Karte Iran mit den Orten Marivan und Teheran

Proteste im Iran Erneut Schüsse auf Demonstranten

Stand: 06.11.2022 19:12 Uhr

Im Iran sollen Polizisten erneut auf oppositionelle Demonstranten geschossen haben. Die Menschen waren in der Stadt Marivan auf die Straße gegangen. Am Samstag war dort bei Demonstrationen eine Frau getötet worden.

Bei Protesten im Iran soll die Polizei erneut das Feuer auf Demonstranten eröffnet haben. Nach Augenzeugenberichten wurde auch Tränengas eingesetzt. Laut der Menschenrechtsorganisation Hengaw mit Sitz in Oslo wurden Dutzende Demonstranten verletzt. Auch Todesopfer wurden befürchtet.

Die Menschen waren in der Stadt Marivan im Nordwesten des Landes auf die Straße gegangen. Dabei sollen sie das Büro eines Parlamentsabgeordneten angegriffen haben. Unabhängig bestätigen lassen sich die Angaben nicht.

Reaktion auf Tod einer Demonstrantin

In Marivan soll am Samstag eine junge Kurdin getötet worden sein, nachdem sie an einer oppositionellen Demonstration teilgenommen hatte. Staatliche Medien wiesen - wie bereits in den vergangenen Wochen - den Vorwurf zurück, die Polizei sei gewaltsam gegen die Menschen vorgegangen. Menschenrechtler gehen davon aus, dass seit Beginn der Demonstrationen vor sieben Wochen im Iran mehr als 300 Menschen von Sicherheitskräften oder paramilitärischen Gruppen getötet worden sind.

Mitte September entzündeten sich die Proteste am Tod der 22-jährigen Kurdin Mahsa Amini im Polizeigewahrsam. Sie war von der Sittenpolizei festgenommen worden, weil sie ihr Kopftuch nicht vorschriftsmäßig getragen haben soll.

Demonstranten fordern Sturz der iranischen Regierung

Anfangs richteten sich Proteste noch gegen die Kleidungsvorschriften. Mittlerweile fordern die Demonstranten aber den Sturz der iranischen Regierung. Zu den Zentren des Widerstands gegen die iranische Führung zählen die Universitäten des Landes. In Kurdengebieten sollen Sicherheitskräfte besonders hart gegen Proteste vorgehen.

Parlamentsmehrheit fordert harte Strafen

Das Parlament des Irans forderte harte Strafen für inhaftierte Demonstranten, wie die iranischen Staatsmedien berichten. Demnach sollen 227 von 290 Abgeordneten die Justiz aufgefordert haben, harte Urteile zu fällen. Sie werfen den Demonstranten "Krieg gegen Gott" vor, worauf die Todesstrafe stehen könnte, und machten wie die Regierung die USA für die Unruhen verantwortlich. Im iranischen Parlament haben Hardliner und Konservative die Mehrheit. Es wird alle vier Jahre gewählt, allerdings entscheidet der Wächterrat, welche Kandidaten zur Wahl zugelassen werden.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 05. November 2022 um 14:00 Uhr.