Ayatollah Ali Chamenei spricht vor ranghohen Armeeangehörigen und Mitgliedern der Revolutionsgarden. | Bildquelle: IRANIAN SUPREME LEADER OFFICE HA

Iranischer Ayatollah "Verhandlungen mit Amerika sind Gift"

Stand: 15.05.2019 20:05 Uhr

Nach langem Schweigen hat sich Ajatollah Chamenei im Streit um das Atomabkommen zu Wort gemeldet: Man wolle keinen Krieg mit den USA, betont der iranische Anführer - aber auch keine Verhandlungen.

Von Karin Senz, ARD-Studio Istanbul

Der Oberste Führer des Iran, Ajatollah Chamene, hat sich öffentlich zur aktuellen Situation seines Landes geäußert - das erste Mal, seit sich der Konflikt mit den USA so verschärft hat.

"Es wird keinen Krieg geben. Weder wir wollen einen Krieg, noch sie haben etwas von einem Krieg. Und das wissen sie auch", sagt er. "Wir haben nie einen Krieg angefangen und werden das auch in Zukunft nicht tun. Hier geht es darum, wer die besseren Nerven hat, den stärkeren Willen. Und den haben wir."

Dabei sitzt er auf einem Stuhl wie ein Vorleser im Kindergarten. Hohe Armeeangehörige und Mitglieder der Revolutionsgarden hören schweigend zu. Sie knien, etwas weiter hinten sitzen sie in Stuhlreihen.

Claudia Buckenmaier, ARD Washington, zum Konflikt zwischen USA und Iran
nachtmagazin 00:45 Uhr, 16.05.2019

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Nervosität im Iran deutlich gestiegen

Von Aggressivität oder Nervosität keine Spur - jedenfalls nicht in diesem Moment. Dagmar von Bohnstein, Geschäftsführerin der deutsch-iranischen Industrie und Handelskammer in Teheran, hat die Atmosphäre im Land letzte Woche ganz anders erlebt.

"Die Nervosität im Iran ist kurz vor dem 8. Mai - und damit dem Jahrestag der US-Sanktionen gegen das Land - deutlich gestiegen", beschreibt sie. "Spätestens, als die iranische Regierung erklärte, in einzelnen Schritten aus den Verpflichtungen auszusteigen, spürte man hier unter den Menschen eine wachsende Nervosität und die Frage, wie die Situation sich weiter entwickeln würde."

Inzwischen hat der Iran klar gemacht, was er damit meint. Er habe jetzt damit begonnen, teilweise aus dem Atomabkommen auszusteigen, hieß es. Und Chamenei machte in seiner Rede noch mal klar, es falle seinem Land nicht schwer, Uran zu atomwaffenfähigem Material anzureichern. Das Angebot von US-Präsident Donald Trump, man könne ihn anrufen und über alles reden, wies er mit den Worten zurück: "Verhandlungen zwischen uns und Amerika sind Gift, solange Amerika sich so verhält."

Nichts deutet darauf hin, dass die USA locker lassen

Damit meint er auch die US-Sanktionen, die im vergangenen Jahr schrittweise in Kraft getreten sind und dem Iran immer weiter wirtschaftlich die Luft abschnüren. Zuletzt kündigte Washington an, auch den Export von Eisen, Kupfer, Aluminium und Stahl zu sanktionieren.

"Die Sanktionen im Stahlsektor treffen das Land extrem stark", sagt von Bohnstein. "Denn der Stahlsektor war einer der Bereiche, die in diesen Sanktionszeiten noch immer die größten Einnahmequellen oder den größten Exportfaktor für den Iran bedeuteten."

Nichts deutet darauf hin, dass Washington locker lässt. Die Europäer versuchen einerseits, Wege zu finden, dem Iran wirtschaftlich zu helfen, mahnen andererseits aber, er müsse die Bedingungen des Atomabkommens erfüllen.

Ayatollah Ali Chamenei spricht sitzend vor ranghohen Militärs und Revolutionsgardisten. | Bildquelle: IRANIAN SUPREME LEADER OFFICE HA
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Ayatollah Ali Chamenei spricht sitzend vor ranghohen Militärs und Revolutionsgardisten.

Merkel verteidigt Atomabkommen mit dem Iran

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich hinter das Atomabkommen mit dem Iran gestellt. "Ich bin sehr stolz darauf, dass es hier eine Einigkeit in Europa gibt", sagte sie bei einer Rede in Ravensburg. Trotz aller Mängel biete es die Möglichkeit, "Schlimmeres zu verhindern."

Zugleich plädierte sie für die Suche nach Kompromissen zur Überwindung von internationalen Konflikten. Deutschland setze sich für die Bewahrung der internationalen Ordnung und eine friedliche Streitbeilegung ein.

Rückhalt aus Moskau ist eingeschränkt

Traditionell eng mit dem Iran verbunden ist Russland. Da ist man über die Lage besorgt und wirft den USA vor zu provozieren. Allerdings bedauere man auch, wie Teheran jetzt vorgeht, hieß es aus dem Kreml. Das klingt nicht nach bedingungslosem Rückhalt.

Der Russland-Experte Alexander Schumilin sieht einen Grund dafür in Differenzen der beiden im Syrienkonflikt. Der Iran sei Moskau zu dominant und in einem neuralgischen Punkt nicht verhandlungsbereit: "Assad soll an der Macht bleiben. Man kann gerne über etwas anderes verhandeln, wieviele Bäume gepflanzt werden, oder wie man das ruinierte Syrien mit europäischen Geldern wieder aufbaut", drückt Schumilin es aus. "Darüber kann man sehr gerne diskutieren. Aber die Iraner halten eisern an ihren Interessen fest."

"Keine Angst vor Amerikas angeblicher Stärke"

Eine Kritik, die man auch aus Washington hört. Der wirtschaftliche und politische Druck auf Teheran ist in diesen Tagen immens.

Ajatollah Chamenei willsich das nicht anmerken lassen. Er spricht ruhig auf seinem Stuhl, die Hände im Schoß, und sagt:

"Habt keine Angst vor Amerikas angeblicher Stärke. Das wäre ein großer Fehler, sich davon und von den Drohungen beeindrucken zu lassen. So arbeiten Großmächte. Dabei ist ihre wahre Macht gar nicht so groß wie ihre Propaganda."

Unterdessen wird bekannt, dass die deutsche Bundeswehr die Ausbildung von Streitkräften in Irans Nachbarland Irak ausgesetzt hat. Und die USA wollen einen Teil ihres Botschaftspersonals von dort abziehen. Es herrsche erhöhte Alambereitschaft, heißt es.

Chamenei: Iran will keinen Krieg und keine Verhandlungen
Karin Senz, ARD Istanbul
15.05.2019 18:59 Uhr

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Über dieses Thema berichteten das nachtmagazin am 15. Mai 2019 um 00:45 Uhr.

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Karin Senz, SWR

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