Ebrahim Raisi und Hassan Rouhani | EPA

Präsidentenwahl im Iran Auf Raisi warten schwierige Aufgaben

Stand: 19.06.2021 14:39 Uhr

Der moderate Präsident des Irans, Rouhani, ist bald Geschichte. Auf seinen ultrakonservativen Nachfolger Raisi warten schwierige Aufgaben. Unter anderem wegen der Wirtschaftskrise sitzt der Frust im Land tief.

Von Karin Senz, ARD-Studio Istanbul

Als erster tritt der amtierende Präsident Hassan Rouhani am Morgen vor die Mikrofone und erklärt: "Ich gratuliere dem, den das Volk gewählt hat. Da das Ergebnis noch nicht offiziell bekanntgegeben ist, werde ich auch die offizielle Gratulation verschieben. Aber es steht fest, wer bei der Wahl genügend Stimmen bekommen hat und vom Volk gewählt wurde."

Karin Senz ARD-Studio Istanbul

Damit ist klar: Es wird keinen zweiten Wahlgang geben. Rouhani nennt zu diesem Zeitpunkt noch nicht den Namen von Ebrahim Raisi. Aber zwei Konkurrenten haben ihm da schon zum Sieg gratuliert.

Konkurrenten weit abgeschlagen

Später gibt das Innenministerium Zahlen bekannt. Demnach kommt Raisi auf knapp 18 Millionen Stimmen, die anderen drei Kandidaten liegen weit dahinter. Und das bedeutet: Der Iran bekommt mit dem aktuellen Justizchef Raisi einen neuen Präsidenten aus dem ultrakonservativen Lager.

Diese junge Frau aus Teheran hat zum ersten Mal gewählt. Miss Azgeri heißt sie und ist ganz stolz: "Ich finde das Ergebnis sehr gut, die Leute haben sehr gut entschieden. Ich habe auch für Herrn Raisi gestimmt."

Geringe Wahlbeteiligung

Mehr als die Hälfte der Wahlberechtigten ist zu Hause geblieben. Dazu gehört auch Wahid. Sein Wunschkandidat war bei der Liste, die der Wächterrat zusammengestellt hat, nicht dabei. Danach hat er sich eigentlich nicht mehr für die Wahl interessiert, sagt er. Man könne da nichts mehr bewirken: "Die Unterstützung der Menschen für den Präsidenten und die ganze Führung hat grundsätzlich abgenommen."

Wohl ein Grund, warum diese und auch Raisi selbst bis zum Schluss versucht haben, möglichst viele Menschen an die Wahlurnen zu bringen. Sie fürchten, an Autorität zu verlieren.

Möglicher Nachfolger Khameneis

Raisi wird nicht nur Präsident. Er wird auch als Nachfolger des Obersten Führers Ayatollah Khamenei gehandelt. Ein Sieg mit einer hohen Wahlbeteiligung wäre sicher hilfreich gewesen.

Miss Azgeri hält anderes für wichtiger: "Ich erwarte, dass er nicht in seinem Sessel sitzt. Er soll mit den Menschen auf dem Boden im Staub sitzen und Mitgefühl mit uns haben, uns und unsere Probleme verstehen. Das reicht, um mit der Arbeit zu beginnen."

Kampf gegen Korruption

Raisi hat im Wahlkampf damit geworben, Armut und Korruption zu bekämpfen. Bei letzterem hat er sich tatsächlich schon als Justizchef einen Namen gemacht, durch zahlreiche Korruptionsverfahren auch gegen hochrangige Staatsbeamte und sogar Richter.

Hamid ist über 70. Seine Frau versucht ihn davon abzuhalten, sich zum Sieg von Raisi zu äußern. Er tut es aber doch vorsichtig: "Er weiß selbst, dass die Leute ihn unterstützen werden, wenn er gut arbeitet. Wenn er das nicht macht, wird er wie Rouhani."

Verschärfte Wirtschaftskrise

Auch bei ihm schwingt Frust mit, dass Rouhani sein Versprechen nicht eingelöst und dem Land den Aufschwung gebracht hat. Im Gegenteil: Die Wirtschaftskrise hat sich verschärft. Der moderat-konservative Rouhani ist bald Geschichte. Dann kann sein Nachfolger Raisi zeigen, ob er es besser macht. "So Gott will, wird er in 45 Tagen die Präsidentschaft übernehmen, und diese Regierung, die zwölfte Regierung, wird ihre Amtszeit in 45 Tagen beenden."

Wieviel sich mit einem ultra-konservativen neuen Präsidenten tatsächlich ändert, wird sich wohl erst in den Wochen danach zeigen.