Wrackteile der Maschine ukrainischen Passagiermaschine. | Bildquelle: ABEDIN TAHERKENAREH/EPA-EFE/REX

Flugzeugabsturz nahe Teheran USA vermuten versehentlichen Abschuss durch Iran

Stand: 09.01.2020 20:56 Uhr

US-Vertreter vermuten, dass die iranische Flugabwehr die ukrainische Boeing 737 nahe Teheran versehentlich zum Absturz gebracht haben könnte. US-Präsident Trump sprach von einem möglichen Fehler. Teheran dementiert die Vorwürfe.

Nach dem Absturz eines ukrainischen Passagierflugzeugs bei Teheran rückt in den USA der Verdacht eines versehentlichen Abschusses in den Vordergrund. Mehrere US-Medien berichten unter Berufung auf nicht genannte Regierungsvertreter, die US-Regierung glaube, dass die Boeing durch eine iranische Rakete abgeschossen worden sein könnte.

Der TV-Sender CBS berichtete, US-Geheimdienste hätten Signale von einem Radar empfangen, das eingeschaltet worden sei. US-Satelliten hätten außerdem den Start von zwei Boden-Luft-Raketen kurz vor der Explosion des Flugzeugs entdeckt.

Der Sender CNN meldete unter Berufung auf mehrere US-Behördenvertreter, man gehe zunehmend von einem versehentlichen Abschuss durch den Iran aus. Dieser "Arbeitstheorie" lägen die Analyse von Satelliten-, Radar- und anderen elektronischen Daten zugrunde, die routinemäßig vom Militär und den Geheimdiensten der USA gesammelt würden. Das US-Verteidigungsministerium lehnte eine Stellungnahme ab.

Trump: "Jemand könnte Fehler gemacht haben"

Die Annahme sei, dass das iranische Luftabwehrsystem aktiv gewesen sein könnte, nachdem am Mittwoch vom Iran aus Raketen auf von US-Soldaten genutzte Militärstützpunkte im Irak abgefeuert worden waren, berichtete das Nachrichtenmagazin "Newsweek".

US-Präsident Donald Trump heizte die Mutmaßungen über die Absturzursache weiter an. Zu Medienvertretern im Weißen Haus sagte er, er habe einen "Verdacht", jemand "könnte einen Fehler gemacht haben". Er habe das Gefühl, dass etwas sehr Schreckliches passiert sei. Details nannte er nicht. Einige Menschen vermuteten, dass es einen mechanischen Fehler gegeben haben könnte. Er persönlich glaube, das stehe nicht zur Debatte. Auf die Frage, ob die Maschine aus Versehen abgeschossen worden sein könnte, sagte Trump allerdings: "Das weiß ich wirklich nicht."

Auch die kanadische Regierung geht von einem Abschuss der Maschine aus. Man habe Informationen, dass die Boeing von einer iranischen Rakete getroffen worden sei, sagte Kanadas Ministerpräsident Justin Trudeau in einer TV-Ansprache.

Jan-Philipp Burgard, ARD Washington, zu Spekulationen über die Absturzursache
tagesschau 20:00 Uhr, 09.01.2020

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Iran weist "Gerüchte" zurück

Auf der Website des iranischen Verkehrsministeriums hieß es dagegen: "Diese Geschichte eines Raketeneinschlags im Flugzeug kann gar nicht korrekt sein." Zum Zeitpunkt des Absturzes seien "mehrere inländische und internationale Flüge auf der gleichen Höhe von 8000 Fuß" im iranischen Luftraum unterwegs gewesen.

Die "Gerüchte" über einen Raketeneinschlag "ergeben keinen Sinn", erklärte der stellvertretende Minister Ali Abedsadeh, der zugleich Chef der zivilen Luftfahrtbehörde (CAO) des Landes ist. "Wissenschaftlich gesehen ist es unmöglich, dass eine Rakete die ukrainische Maschine getroffen hat, deshalb sind solche Gerüchte unlogisch" wie ihn die iranische Nachrichtenagentur Isna zitierte.

Iranische Stellen hatten zunächst ein technisches Versagen vermutet: "Wegen eines technischen Defekts hat die Maschine Feuer gefangen, und dies führte zum Absturz", sagte Verkehrs- und Transportminister Mohammed Eslami der Agentur Isna.

Auch Kiew schließt Raketenangriff nicht aus

Die Ukraine schließt hingegen einen Raketenangriff oder einen Terroranschlag als Ursache nicht aus. Olexij Danilow vom ukrainischen Sicherheitsrat sagte, die Beamten hätten mehrere Arbeitshypothesen für den Crash, darunter einen Raketenangriff. "Ein Angriff mit einer Rakete, möglicherweise einem Tor-Raketensystem, ist unter den wichtigsten (Theorien), da im Internet Informationen zu Teilen einer Rakete aufgetaucht sind, die in der Nähe der Absturzstelle gefunden wurden", sagte er.

In einem vorläufigen Bericht der ukrainischen Behörde für zivile Luftfahrt hieß es unter Berufung auf iranische Ermittler, die Besatzung habe keinen Notruf abgesetzt. Augenzeugen, darunter die Besatzung eines anderen Flugzeugs, das in der Nähe geflogen sei, hätten berichtet, dass das Flugzeug vor dem Absturz von Feuer umhüllt gewesen sei.

Beschädigte Blackbox

Der Flugdatenschreiber und der Stimmrekorder mit Aufnahmen der im Cockpit geführten Gespräche wurden gefunden - sie seien allerdings beschädigt und ihre Daten teilweise zerstört, so die ukrainischen Behörden. Ukraines Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte, sein iranischer Kollege Hassan Rouhani habe ihm versichert, sein Land werde ukrainischen Ermittlern Zugang zu allen nötigen Daten verschaffen.

Abedsadeh erklärte, dass "der Iran und die Ukraine die Fähigkeit haben, die Informationen auszulesen". Sollten Experten nötig sein, "können wir das in Frankreich oder einem anderen Land machen lassen". Zugleich wies er "Gerüchte" zurück, dass der Iran die Flugschreiber nicht den USA übergeben wolle.

Bei dem Absturz am Mittwoch starben alle 176 Insassen. Kurz zuvor hatte der Iran Raketen auf von den USA geführte Militärstützpunkte im Irak abgefeuert.

Lufthansa-Flugzeug nach Teheran kehrt um

Unterdessen hat die Lufthansa ein Flugzeug auf dem Weg in die iranische Hauptstadt Teheran umkehren lassen. Grund sei eine veränderte Einschätzung der Sicherheitslage für den Luftraum um den Flughafen Teheran, sagte ein Sprecher. Das Flugzeug mit der Flugnummer LH 600 befinde sich auf dem Rückweg. Die Maßnahme sei rein vorsorglich.

Erst am Vormittag hatte die Lufthansa erklärt, nach eintägiger Unterbrechung wegen der Zuspitzung des Iran-Konflikts ihre Flüge nach Teheran wieder aufzunehmen. Der Flug LH 600 hatte Frankfurt am Nachmittag verlassen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 09. Januar 2020 um 19:00 Uhr.

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