Ringer Navid Afkari  | Bildquelle: NWRI HANDOUT/EPA-EFE/Shutterstoc

Iranische Staatsmedien Ringer Afkari hingerichtet

Stand: 12.09.2020 12:31 Uhr

Im Iran ist laut Staatsmedien der Ringer Navid Afkari hingerichtet worden - internationalen Protesten zum Trotz. Das Todesurteil hatte eine Welle der Solidarität ausgelöst - auch die Bundesregierung reagierte bestürzt.

Im Iran ist das Todesurteil gegen den Ringer Navid Afkari offenbar vollstreckt worden. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Ilna wurde der 27-Jährige im Gefängnis Adel-Abad in der südiranischen Stadt Schiras hingerichtet. Die örtliche Justizbehörde habe die Hinrichtung bestätigt, hieß es.

"Hoffen, dass es nicht stimmt"

Afkaris Anwalt schrieb auf Twitter, die Behörden hätten Afkaris Familie informiert, dass die Todesstrafe in der Früh vollstreckt worden sei. Weiter hieß es: "Wir hoffen, dass diese Nachricht nicht stimmt."

Man habe Afkari auf Drängen der Familie des Opfers und in deren Beisein hingerichtet, wurde ein Sprecher des Justizminsteriums zitiert. Nachdem das Urteil vom obersten Gerichtshof des Iran bestätigt worden und somit rechtskräftig war, hieß es ursprünglich, dass das Todesurteil gegen Afkari erst in sechs Jahren vollstreckt werde.

Bundesregierung zeigt sich bestürzt

Die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Bärbel Kofler, ist "zutiefst bestürzt" über die Hinrichtung Afkaris. Die SPD-Politikerin schrieb: "Es ist nicht hinnehmbar, dass rechtsstaatliche Grundsätze ignoriert werden, nur um unliebsame Stimmen zum Schweigen zu bringen." Auch der Verein Athleten Deutschland zeigte sich "zutiefst betroffen und schockiert".

Geständnis unter Folter?

Afkari soll laut iranischer Justiz bei einer Demonstration 2018 in Schiras einen Sicherheitsbeamten getötet haben. Er habe die Tat gestanden, hieß es. Das Geständnis sowie Aufnahmen der angeblichen Tat waren unter anderem im iranischen Staatsfernsehen gezeigt worden. Der Sportler selbst, seine Familie und Menschenrechtsorganisationen führten dagegen immer wieder an, das Geständnis sei durch Folter erzwungen worden. Afkaris Brüder, die ebenfalls an dem Protest teilgenommen hatten, sind zu Gefängnisstrafen verurteilt worden.

Internationaler Protest

Aus Protest gegen das Todesurteil hatte es in den vergangenen Tagen eine internationale Solidaritätswelle gegeben. Unter anderem der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, Thomas Bach, sowie US-Präsident Donald Trump hatten sich dafür eingesetzt, dass das Todesurteil gegen Afkari in eine Gefängnisstrafe umgewandelt wird. Die iranische Justiz hatte die Kritik am Todesurteil gegen Afkari zurückgewiesen.

Mit Informationen von Christian Buttkereit, ARD-Studio Istanbul

Trotz internationaler Proteste ? Iran richtet Ringer Afkari hin
Christian Buttkereit, ARD Istanbul
12.09.2020 12:52 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 12. September 2020 um 12:45 Uhr in den Nachrichten.

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