Die Uran-Anreicherungsanlage Natanz Nahe Teherans. | REUTERS

Zwischenfall in Atomanlage Natans Iran macht Israel verantwortlich

Stand: 12.04.2021 12:57 Uhr

Der Iran hat nach einem Stromausfall in der Atomanlage Natans Israel des Angriffs beschuldigt. Das Land wolle die Verhandlungen über das Atomabkommen stören. Angeblich sei ein Verantwortlicher identifiziert.

Der Iran hat Israel für den Zwischenfall in der Atomanlage Natans verantwortlich gemacht. "Natürlich hat das zionistische Regime mit dieser Aktion versucht, sich am iranischen Volk für seine Geduld und weise Haltung bezüglich der Aufhebung der (US-)Sanktionen zu rächen", sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Teheran. Indirekt warf der Sprecher Israel vor, die in Wien laufenden Verhandlungen über das Atomabkommen mit dem Iran stören zu wollen. 

Laut iranischen Medien wurde die verantwortliche Person für den zwischenzeitlichen Stromausfall angeblich identifiziert. Das berichtet die iranische Website "Nournews" und beruft sich dabei auf Geheimdienstquellen. Demnach sei der Stromfluss in der Anlage unterbrochen und der Verantwortliche gefunden worden. "Es werden die erforderlichen Maßnahmen ergriffen, um die Person zu verhaften, die den Stromausfall in einer der Hallen am Standort Natans verursacht hat", berichtete die Website. Weitere Angaben über die Person wurden zunächst nicht bekannt.

Bei dem mutmaßlichen Angriff wurde der Strom in Natans gekappt. Dabei seien IR-1-Zentrifugen beschädigt worden, mit denen Uran angereichert wird. Das iranische Staatsfernsehen zeigte zunächst keine Bilder von der Anlage. Laut iranischer Atomenergiebehörde war es in der zentralen Anlage zur Urananreicherung zu dem Zwischenfall gekommen, bei dem aber keine Radioaktivität ausgetreten und niemand verletzt worden sei.

Israel äußerte sich offiziell nicht zu dem mutmaßlichen Angriff. Israelische Medien berichteten allerdings, dass das Land einen verheerenden Cyberangriff verübt habe, der den Stromausfall verursacht habe. Der Sender Kan meldete, dass der Geheimdienst Mossad hinter dem Vorgehen stecke.

Urananreichung um Monate zurückgeworfen

Der Angriff wird nach Informationen der "New York Times" die Urananreicherung in Natans um mindestens neun Monate zurückwerfen. Das berichtet die Zeitung unter Berufung auf zwei höhere US-Geheimdienstmitarbeiter, die bei dem Angriff von einer israelischen Geheimdienstoperation sprachen. Demnach soll der Angriff eine heftige Explosion ausgelöst haben, als deren Folge das gesamte Stromnetz einer Untergrundanlage, wo die Zentrifugen für die Urananreicherung hergestellt werden, zerstört worden sei. Es werde mindestens neun Monate dauern, die Schäden zu beheben.

Der Angriff hat nach Einschätzung des Blattes die Verhandlungsposition des Irans bei den Atomgesprächen in Wien erheblich geschwächt.

Wiederbelebung des Atomabkommens

Am Vortag hatte der Iran mitgeteilt, neue Zentrifugen zur Urananreicherung in Natans in Betrieb genommen zu haben. Der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif sagte nun, Natans werde mit fortschrittlicheren Maschinen wieder aufgebaut. "Die Zionisten wollten sich an den Iranern wegen deren Erfolg auf dem Weg zur Aufhebung von Sanktionen rächen", sagte Sarif nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Irna.

Derzeit laufen Bemühungen zur Wiederbelebung des Atomabkommens von 2015, das nach westlichen Angaben verhindern soll, dass der Iran an Kernwaffen kommt. Der neue US-Präsident Joe Biden hat eine Rückkehr seines Landes zu dem Vertrag in Aussicht gestellt. Vorgänger Donald Trump hatte das Abkommen aufgekündigt und Sanktionen gegen den Iran wieder eingeführt.

Chatibsadeh, Sprecher des iranischen Außenministeriums, sieht in dem Angriff einen Versuch Israels, die Wiener Atomverhandlungen zu sabotieren. Aber dies werde nicht passieren. Der Iran werde an seiner Linie festhalten und darauf drängen, dass er nur dann seine technischen Verpflichtungen wieder einhalten werde, wenn die USA das Abkommen vertragsgerecht umsetzten. Dabei gehe es vor allem um die Aufhebung der US-Sanktionen, ohne die das Atomabkommen für Teheran de facto wertlos sei. Den Angriff selbst bezeichnete er als "ein Verbrechen gegen die Menschheit", weil der zu einer atomaren Katastrophe hätte führen können.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu lehnt das internationale Atomabkommen mit dem Iran ab. Er hat den Iran als große Bedrohung für Israel bezeichnet. Israel wirft dem Iran Bestrebungen zum Bau von Nuklearwaffen vor und sieht dies als Gefahr für die eigene Sicherheit.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. April 2021 um 12:00 Uhr.