Iranische Flagge vor blauem Himmel | REUTERS

Iran Verwirrung nach Berichten über Festnahmen

Stand: 07.07.2022 18:48 Uhr

Laut iranischen Staatsmedien sollen ausländische Diplomaten unter Spionageverdacht festgenommen worden sein - doch Großbritannien und Österreich dementieren. Polen hingegen bestätigt die Festnahme eines Wissenschaftlers.

Iranische Staatsmedien haben mit Berichten über die Festnahme mehrerer Ausländer wegen Spionageverdachts für Verwirrung gesorgt. Während Großbritannien und Österreich entsprechende Meldungen zurückwiesen, bestätigte die polnische Regierung die Festnahme eines polnischen Wissenschaftlers. Das Außenministerium in Warschau erklärte, der Iran habe bereits im September einen "hoch angesehenen Wissenschaftler" festgenommen. Die Regierung leiste dem Mann konsularische Hilfe und arbeite auf seine Freilassung hin. Weitere Details wurden nicht genannt.

Iranische Medien hatten den polnischen Wissenschaftler Maciej Walczak von der Nikolaus-Kopernikus-Universität Toruń am Mittwoch als Teil einer Reihe von Ausländern benannt, denen in dem Land Spionage vorgeworfen werde. Die iranischen Revolutionsgarden hatten in dem Zusammenhang mehrere Europäer beschuldigt, spioniert und Bodenproben in militärischen Sperrzonen in der iranischen Wüste entnommen zu haben, während die Revolutionsgarden Raketentests unternahmen. Die staatliche Nachrichtenagentur Irna berichtete, die Ausländer seien festgenommen worden, machte aber keine Angaben dazu, wann dies geschah und ob sie sich weiterhin in Gewahrsam befanden.

Dementi aus Wien und London

Unter den Festgenommen soll den Berichten zufolge auch ein britischer Diplomat sein, der vom Staatsfernsehen als der stellvertretende Botschaftsleiter Giles Whitaker identifiziert wurde. Das britische Außenministerium stritt dies nun aber ab. "Berichte über die Festnahme eines britischen Diplomaten im Iran sind völlig falsch", sagte ein Ministeriumssprecher laut der britischen Nachrichtenagentur PA. Der britische Botschafter Simon Shercliff beschrieb die iranischen Medienberichte über Whitakers Festnahme als "sehr interessant". Bei Twitter verwies er darauf, dass der Diplomat das Land zum Ende seiner Entsendung bereits im Dezember verlassen habe.

Die halbamtliche Nachrichtenagentur Fars, die den Revolutionsgarden nahestehen soll, hatte berichtet, Whitaker habe die militärische Verbotszone besucht, als er das Land mit seiner Familie als Tourist bereist habe. Das Staatsfernsehen strahlte Aufnahmen aus, die ihn angeblich dabei zeigten, wie er Fotos machte und Bodenproben in einem Gebiet für Raketenübungen entnahm.

Der Iran hatte auch die Festnahme des Ehemanns der österreichischen Kulturattachée gemeldet - was die Regierung im Wien nun ebenfalls bestritt. Es seien keine Mitarbeiter oder deren Familienangehörige festgenommen worden, hieß es. "Alle Mitarbeiter und Angehörigen vor Ort sind wohlauf", sagte eine Sprecherin des österreichischen Außenministeriums.

Mehrfach Festnahmen in der Vergangenheit

Zwischen dem Iran und dem Westen haben die Spannungen seit dem einseitigen Rückzug der USA aus dem Atomabkommen von 2015 unter dem damaligen Präsidenten Donald Trump zugenommen. Washington führte Sanktionen gegen den Iran wieder ein, dieser rückte seinerseits von seinen Verpflichtungen aus dem Abkommen ab.

Der Iran hat in der Vergangenheit mehrfach Personen mit doppelter Staatsbürgerschaft oder mit westlichen Verbindungen festgenommen, oftmals unter dem Vorwurf der Spionage, und sie als Faustpfand in Gesprächen eingesetzt, etwa mit Blick auf Atomverhandlungen. Die Gespräche über eine Wiederbelebung des Atomabkommens mit dem Iran stecken seit Monaten in einer Sackgasse.