Ruhollah Sam während einer Gerichtsverhandlung im Juni | AFP

Kritik an Hinrichtung Ruhollah Sams Iran bestellt deutschen Botschafter ein

Stand: 13.12.2020 16:11 Uhr

Nach der Kritik der Bundesregierung an der Hinrichtung des regierungskritischen iranischen Journalisten Sam hat Teheran den deutschen Botschafter einbestellt. Der Iran spricht von einer "inakzeptablen Einmischung" Deutschlands.

Das iranische Außenministerium hat den deutschen Botschafter Hans-Udo Munzel einbestellt, nachdem die Bundesregierung scharfe Kritik an der Hinrichtung des iranischen Journalisten Ruhollah Sam geübt hatte. Das berichtet die staatliche Nachrichtenagentur IRNA. Die Regierung inTeheran wirft Deutschland eine "inakzeptable Einmischung" in Irans "innere Angelegenheiten" vor.

Ein Sprecher des Auswärtigen Amts in Berlin hatte am Samstagabend die Hinrichtung von Sam scharf verurteilt. Der Außenamtssprecher erklärte, die Bundesregierung lehne die Todesstrafe als eine grausame und unmenschliche Form der Bestrafung unter allen Umständen ab. "Wir fordern Iran dazu auf, das Recht auf freie Meinungsäußerung seiner Bürgerinnen und Bürger zu respektieren, alle politischen Gefangenen freizulassen und weitere Todesstrafen weder zu verhängen noch zu vollstrecken."

Sam aus dem Exil verschleppt

Sam war im Juni in Teheran zum Tode verurteilt und am Samstag hingerichtet worden. Dem 47-Jährigen wurde vorgeworfen, mit seiner Webseite "Amad News" Propaganda gegen die iranische Führung betrieben und Menschen zu teilweise gewaltsamen Protesten angestiftet zu haben.

Sam lebte eigentlich im Exil in Frankreich, wo er als Flüchtling anerkannt war. Medienberichten zufolge wurde der Journalist von iranischen Sicherheitskräften in das Nachbarland Irak gelockt, dort festgenommen und danach in den Iran gebracht.

Auch an diesem Vorgehen hatte die Bundesregierung scharfe Kritik geübt. Man sei "schockiert über die Umstände, unter denen die Verurteilung erfolgt ist, besonders die vorausgehende Verschleppung aus dem Ausland", hieß es vom Auswärtigen Amt.

Mindestens 251 Menschen im Iran hingerichtet

Neben dem deutschen Botschafter soll laut IRNA auch der Leiter der französischen Botschaft in Teheran einbestellt werden. Zuvor hatte ein Sprecher des französischen Außenministeriums die Hinrichtung als "schweren Angriff auf die Rede- und Pressefreiheit" verurteilt. Sie sei ein "barbarischer und inakzeptabler Akt".

Nach Angaben von Amnesty International hat der Iran im vergangenen Jahr mindestens 251 Menschen hingerichtet. Damit ist der Iran nach China das Land mit der weltweit zweithöchsten Zahl an vollstreckten Todesurteilen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 13. Dezember 2020 um 16:00 Uhr.