Aufräumarbeiten in der iranischen Stadt Sarpol-E-Zahab | Bildquelle: dpa

Iranisch-irakisches Grenzgebiet Angst, Tod und Zerstörung

Stand: 13.11.2017 13:56 Uhr

Hunderte Tote, Tausende Verletzte: Nach dem schweren Erdbeben im iranisch-irakischen Grenzgebiet laufen nun die Bergungsarbeiten. Vor allem das vielerorts verunreinigte Grundwasser bereitet den Helfern Probleme.

Von Christian Buttkereit, ARD-Studio Istanbul

Menschen laufen in Panik aus ihren Häusern, Fernsehmoderatoren schauen statt in die Kamera irritiert an die Decke, als sich die Studiolampen wie von selbst bewegen. Bilder aus dem iranisch-irakischen Grenzgebiet gestern Abend.

Das Beben der Stärke 7,3 ereignete sich in der Region zwischen der Stadt Halabdscha auf irakischer Seite und der Provinz Kermanschah im Iran. Bis zum Morgen wurden 118 Nachbeben gezählt.

Die meisten Opfer auf iranischer Seite

Die meisten Opfer gab es auf iranischer Seite. Der geistliche Führer Irans, Ajatollah Ali Chamenei, drückte sein Beileid aus. Er rief die Rettungskräfte und Behörden auf, alles für die Betroffenen zu tun.

Die größten Schäden werden aus der iranischen 35.000 Einwohner-Stadt Sarpol-e-Zahab gemeldet, die dem Epizentrum am nächsten liegt. Zerstört wurden überwiegend Wohnhäuser, darunter angeblich viele Sozialbauten, die während der Regierungszeit des ehemaligen iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad erbaut wurden.

Das einzige Krankenhaus der Stadt wurde ebenfalls zerstört. Die Verletzten wurden in die nächstgelegenen Hospitäler in der Provinzhauptstadt Kermanschah und nach Teheran gebracht.

Grundwasser wurde verunreinigt

Ein großes Problem ist das verseuchte Grundwasser. "Erdrutsche in den inneren Schichten der Erde haben dazu geführt, dass das Grundwasser verunreinigt wurde", sagte Faramarz Akbari, Bürgermeister der Stadt Ghasre Shirin. "Dieses Schlammwasser können wir nicht verwenden. Aktuell benutzen wir mobile Wassertanks und verteilen Trinkwasser auch in Flaschen."

Die obdachlos gewordenen Menschen müssen sich auf eine kühle Nacht einstellen. Zwar liegt die Temperatur in der Region tagsüber bei 15 Grad. Nachts sinkt sie jedoch fast bis an den Gefrierpunkt. Die Belieferung mit Gas soll in den betroffenen Gebieten bis heute Abend wieder hergestellt sein, ebenso die Stromversorgung, sagte der Leiter der iranischen Elektrizitätsversorger.

Darüber hinaus blieben größere Schäden an der Infrastruktur offenbar aus. An den Flughäfen im Kermanschah und weiteren westiranischen Städten herrscht Normalbetrieb. Auch petrochemische Anlagen und Talsperren hätten keinen Schaden erlitten, heißt es von Behördenseite. Allerdings sei das Mobilfunknetz überlastet.

Türkei schickt Hilfe

Die Türkei schickte einen Hilfskonvoi mit Zelten und Decken sowie ein Transportflugzeug mit medizinischen Hilfsmitteln in die Irakische Provinz Süleymania. Deutschland hat dem Iran seine Hilfe angeboten.

Über dieses Thema berichteten am 13. November 2017 die tagesschau um 12:00 Uhr und NDR Info um 12:08 Uhr sowie ab 13:00 Uhr im "Mittagsecho".

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