Ein Mann trauert nach dem Erdbeben im Iran | Bildquelle: REUTERS

Nach Erdbeben Staatstrauer und schleppende Hilfe

Stand: 14.11.2017 17:29 Uhr

Langsam läuft die Hilfe für die vom Erdbeben betroffene Region im Iran an. Viele Lehmhäuser sind eingestürzt, nun fehlt es an Zelten. Irans Präsident Rouhani reiste in die Unglücksregion und rief einen Tag der Trauer aus.

Hassan Rouhani | Bildquelle: REUTERS
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Irans Präsident Rouhani reiste in die Unglücksregion und rief einen Tag der Trauer aus.

Nach dem schweren Erdbeben in der iranisch-irakischen Grenzregion hat die Regierung in Teheran einen Tag der Trauer ausgerufen. Den betroffenen Menschen in der Kermanschah-Provinz versprach sie Hilfe beim Wiederaufbau. "Heute stehen alle Iraner hinter Kermanschah, und wir werden alles tun, damit die Menschen hier diese Tragödie schneller vergessen können", sagte Staatschef Hassan Rouhani. "Unser Fokus sind Wohnkomplexe, da müssen wir den Menschen bei dem Aufbau besonders zur Seite stehen", sagte er bei seinem Besuch in der Unglücksregion.

Die Menschen bräuchten vor allem Zelte, Wasser und Lebensmittel, sagte der Chef der iranischen Revolutionsgarden, General Mohammed Ali Dschafari. Neu gebaute Häuser hätten dem Erdbeben gut standgehalten. Alte, aus Lehm gebaute Häuser seien "völlig zerstört", sagte er im staatlichen Fernsehen. Sowohl die Bewohner als auch die Behörden in Kermanschah sind offenkundig nicht zufrieden mit der Hilfe aus Teheran und beklagen sich über die Versorgung und die ihrer Meinung nach ungerechte Verteilung der Zelte. Sie hoffen, dass sich das nach Rouhanis Besuch ändert.

Mehr als 440 Todesopfer

Laut jüngsten offiziellen Angaben kamen nach dem Erdstoß der Stärke 7,3 im Iran 432 Menschen ums Leben. Außerdem wurden fast 7900 Verletzte gezählt. Im benachbarten Irak starben laut dem Roten Halbmond neun Menschen, etwa 330 wurden verletzt. Verwirrung gab es zwischenzeitlich wegen eines Berichts der staatlichen Nachrichtenagentur IRNA. Diese hatte von 530 Toten berichtet, fast 100 mehr als die vom Innenministerium angegebene amtliche Opferzahl.

Der Mittelpunkt des Bebens lag in etwa 34 Kilometern Tiefe in der westiranischen Provinz Kermanschah. Die weitaus meisten Todesopfer gab es auf der iranischen Seite der Grenze. Am schlimmsten traf es die beiden Grenzstädte Sare Pole Sahab und Ghassre Schirin.

Insgesamt beschädigte das Beben nach offiziellen Angaben 27.000 Wohnkomplexe. 12.000 davon seien komplett zerstört, 15.000 seien nicht mehr zu bewohnen.

Trotz Kälte verbrachten viele Menschen in der Provinz die Nacht angesichts von mehr als 200 Nachbeben im Freien. Die Bergungsarbeiten seien in manchen Städten beendet, in anderen gehen sie jedoch weiter, hieß es.

Iran will keine internationale Hilfe

Laut Außenminister Mohamed Dschawad Sarif will der Iran vorerst auf internationale Hilfe verzichten. "Wir bedanken uns für die internationale Anteilnahme und Hilfsangebote, aber wir haben es vorläufig im Griff", schrieb er auf Twitter. Er werde seine Kollegen jedoch bei Bedarf in Kenntnis setzen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 14. November 2017 um 09:00 Uhr.

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