Iranische Flagge vor blauem Himmel | Bildquelle: REUTERS

Deutsch-iranisches Verhältnis Ärger wegen verdächtigem Diplomaten

Stand: 11.10.2018 02:50 Uhr

Spannungen zwischen Berlin und Teheran: Wegen der Auslieferung eines iranischen Diplomaten unter Terrorverdacht von Deutschland nach Belgien wurde der deutsche Botschafter einbestellt.

Nach der Auslieferung eines Diplomaten von Deutschland nach Belgien hat der Iran den deutschen Botschafter in Teheran einbestellt. "Bei dem Treffen mit dem Botschafter wurde gegen die Festnahme, Inhaftierung und Auslieferung des iranischen Diplomaten protestiert", sagte Außenamtssprecher Bahram Ghassemi laut der Webseite seines Ministeriums.

In dem Gespräch mit Botschafter Michael Klor-Berchtold sagte Ghassemi demnach, die Festnahme und Auslieferung des Diplomaten beruhe auf einer "Verschwörung von Feinden des Iran" und dessen Beziehungen zu Europa. Teheran forderte demnach eine rasche Freilassung des Diplomaten.

Auslieferung nach Belgien

Der in Bayern unter Terrorverdacht festgenommene Diplomat Assadollah A. war am Dienstag nach Belgien ausgeliefert worden. Die belgische Staatsanwaltschaft bestätigte die Auslieferung - nun sitzt A. in Untersuchungshaft. Gegen den Mann sei Haftbefehl erlassen worden, hieß es von belgischer Seite.

Die für Terrorismus zuständige belgische Staatsanwaltschaft verdächtigt Assadi, an der Planung eines Anschlags auf iranische Oppositionelle in Frankreich beteiligt gewesen zu sein. A. gilt als mutmaßlicher Drahtzieher eines vereitelten Anschlags im Juni auf Exil-Iraner während einer Veranstaltung in Frankreich.

Auch deutsche Ermittler vermuten, dass der Diplomat den Anschlag in Auftrag gegeben und zwei mutmaßlichen Attentätern Sprengstoff besorgt hat. Diese wurden offenbar in Belgien festgenommen, weshalb der Fall nun dort behandelt wird.

Keine diplomatische Immunität

Das Oberlandesgericht Bamberg hatte vergangene Woche der Auslieferung zugestimmt. Dem 46-jährigen A. werden Spionage und Verabredung zum Mord vorgeworfen.

Der in der iranischen Botschaft in Wien eingesetzte A. hatte einen Antrag gegen seine Auslieferung gestellt und sich dabei auf seine diplomatische Immunität berufen. Da sich der Iraner zum Zeitpunkt der Festnahme auf einer mehrtägigen Urlaubsreise außerhalb Österreichs befand, war er vor Strafverfolgung nicht geschützt, wie es weiter hieß.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell Radio am 11. Oktober 2018 um 06:30 Uhr.

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