Irans Präsident Hassan Rouhani mit Mundschutz | AP

Mord an Atomwissenschaftler Rouhani macht USA und Israel verantwortlich

Stand: 28.11.2020 09:05 Uhr

Nach dem Attentat auf einen hochrangigen Atomwissenschaftler hat Irans Präsident Rouhani Vorwürfe gegen die USA und Israel erhoben. Den getöteten Wissenschaftler erklärte er zu einem Märtyrer. Irans Atomprogramm soll fortgesetzt werden.

Der iranische Präsident Hassan Rouhani hat die USA und Israel für die Ermordung des Kernphysikers Mohsen Fachrisadeh verantwortlich gemacht. "Erneut sorgten der Imperialismus und sein zionistischer Söldner für ein Blutvergießen und den Tod eines iranischen Wissenschaftlers", sagte Rouhani im Staatsfernsehen. Dieser "Terroranschlag" beweise lediglich die Angst der Feinde Teherans vor dem technologischen Fortschritt der Islamischen Republik. Der Mord werde das Land jedoch nicht davon abhalten, den Weg Fachrisadehs noch konsequenter fortzusetzen, sagte der Präsident. "Sein Martyrium wird unsere Erfolge nicht verlangsamen."

Auch nach Worten des iranischen Atomchefs wird das Attentat den Fortschritt des Atomprogramms im Land weder aufhalten noch beeinträchtigen. "Der Weg Fachrisadehs wird jetzt erst recht noch intensiver fortgesetzt", sagte Atomchef Ali-Akbar Salehi. Ähnlich äußerte sich auch Kommunikationsminister Mohamed Dschawad Asari Dschahromi. "Für die eine herausgerissene Blume werden Tausende nachwachsen", twitterte der Minister.

Im Auto angeschossen, im Krankenhaus gestorben

Der Atomwissenschaftler Fachrisadeh war staatlichen iranischen Medien zufolge am Freitag nach einem Attentat nahe der Hauptstadt Teheran seinen Verletzungen erlegen. Er war laut Verteidigungsminister Amir Hatami mit seinen Bodyguards auf dem Weg von der Kleinstadt Absard nach Teheran. "Zuerst wurde auf sein Auto geschossen, und nach etwa 10 bis 15 Sekunden ist ein Nissan mit Sprengstoff etwa 15 bis 20 Meter von seinem Auto entfernt explodiert", so Hatami über den Tathergang. Fernsehsender zeigten Bilder einer dunklen Limousine mit zerschossener Windschutzscheibe, Trümmerteile und Blut auf der Straße.

Fachrisadeh gilt als Vater des iranischen Atomprogramms, das offiziell Anfang der 2000er-Jahre eingestellt wurde. Die USA und Israel gehen aber davon aus, dass der Iran das Programm fortzusetzen versucht. Zuletzt leitete Fachrisadeh die Abteilung für Forschung und technologische Erneuerung im Verteidigungsministerium.

Attentat könnte Gespräche über Atomprogramm gefährden

Bekannt hat sich zu dem Angriff auf den Wissenschaftler bisher niemand. Der iranische Geheimdienst und die Revolutionsgarden (IRGC) nahmen die Ermittlungen auf.

Der iranische Verdacht gegen Israel wird geschürt durch eine Aussage des israelischen Präsidenten Benjamin Netanyahu. 2018 ließ er sich im Fernsehen ausführlich über die Rolle Fachrisadeh aus und mahnte: "Merken Sie sich den Namen Mohsen Fachrisadeh."

Laut einem Bericht der "New York Times" haben offenbar ein US-Beamter und zwei weitere Geheimdienstmitarbeiter bestätigt, dass Israel hinter dem Angriff stehe. Sie nannten demnach keine weiteren Details.

Der Tod des Wissenschaftlers könnte in den letzten Wochen der Amtszeit von US-Präsident Donald Trump den Konflikt zwischen dem Iran und seinen Gegnern verschärfen. Zugleich dürfte das Trumps designiertem Nachfolger Joe Biden die Bemühungen erschweren, die Entspannungspolitik aus der Zeit von US-Präsident Barack Obama wiederzubeleben.

UN-Generalsekretär António Guterres mahnte im Zusammenhang mit dem Attentat Zurückhaltung an. Man habe Berichte über den Vorfall zur Kenntnis genommen, teilte ein UN-Sprecher der Nachrichtenagentur dpa mit. "Wir fordern Zurückhaltung und sehen es als notwendig an, dass Maßnahmen vermieden werden, die zu einer Eskalation der Spannungen in der Region führen könnten."

Mit Informationen von Karin Senz, ARD-Studio Istanbul

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 28. November 2020 um 09:00 Uhr.