Rettungskräfte räumen in Sarpol-e Zahab die Trümmer des Erdbebens auf. | Bildquelle: dpa

Iranisch-irakisches Grenzgebiet Von allem zu wenig

Stand: 13.11.2017 20:10 Uhr

Mehr als 400 Menschen sind bei dem Erdbeben im Grenzgebiet zwischen dem Iran und dem Irak gestorben. Mindestens 7000 wurden verletzt. Viele der Überlebenden mussten die Nacht im Freien verbringen. Die Versorgungslage ist kritisch.

Von Karin Senz, ARD-Studio Istanbul

Sie bergen die Toten aus den Trümmern, einen nach dem anderen, und Angehörige müssen zusehen. An einer Straße in Sarpol-e-Zahab stehen links und rechts einer Straße keine Häuser mehr, nur noch Steinhaufen türmen sich auf. Die Kleinstadt mit rund 35.000 Einwohnern in der Provinz Kermanschah hat es am stärksten getroffen.

Als der iranische Innenminister Abdolreza Rahmani Fazli die Region besucht, bekommt er den Ärger der Menschen ab. "Wir haben kein Wasser", schimpft einer. Eine Frau sagt: "Wir haben die Nacht in der Kälte verbracht, wir brauchen Hilfe."

Hilfe kommt aus der Luft

Über der Stadt hört man die Hubschrauber. Sie sollen vor allem die Menschen in den Bergen versorgen. Mehrere hundert Dörfer liegen um das Epizentrum, teils schwer zugänglich - auch weil Straßen zerstört wurden, es gab Erdrutsche. Und die iranische Grenzregion ist zum Teil noch vermint. Die Hilfe aus der Luft läuft, auch weil Flughäfen, wie der der Provinzstadt Kermanschah noch in Takt sind.

Das Krankenhaus von Sarpol-e-Zahab wurde hingegen komplett zerstört. Die vielen Tausend Verletzten müssen nach Kermanschah oder gleich in die Hauptstadt Teheran gebracht werden.

Zu wenig Wasser, zu wenig Brot, zu wenige Decken

Der Sprecher des Krisenstabs, Behnam Saidi, berichtet, in manchen Regionen sei das Trinkwasser verunreinigt. "Viele Aufbereitungsanlagen sind zerstört worden, aber wir haben schon angefangen, sie zu reparieren."

Bei der mobilen Wasserversorgung gebe es keine Probleme, von den ersten Stunden an sei Trinkwasser in den Städten und Dörfern verteilt worden, es gebe auch genügend Mineralwasserflaschen.

Die Menschen in einigen Dörfern erzählen allerdings etwas anderes. Sie beklagen sich über die Versorgung. Es gebe von allem zu wenig: Wasser, Brot und Decken.

Das iranische Fernsehen berichtet nahezu nonstop. Experten geben Tipps, wie man sich bei Nachbeben schützen kann. Davon gibt es etliche - teils sehr starke. Viele Menschen werden die Nacht heute im Freien verbringen müssen. Und diese Nacht wird kalt - um den Gefrierpunkt liegen die Temperaturen in den Bergen des Sagros-Gebirges, die um die 3000 Meter hoch sind.

Notstand auch auf irakischer Seite

Auf irakischer Seite in der autonomen Kurdenregion ist die Lage nicht ganz so dramatisch. Die Opferzahlen sind deutlich niedriger. Trotzdem herrscht auch dort in einigen Regionen der Notstand.

Die Türkei habe sehr schnell Hilfe auf den Weg gebracht, sagt Gesundheitsminister Ahmet Demircan. Mit einem Flugzeug habe die Regierung 320 Decken und 60 Zelte nach Süleymaniye geschickt, so Demircan. Außerdem würden mehr als 4000 Krankenbetten und über 200 Intensivpflegeplätze bereit gehalten. 40 Krankenwagen, zehn Ärzte und mehr als 300 Mediziner seien im Einsatz.

Helfer sollen "die Wunden heilen"

Auch türkische Erdbebenexperten sollen bei den Bergungsarbeiten helfen - für Präsident Recep Tayyip Erdogan selbstverständlich: "Wir helfen, wo Hilfe gebraucht wird und werden es auch weiterhin tun", sagt Erdogan. "Wie Sie wissen, steht die Türkei ihren Brüdern in der Region in solchen Notsituationen immer zur Seite." Alle Institutionen und Organisationen seien angewiesen, so schnell wie möglich benötigte Hilfsgüter zu liefern, "um die Wunden zu heilen."

Manche Wunden wird die schnelle Hilfe allerdings nicht heilen können. Ein Kurde steht vor einem zerstörten Haus, sein Bruder und sein Sohn sind darin ums Leben gekommen. Ein anderer sucht mit bloßen Händen im Trümmerhaufen noch nach Überlebenden.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 13. November 2017 um 17:00 Uhr und 20:00 Uhr.

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