Ein Demonstrant im Iran schwenkt eine riesige iranische Flagge während einer Demonstration von Regierungsanhängern.  | Bildquelle: dpa

Proteste im Iran Regierung organisiert Gegen-Demos

Stand: 05.01.2018 11:43 Uhr

Nachdem die Proteste im Iran in den vergangenen Tagen abgeebbt sind, werden heute nach dem Freitagsgebet wieder zahlreiche Demonstranten auf den Straßen erwartet. Es könnte zu Konfrontationen kommen, da auch die Führung des Landes ihre Anhänger mobilisiert.

Beobachter im Iran befürchten heute eine Zunahme der zuletzt etwas abgeebten Proteste. Nach dem Freitagsgebet könnte es zu Konfrontationen zwischen Anhängern und Gegnern des Regimes kommen. Denn die iranische Führung plant in 40 Bezirken der Hauptstadt Teheran Demonstrationen gegen die Regimekritiker. Bisher war es dort eher ruhig geblieben.

Das Freitagsgebet führt der Hardliner Ahmad Chatami. Chatami gilt als Erzfeind der Reformer um Präsident Hassan Rouhani. Es wird eine provokante Rede gegen die Demonstranten erwartet. Gleichzeitig gibt es Berichte in sozialen Medien, dass Demonstranten das Gebet mit regimekritischen Slogans stören wollen.

Kleinere Demonstrationen in der Provinz

Trotz einer Welle von Festnahmen demonstrierten auch in der vergangenen Nacht wieder Regimekritiker. Berichten und Videos in sozialen Medien zufolge gab es offenbar kleinere Protestkundgebungen in mehreren Provinzstädten. Unabhängig ließen sich die Meldungen nicht überprüfen. Die staatlichen Medien berichten nicht über die regimekritischen Proteste. Informationen aus Kreisen der Demonstranten werden oft unterdrückt.

Natalie Amiri @NatalieAmiri
Viele Studenten die in den letzten Monaten/Jahren politisch aktiv waren sind verhaftet worden, obwohl viele von ihnen nicht an den #Demonstrationen teilgenommen haben. Eltern warten vor dem berüchtigten Evingefängnis, um Informationen über ihre Kinder zu bekommen. #iranprotests https://t.co/k03CCrSdWE

Proteste vor Evin-Gefängnis

ARD-Korrespondentin Natalie Amiri berichtet, dass sich vor dem Evin-Gefängnis am nördlichen Stadtrand von Teheran Menschen versammelt haben. Eltern warteten dort, um Informationen über ihre Kinder zu bekommen, die verhaftet wurden, nachdem sie sich politisch engagiert hatten.

Bei den regierungskritischen Protesten in mehreren iranischen Städten wurden seit dem 28. Dezember 21 Menschen getötet, unter ihnen auch mehrere Angehörige der Sicherheitskräfte. Die Proteste richten sich gegen wirtschaftliche Missstände wie die hohe Arbeitslosigkeit und die hohen Lebenshaltungskosten, aber auch gegen die Außenpolitik der Regierung in Teheran und das klerikale Herrschaftssystem.

Sicherheitsrat berät über Iran

Der UN-Sicherheitsrat wird sich am Abend in einer Dringlichkeitssitzung mit den Unruhen im Iran befassen. Das Treffen geht auf einen Antrag der USA zurück. US-Präsident Donald Trump hatte seit Beginn der Proteste mehrfach die iranische Staatsführung kritisiert und diese unter anderem als "brutal und korrupt" bezeichnet.

Über dieses Thema berichteten am 05. Januar 2018 die tagesschau um 12:00 Uhr, Deutschlandfunk um 12:00 Uhr in den Nachrichten sowie NDR Info um 14:08 Uhr.

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