Bildquelle: IRIB HANDOUT/EPA-EFE/REX

Vergeltung für Soleimani Iran greift US-Ziele im Irak an

Stand: 08.01.2020 08:51 Uhr

Als Vergeltung für die gezielte Tötung von General Soleimani hat der Iran die US-Truppen im Irak angegriffen. Von einem "Schlag ins Gesicht der USA" sprach Ajatollah Khamenei. Trump sieht das offensichtlich anders.

Neue Eskalationsstufe im Konflikt zwischen den USA und dem Iran: Als Vergeltung für die Tötung von General Kassem Soleimani hat Teheran in der Nacht zwei US-Ziele im Irak attackiert. "Mehr als ein Dutzend" ballistische Raketen seien vom Iran aus auf Stützpunkte abgefeuert worden, die von amerikanischen Truppen genutzt würden, teilte ein Pentagonsprecher mit.

In einer ersten Einschätzung sprach ein US-Regierungsvertreter von einem relativ glimpflichen Ausgang der Attacken, Präsident Donald Trump twitterte: "Alles ist gut!". Er will sich in Kürze äußern. Regierungskreisen zufolge liegen keine Informationen über Opfer vor.

"Schlag ins Gesicht der USA"

Das iranische Staatsfernsehen meldete hingegen, "80 amerikanische Terroristen" seien bei den Raketenangriffen getötet worden. Insgesamt seien 16 Geschosse abgefeuert worden, sie seien nicht abgefangen worden. Der Luftwaffenstützpunkt Ain al-Assad sei "vollständig zerstört" worden. Der Angriff mit ballistischen Boden-Boden-Raketen auf die "von den Amerikanern besetzte Basis sei in jeder Hinsicht ein voller Erfolg". 100 weitere Ziele in der Region seien im Visier, wurden die Revolutionsgarden zitiert. Eine unabhängige Bestätigung für diese Angaben gibt es nicht.

US-Stützpunkt Ain al-Assad im Irak. (Archivbild vom Dezember 2019)
galerie

Der Stützpunkt Ain al-Assad im Irak. (Archivbild vom Dezember 2019)

Die vergangene Nacht sei ein "Schlag ins Gesicht" der USA gewesen, sagt das geistliche und staatliche Oberhaupt des Irans, Ajatollah Ali Khamenei. Die US-Truppen müssten die Region verlassen. "Die USA sind der Feind des Irans." Ähnlich hatte sich zuvor auch Generalstabschef Mohammad Bakeri im iranischen Staatsfernsehen geäußert. Präsident Hassan Rouhani wird laut Staatsfernsehen im Laufe des Tages eine Rede zu den Angriffen auf US-Ziele halten.

Laut CNN waren die im Irak stationierten US-Soldaten vor dem iranischen Raketenangriff gewarnt. Dank eines frühzeitigen Alarms hätten diejenigen im Gefahrenbereich Zeit gehabt, sich in Schutzbunkern in Sicherheit zu bringen, berichtete CNN unter Berufung auf einen Angehörigen des US-Militärs.

Iranische Raketen treffen US-Standorte im Irak
tagesschau 09:00 Uhr, 08.01.2020, Verena Bünten, ARD Washington

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Operation "Märtyrer Soleimani"

Die iranischen Angriffe hatten in der Nacht begonnen. Das Staatsfernsehen meldete: Die Luftwaffenbasis Ain al-Assad, in der US-Soldaten stationiert sind, sei von mehreren Boden-Boden-Raketen getroffen worden. Umgesetzt worden sei die Operation "Märtyrer Soleiman" von der Luftfahrt-Einheit der Revolutionsgarde, die das iranische Raketenprogramm verantwortet.

Der Stützpunkt Ain al-Assad befindet sich in der westirakischen Provinz Anbar. Sie wurde erstmals von den US-Streitkräften nach der Invasion 2003 genutzt, bei der damals der Diktator Saddam Hussein gestürzt wurde. Später wurden dort US-Truppen für den Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" stationiert. Aktuell sind 1500 Soldaten in Ain al-Assad untergebracht, darunter internationale Kräfte der Anti-IS-Koalition.

Bundeswehrsoldaten in Erbil "wohlauf"

Neben dem Stützpunkt Ain al-Assad war nach Pentagonangaben auch eine Basis in Erbil in der halbautonomischen kurdischen Region im Norden Iraks Ziel der iranischen Raketenangriffe. In Erbil sind auch Bundeswehrsoldaten stationiert. "Wir stehen in Kontakt mit den Soldaten. Den Soldaten geht es gut", sagte ein Sprecher des Einsatzführungskommandos.

In dem nordirakischen Kurdengebiet sind noch mehr als 100 deutsche Soldaten im Einsatz. Sie haben ihre Sicherheitsmaßnahmen verschärft. Die Bundeswehr ist im Irak als Teil der internationalen Koalition gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS). Insgesamt sind etwa 400 Soldaten im Einsatz, die meisten davon auf der jordanischen Luftwaffenbasis Al-Asrak. Von dort wird auch das deutsche Kontingent geführt.

Iran droht und warnt - auch Israel

Die iranischen Revolutionsgarden warnten die USA vor Vergeltung für die Raketenangriffe. Auch Amerikas Verbündete in der Region sollten wissen, dass jegliches Territorium, das sie den USA als Ausgangspunkt für aggressive Akte gegen den Iran überließen, im Visier Teherans stehe, teilte die Eliteeinheit der Streitkräfte der Islamischen Republik über die amtliche Nachrichtenagentur Irna mit. Drohungen richtete die Revolutionsgarde auch an Israel.

Irans Außenminister Mohammad Javad Zarif bezeichnete die Attacken auf die Stützpunkte im Nachbarland auf Twitter als "angemessene Maßnahmen der Selbstverteidigung". Zudem schrieb er: "Wir streben keine Eskalation oder einen Krieg an, aber wir werden uns gegen jegliche Aggression zur Wehr setzen."

Kriegsangst in Nahost

Auslöser der Eskalation war die gezielte Tötung von General Soleimani auf irakischem Boden durch eine US-Drohne. Er hatte die Al-Kuds-Brigaden kommandiert und war Architekt der regionalen Militärstrategie des Irans im Irak, in Syrien und im Libanon. Die USA haben ihn für die Tötung von US-Soldaten im Irak verantwortlich gemacht und ihn beschuldigt, vor seinem Tod neue Attentate geplant zu haben. Beweise dafür legten die USA bislang nicht vor.

Weltweit schürt die Entwicklung in Nahost Angst vor einem Krieg. Die NATO sowie die Bundeswehr zog einen Teil ihrer im Irak stationierten Truppen inzwischen ab - auch aus Sicherheitsgründen. Zudem hatte das irakische Parlament den Abzug aller ausländischen Truppen verlangt.

Die US-Luftfahrtbehörde FAA sperrte inzwischen für US-Fluggesellschaften den Luftraum über dem Irak, dem Iran, dem Persischen Golf und dem Golf von Oman. Kurze Zeit später stürzte eine ukrainische Passagiermaschine mit mindestens 170 Menschen an Bord nahe Teheran ab. Ob ein Zusammenhang mit der militärischen Eskalation im Nahen Osten besteht, ist unklar.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 08. Januar 2020 um 07:30 Uhr.

Darstellung: