Retter durchsuchen an der Absturzstelle der Boeing 737 nahe Teheran die Trümmer.  | Bildquelle: dpa

Ermittlungen zum Flugzeugabsturz Iran will Absturzursache nennen

Stand: 11.01.2020 04:21 Uhr

Wurde das ukrainische Passagierflugzeug versehentlich vom Iran abgeschossen? Mehrere Staaten gehen davon aus. Der Iran bestreitet dies und will offenbar heute die Absturzursache nennen.

Die Ermittlungen zur Absturzursache der ukrainischen Passagiermaschine bei Teheran laufen auf Hochtouren. Die Regierung in Kiew will weiter alle Versionen untersuchen, die zu dem Absturz geführt haben könnten. Man sei nicht bereit, momentan irgendwelche Schlüsse zu ziehen, so der ukrainische Außenminister Wadim Pristaiko.

Die 50 Experten aus der Ukraine sind im Iran am Absturzort und wollen demnächst den Flugschreiber mit den Gesprächen zwischen der Besatzung und der Flugleitung auswerten, teilte er mit. Die iranischen Behörden würden "vollumfänglich kooperieren". Beide Black Boxen sind nach iranischen Angaben beschädigt.

Zuvor hatten die USA, Kanada und Großbritannien Vorwürfe erhoben, dass die Maschine vom Iran wahrscheinlich versehentlich abgeschossen worden war.

Der ukrainische Geheimdienst geht von zwei möglichen Absturzursachen nach dem Flugzeugunglück bei Teheran aus - einem Abschuss durch die iranische Flugabwehr oder einem Terroranschlag. Auch wenn die Vermutungen einiger westlicher Staaten die meiste Aufmerksamkeit bekämen, müssten noch einige Fragen beantwortet werden, sagte Geheimdienstchef Bakanow. Darunter fielen etwa die Reichweite des mutmaßlichen Geschosses und "Nuancen" darüber, wie das Geschoss gestartet worden sei.

Iran will offenbar Absturzursache bekannt geben

Der Iran wird einem Medienbericht zufolge heute die Ursache für den Absturz einer Passagiermaschine bei Teheran nennen. Die Bekanntgabe solle nach einem Treffen einer Kommission stattfinden, die sich auf Luftfahrt-Unfälle spezialisiert hat, berichtet die halbamtliche Nachrichtenagentur Fars unter Berufung auf eine mit den Plänen vertraute Person.

Der kanadische Außenminister Francois-Philippe Champagne korrigiert derweil die Zahl der kanadischen Opfer. Man gehe nun von 57 und nicht 63 Personen aus. Bei dem Absturz waren insgesamt 176 Menschen ums Leben gekommen.

"New York Times" veröffentlicht Handyvideo

Zuvor hatte die "New York Times" ein Handyvideo veröffentlicht. Darauf ist zu sehen, wie sich am Nachthimmel zwei helle Punkte einander nähern und schließlich eins werden. Dann wird es kurz sehr hell. Es sieht wie eine Explosion aus. Was es zeigen soll: Eine Rakete trifft am frühen Mittwochmorgen die ukrainische Passagiermaschine, die kurz zuvor in Teheran gestartet war.

Defektes Triebwerk?

Der iranische Botschafter in Großbritannien, Hamid Baeidinejad, stellte das Video in einem Interview mit dem Sender "Sky News" in Frage. Es gebe viel Videomaterial und einiges davon widerspreche sich. "Wir sollten sehr vorsichtig sein, nicht irgendwelche voreiligen Schlüsse zu ziehen, sondern die Experten sich alles anschauen lassen."

Schon kurz nach dem Absturz hatte der Iran von technischen Problemen an Bord der Passagiermaschine gesprochen. Ein Triebwerk habe Feuer gefangen. Nach Ansicht von Experten könne ein Flugzeug aber auch mit einem defekten Triebwerk weiterfliegen. Es müsse mehr passiert sein.

EASA rät von Flügen über Iran und Irak ab

Die europäische Flugsicherheitsbehörde EASA riet derweil nach dem Flugzeugabsturz von Flügen über den Iran ab. Nach einem Treffen von Flugsicherheitsexperten in Brüssel sprach sich die EASA gegen Flüge in einer Höhe von weniger als 25.000 Fuss (7620 Metern) aus.

Zuvor hatte die EASA bereits empfohlen, Flüge über den Irak zu vermeiden. Die Empfehlung beruht nach EASA-Angaben auf den verfügbaren Informationen über jüngste Ereignisse in der Region, den Absturz der Passagiermaschine eingeschlossen.

Iran weist Vorwürfe zurück

Der Iran bleibt dabei: Er hat die ukrainische Maschine nicht abgeschossen - auch nicht aus Versehen. "Unsere Luftverteidigung und unsere zivile Luftfahrtbehörde arbeiten eng zusammen - wie es das Gesetz vorschreibt. Das Personal beider Stellen sitzt nebeneinander. Es ist unmöglich, dass so etwas passiert", erklärt Abedsadeh.

Es gibt weitere Gerüchte, dass der Absturzort nicht abgesperrt worden sei. Ein Fernsehteam habe beobachtet, wie Bulldozer darauf herumgefahren seien. Diese Vorwürfe bezeichnet der iranische Botschafter Baeidinejad als "absolut absurd". Im Internet diskutierten indes viele Iraner, wer von beiden Seiten - die USA oder der Iran - Propaganda betreibt.

Ermittlungen zum Flugzeugabsturz im Iran: Tageszusammenfassung
Karin Senz, ARD Istanbul
10.01.2020 17:39 Uhr

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Mit Informationen von Karin Senz, ARD-Studio Istanbul.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 10. Januar 2020 um 20:00 Uhr.

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