Uranumwandlungsanlage in Isfahan (Archivbild) | Bildquelle: picture-alliance/ dpa

Uran-Anreicherung Irans kalkulierte Eskalation

Stand: 05.11.2019 19:25 Uhr

Iran plant, künftig wieder Urangas in bisher stillgelegte Zentrifugen einzuleiten. Ein weiterer Schritt zur Atommacht oder nur eine Provokation Richtung Westen - das ist noch unklar.

Von Christian Buttkereit, ARD-Studio Istanbul

Iran gibt Gas - im doppelten Sinne. Es ist der zweite Verstoß gegen das Atomabkommen innerhalb von drei Tagen. Am Montag hatte der Chef der nationalen Atomenergiebehörde, Ali Akbar Salehi, angekündigt, mehr und bessere Zentrifugen zur Urananreicherung einzusetzen als erlaubt. Dann legte Präsident Rohani nach. Von nun an soll wieder Uran-Gas in die Zentrifugen in der Atomanlage Fordo geleitet werden: "Im Atomabkommen haben wir zugestimmt, diese Zentrifugen in Fordo zu behalten, aber sie nicht mit Gas zu befüllen. Wir werden damit beginnen, wieder Gas einzuspritzen."

Das gasförmige Uranhexafluorid wird in die rotierenden Zylinder der Zentrifugen eingeleitet und ermöglicht, dass sich bei hoher Drehgeschwindigkeit die schweren und die leichten Moleküle trennen und die Isotope getrennt entnommen werden können. Rohani sagte, der Iran habe die Internationale Atomenergiebehörde in Wien über diesen Schritt informiert: "Mit Blick auf Fordo und die Zentrifugen sind wir uns der Sensibilität dieses Themas bewusst. Aber wir können nicht einfach zuschauen und unsere Zusagen weiterhin erfüllen, während sie es nicht tun."

Qualitätsprobleme mit Urangas

Unklar war, ob die Zentrifugen in Fordo auch dazu verwendet werden sollen, angereichertes Uran zu produzieren, so wie die noch mehr als 5060 aktiven Zentrifugen in der Atomanlage Natans.

Eine andere Frage ist die nach der Qualität des Uran-Hexafluorids. In früheren Zeiten hatte iranisches Uran-Gas keine ausreichende Qualität für eine erfolgreiche Urananreicherung. Von dem 2005 in der Atomanlage Isfahan hergestellten Uran Hexafluorid hieß es aus Diplomatenkreisen, es sei so schlecht, dass beim Anreicherungsprozess die Zentrifugen beschädigt werden könnten.

Letztendlich geht es Iran, ja auch nicht darum, atomwaffenfähiges Material zu erzeugen. Ziel ist hier, genau wie bei den vorherigen Verstößen gegen das Atomabkommen, dass die US-Sanktionen gegen das Land aufgehoben werden und die verbliebenen Partner des Atomabkommens Russland, China, Frankreich, Großbritannien und Deutschland ihre Zusagen einhalten, so Präsident Rohani: "Alle Maßnahmen dieses vierten Schrittes lassen sich rückgängig machen, genau wie die vorherigen. In dem Moment, in dem die anderen Partner des Abkommens ihren Verpflichtungen nachkommen, werden wir auch unsere eigenen Zusagen wieder einhalten."

Ein Techniker bei der Arbeit in der iranischen Atomanlage Isfahan | Bildquelle: dpa
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Ein Techniker bei der Arbeit in der iranischen Atomanlage Isfahan

"Die Muskeln spielen lassen"

Bei der iranischen Bevölkerung kommen die Drohgebärden der Regierung Richtung Westen unterschiedlich an.  Der 21-jährige Mayhar studiert Architektur. Seine politische Meinung steht eher auf einem wackligen Fundament: "Man kann das nicht einseitig beurteilen. Einerseits können wir sagen, dass unsere Regierung starsinnig ist, in dem sie immer noch am Abkommen festhalten will." US-Präsident Donald Trump hingegen habe es aufgekündigt, womit niemand gerechnet habe. "Es ist nicht zu beurteilen, was richtig und was falsch ist."

Hasan, ein 60 Jahre alter Bibliothekar vergräbt sich lieber in Bücher als ins politische Tagesgeschehen: "Es gibt keinen Unterschied zwischen Europa und Amerika. Heute ist die Welt eine Welt der Vorteile. Das gilt auch für sie. Es hängt davon ab, ob es zu ihrem Vorteil ist, mit Iran zusammenzuarbeiten oder nicht."

Ali, ein 40-jähriger Unterstützer der Hardliner hält die Taktik der Regierung in diesem Fall für richtig: "In der Politik muss man die Muskeln spielen lassen. Zeigt eine Seite Schwäche, nutzt die andere das sofort aus. Je weniger wir unsere Verpflichtungen einhalten, desto mehr Verhandlungsmasse haben wir." Verhandlungsmasse kommt allerdings nur zur Geltung, wenn es zu Verhandlungen kommt. Danach sieht es bisher aber nicht aus.

Iran erhöht Urananreicherung erneut
Christian Buttkereit, ARD Istanbul
06.11.2019 06:59 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 06. November 2019 um 05:00 Uhr.

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