Ein Schnellboot der iranischen Revolutionsgarden umrundet den britischen Tanker "Stena Impero". | Bildquelle: AP

Festgesetzte Schiffe Iran regt Austausch der Tanker an

Stand: 24.07.2019 15:32 Uhr

Der Iran hält einen britischen Tanker fest, die Briten einen iranischen. Nun deutet Präsident Rouhani einen Austausch der Schiffe an. Die deutschen Reeder schlagen eine Lösung des Streits in Hamburg vor.

Der Iran hat einen Austausch der beiden festgesetzten Öltanker mit Großbritannien angeregt. Präsident Hassan Rouhani sagte bei einer Kabinettssitzung, wenn sich die Briten auch in Gibraltar an die Vorschriften hielten, würden sie eine angemessene Antwort erhalten.

Die britische Marine hatte in Gibraltar einen Tanker mit iranischem Öl festgesetzt, der Kurs auf Syrien gehabt haben soll. Die Briten argumentieren, der Tanker habe Erdöl für Syrien an Bord, was gegen EU-Sanktionen verstoße. Daraufhin setzten iranische Patrouillen am vergangenen Freitag den britischen Tanker "Stena Impero" fest, als er die Straße von Hormus passierte. Zur Begründung hieß es, das Schiff habe Vorschriften nicht beachtet.

Hassan Rouhani | Bildquelle: AFP
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"Wir wollen keine Spannungen", erklärte Irans Präsident Rouhani.

Iran zeigt sich verhandlungsbereit

Der Iran sei nicht stur und wolle keinen Konflikt mit den Briten und Europäern am Persischen Golf. "Wir wollen keine Spannungen", erklärte Rouhani. Wann und wie genau ein Austausch der Tanker ablaufen könnte, ließ er offen. Nach der Festsetzung des britischen Tankers hatten sich Großbritannien und der Iran gegenseitig noch ernste Konsequenzen angedroht.

Großbritannien schlug einen europäischen Militäreinsatz vor, mit dem Handelsschiffe in der Straße von Hormus geschützt werden sollen. Deutschland reagierte zurückhaltend: Man beteilige sich an den Gesprächen. Es sei aber noch zu früh, über mögliche Formen einer deutschen Unterstützung oder Beteiligung zu sprechen. Das Auswärtige Amt setzt auf eine "Politik der Deeskalation" gemeinsam mit Großbritannien und Frankreich.

Auch der Iran erhebt den Anspruch, die Straße von Hormus vor seiner Küste zu sichern. Dies sei kein Ort für Spielchen mit internationalen Regeln, hatte Rouhani erklärt.

Reeder: Seegerichtshof einschalten

Die deutschen Reeder schlugen vor, den Tankerstreit vor dem Internationalen Seegerichtshof in Hamburg beizulegen. Dort solle geklärt werden, was tatsächlich in der Straße von Hormus und in der Straße von Gibraltar vorgefallen sei. "Wir brauchen Deeskalation und objektive Aufklärung", sagte Ralf Nagel vom Präsidium des Verbandes Deutscher Reeder. Die Freigabe von Schiff und Besatzung müsse an erster Stelle stehen.

Besatzung der "Stena Impero" in Sicherheit

Die Reederei der "Stena Impero" teilte mit, sie habe erstmals mit der Besatzung sprechen können. Der Kapitän habe erklärt, dass die Mannschaft in Sicherheit sei und dass man gut mit den an Bord gegangenen Iranern kooperiere. "Wir wissen diesen Entwicklungsschritt natürlich zu schätzen", sagte Reedereichef Erik Hånell. Die 23 Besatzungsmitglieder stammen aus Indien, Russland, Lettland und von den Philippinen.

Zum ersten Mal seit dem Vorfall passierte offenbar ein ebenfalls unter britischer Flagge fahrendes Schiff die Straße von Hormus. Nach Angaben des Online-Magazins "Lloyd's List" handelte es sich um den Tanker "BW Elm". Ein britisches Kriegsschiff, die "HMS Montrose", sei hinterhergefahren. Daten auf der Website "MarineTraffic" zeigten, wie das Handelsschiff am frühen Morgen im Hafen von Katar ankam.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 24. Juli 2019 um 15:15 Uhr.

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