Nazanin Zaghari-Ratcliffe | via REUTERS

Nach jahrelanger Haft im Iran Britisch-iranische Staatsbürger wieder frei

Stand: 16.03.2022 17:10 Uhr

Jahrelang saßen die Doppelstaatler Nazanin Zaghari-Ratcliffe und Anusch Aschoori im Iran in Haft. Nun durften sie ausreisen und nach Großbritannien zurückkehren.

Nach jahrelanger Inhaftierung im Iran sind zwei britisch-iranische Staatsbürger freigelassen worden und zurück nach Großbritannien gereist. Die in den Jahren 2016 und 2017 im Iran festgenommenen Doppelstaatler Nazanin Zaghari-Ratcliffe und Anoosheh Ashoori würden im Vereinigten Königreich erwartet, erklärte Großbritanniens Außenministerin Liz Truss.

"Parallel" zu den Verhandlungen zwischen London und Teheran über die Freilassungen hätten beide Seiten einen jahrzehntelangen Streit über eine Verbindlichkeit in Höhe von 394 Millionen Pfund, also rund 470 Millionen Euro, beigelegt. Zaghari-Ratcliffe und Anoosheh Ashoori würden nach ihrer Ankunft in Großbritannien "mit ihren Familien und Liebsten wiedervereinigt", erklärte Truss.

Anusch Aschoori | via REUTERS

Anusch Aschoori ist wieder frei. Bild: via REUTERS

Erst am Wochenende hatten iranische Behörden Zaghari-Ratcliffe ihren britischen Pass zurückgegeben, was Hoffnungen auf ein baldiges Ende ihrer Notlage genährt hatte. Premierminister Boris Johnson bestätigte auf einer Nahostreise ebenfalls, dass ein Verhandlungsteam in Teheran an ihrer Freilassung arbeite. Später twitterte er, er sei froh, dass "die unfaire Verhaftung" von Zaghari-Ratcliffe und Aschoori ein Ende gefunden habe.

Die Abgeordnete Tulip Siddiq aus Zaghari-Ratcliffes Londoner Heimatbezirk Hampstead schrieb im Onlinedienst Twitter, die 43-jährige Britin befinde sich am Flughafen Teheran. Dazu veröffentliche Siddiq ein Foto der lächelnden Zaghari-Ratcliffe in einem Flugzeug. "Nazanin befindet sich jetzt in der Luft, um den sechs Jahren Hölle im Iran zu entkommen."

Festnahmen bei Familienbesuchen

Zaghari-Ratcliffe wurde im April 2016 nach einem Besuch bei ihren Verwandten im Iran am Teheraner Flughafen in Gewahrsam genommen. Die Britin mit iranischen Wurzeln saß dann fünf Jahre im Gefängnis. Später wurde sie der Verschwörung zum Sturz der iranischen Regierung für schuldig befunden. Sie selbst, ihre Unterstützer und Menschenrechtsgruppen bestritten die Vorwürfe. Nach den fünf Jahren in Haft wurde sie in den Hausarrest entlassen. Zum Zeitpunkt ihrer Festnahme arbeitete sie für die Stiftung der Nachrichtenagentur Thomson Reuters.

Ashoori ist ein Ingenieur im Ruhestand. Er wurde wegen Spionage für Israel zu mindestens zehn Jahren Gefängnis verurteilt, als er 2017 seine Mutter im Iran besuchte. Die Familien beider Doppelstaatler argumentierten stets, Zaghari-Ratcliffe und Ashoori seien Opfer politischer Verfolgung. Zaghari-Ratcliffes Mann Richard hatte mehrfach erklärt, seine Frau sei eine "Geisel" in einem finsteren politischen Spiel. Dabei gehe es um die Rückzahlung einer Schuld aus der Zeit des Schahs von Persien. 

Langjähriger Streit um Schulden im Hintergrund

Dass Zagharis-Ratcliffes Freilassung unmittelbar bevorstand, deutete die halbstaatliche Nachrichtenagentur Fars zuvor in einem Bericht an. Die britische Regierung habe zuvor etwa 400 Millionen Pfund, die sie der Führung in Teheran schulde. Vor der Islamischen Revolution von 1979 hatte Schah Mohammed Reza Pahlavi das Geld für Panzer bezahlt, die nie geliefert wurden. Die seit langem überfälligen Schulden seien nun beglichen worden, hieß es.

Truss sagte dazu nun, unter Vermittlung des Oman sei der Streit um die Rückzahlung beigelegt worden. Das Geld werde "ausschließlich für den Erwerb humanitärer Güter" angelegt. Der iranische Außenminister Hossein Amir-Abdollahian sagte laut der Nachrichtenagentur Isna, Teheran habe den Millionenbetrag "vor einigen Tagen erhalten". Es sei aber "falsch", eine Verbindung zwischen dem Zahlungseingang "und der Freilassung dieser Leute" herzustellen. 

Truss sagte, die Regierung in London werde sich weiter für die Freilassung von Morad Tahbaz, eines anderen Iraners mit dreifacher Staatsbürgerschaft Großbritanniens und  der USA einsetzen. Einstweilen sei für ihn der Status eines Freigängers vereinbart worden.