Der britische Öltanker "Stena Impero" | Bildquelle: AP

Lage an der Straße von Hormus Iran setzt Schiff fest - Großbritannien droht

Stand: 20.07.2019 15:47 Uhr

Ein britischer Tanker liegt immer noch im Iran fest. Ein zweiter war am Freitag nach wenigen Stunden wieder freigekommen. Großbritannien droht, die USA solidarisieren sich, Iran beharrt auf seiner Sichtweise.

Von Karin Senz, ARD-Studio Istanbul

Die Zwischenfälle mit Öltankern in der Region häufen sich und sorgen für immer mehr Spannung. Die Lage es unübersichtlich. Aktuell geht es um Zwischenfälle mit zwei britischen Tankern. Dazu gibt es unterschiedliche Angaben.

Die "Stena Impero" liegt im iranischen Hafen von Bandar Abbas. Das teilte die Schifffahrts- und Hafenbehörde dort mit. An Bord sind 23 Besatzungsmitglieder. Sie dürfen das Schiff nicht verlassen.

Die Reederei schrieb auf ihrer Homepage, sie habe keine Kontrolle mehr über das Schiff und keinen Kontakt zur Besatzung. Am Freitag hätten mehrere unbekannte kleinere Schiffe und ein Hubschrauber den Tanker in der Straße von Hormus angegriffen.

Widersprüchliche Darstellungen

Die iranischen Revolutionsgarden stellen die Situation anders dar. Die "Stena Impero" sei in der falschen Fahrrinne in die Straße von Hormus eingefahren und habe ihre Kennsignale ausgeschaltet. Dann habe sie ein Fischerboot gerammt. Dieses habe einen Notruf abgesetzt, den der Tanker aber ignoriert habe. Daraufhin sei er gestoppt und für eine Untersuchung in den Hafen von Bandar Abbas gebracht worden.

Die Reederei bestreitet, gegen internationale maritime Regeln verstoßen zu haben.

Britischer Tanker "Mesdar" durfte weiterfahren

Ein zweiter britischer Tanker, die "Mesdar" durfte am Freitag nach wenigen Stunden wieder weiterfahren. Nach Angaben der Reederei waren bewaffnete Sicherheitskräfte an Bord gekommen. Der Iran spricht von Problemen mit Umweltbestimmungen.

Viele sehen in dem Vorfall mit der "Stena Impero" eine Retourkutsche der iranischen Regierung. Anfang des Monats war ein Supertanker mit iranischem Rohöl vor Gibraltar mit Hilfe der britischen Marine festgesetzt worden. Ein Gericht hatte am Freitag entschieden, dass er weitere 30 Tage nicht weiterfahren darf. Am 15. August soll es dazu eine Anhörung geben.

Zwischenfälle bleiben nicht ohne Folgen

In den vergangenen Wochen hatte es immer wieder Zwischenfälle mit Tankern in der Region gegeben. Außerdem hatten die USA diese Woche behauptet, eine Drohne über der Straße von Hormus abgeschossen zu haben. Die Iraner bestritten das. Als Beweis veröffentlichten sie ein Video, das die Drohne nach dem angeblichen Abschusszeitpunkt aufgenommen haben soll - und zwar genau von dem US-Kriegsschiff, das sie abgeschossen haben soll.

All das bleibt jetzt nicht ohne Folgen. Großbritannien sucht einerseits den diplomatischen Weg und Kontakt zum Iran, droht aber auch mit ernsten Konsequenzen, wenn der Tanker nicht sofort frei kommt. Die britische Regierung bestellte den iranischen Geschäftsträger in London ein, wie das Außenministerium mitteilte.

Die USA verwiesen auf viele Kriegsschiffe in der Region. Sie wollen sich eng mit London abstimmen und weitere Soldaten in die Region schicken - und zwar nach Saudi-Arabien.

Auch die Bundesregierung verurteilte das Vorgehen des Iran aufs Schärfste. Teheran müsse den festgesetzten Öltanker und seine Besatzung "unverzüglich" freigeben, hieß es aus dem Auswärtigen Amt.

Immer mehr Zwischenfälle in der Straße von Hormus
Karin Senz, ARD Istanbul
20.07.2019 13:42 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 20. Juli 2019 um 16:15 Uhr.

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Karin Senz, SWR

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