Benjamin Netanjahu, Ministerpräsident von Israel, zeigt bei seiner Rede vor der UN-Vollversammlung in Bild von einem angeblichen Atomlager des Iran. | Bildquelle: dpa

Netanyahu beschuldigt Iran Vorwurf: "Geheimes Atom-Lagerhaus"

Stand: 27.09.2018 21:08 Uhr

Israels Ministerpräsident Netanyahu hat den Iran beschuldigt, in Teheran ein "geheimes Atom-Lagerhaus" für sein Nuklearprogramm zu unterhalten. Die Regierung habe daraus kürzlich radioaktives Material entfernt.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu wirft der Regierung des Iran die Existenz eines "geheimen Atom-Lagerhauses" in Teheran vor. Dazu hielt er am Pult des Plenarsaals während seiner Rede bei der UN-Vollversammlung eine Karte mit dem angeblichen Standort des Lagerhauses sowie ein Foto von dessen mutmaßlichem Eingang in die Höhe.

In den vergangenen Wochen habe die Regierung daraus 15 Kilogramm radioaktives Material entfernt und in der Hauptstadt verteilt. Netanyahu rief die Atomenergiebehörde IAEA auf, die Stätte zu untersuchen und fügte hinzu: "Was der Iran versteckt, wird Israel finden."

"Dieser Deal hat den Krieg nicht verdrängt"

Ende April hatte Netanyahu dem Iran bereits vorgeworfen, umfangreiche Forschungen zum Bau einer Atombombe für einen möglichen künftigen Gebrauch heimlich aufbewahrt zu haben. Seinerzeit hieß es, der israelische Geheimdienst habe Zehntausende Dokumente aus einem "geheimen Atomarchiv" sichergestellt.

Der Iran wehrte sich gegen die Vorwürfe und sprach von alten Anschuldigungen, mit denen sich die IAEA bereits befasst habe. Auch die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini hatte sich skeptisch geäußert. Das internationale Atomabkommen mit dem Iran bezeichnete Netanyahu als weiteren Schritt auf dem Weg zum Krieg. "Dieser Deal hat den Krieg nicht verdrängt, sondern noch näher an unsere Grenzen gebracht." Den am Deal beteiligten EU-Staaten - Deutschland, Frankreich und Großbritannien - warf er Beschwichtigungspolitik gegenüber dem Iran vor: "Haben diese europäischen Anführer nichts aus der Geschichte gelernt? Werden sie jemals aufwachen?"

Palästinenserpräsident Abbas spricht bei der 73. UN-Vollversammlung in New York am Rednerpult. | Bildquelle: AFP
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Palästinenserpräsident Mahmud Abbas wirft den USA vor, die Zwei-Staaten-Lösung zu untergraben.

Abbas: USA untergraben Zwei-Staaten-Lösung

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas beschuldigte bei seiner Rede vor der UN-Vollversammlung die USA, eine erhoffte Zwei-Staaten-Lösung mit Israel zu untergraben. "Es ist wirklich ironisch, dass die amerikanische Administration immer noch von einem Jahrhundert-Deal spricht", sagte Abbas im UN-Hauptquartier in New York.

Nach ihren umstrittenen Entscheidungen zum Status Jerusalems, den palästinensischen Flüchtlingen und in Sicherheitsfragen hätten die USA den Palästinensern nun nichts mehr zu bieten, sagte Abbas. US-Präsident Donald Trump rief er auf, seine Entscheidungen zurückzunehmen.

Trump: Zwei-Staaten-Lösung "wahrscheinlicher"

Zugleich sagte Abbas: "Ich muss wiederholen, dass wir nicht gegen Verhandlungen sind und sie nie abgelehnt haben, und dass unsere Hand zum Frieden ausgestreckt bleibt." Die Palästinenser hatten nach der US-Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels im vergangenen Dezember die Beziehungen zu den USA abgebrochen.

Zuvor hatte Trump bei einem Treffen mit Israels Ministerpräsidenten Netanyahu Unterstützung für eine Zwei-Staaten-Lösung zur Beendigung des Konfliktes signalisiert. Dabei würde ein unabhängiger Staat Palästina neben Israel entstehen. Später hatte Trump diese Aussage entkräftet und erklärt, dass auch ein gemeinsamer Staat der beiden Völker akzeptabel sei. Eine Zwei-Staaten-Lösung sei aber "wahrscheinlicher".

Israel beschuldigt Iran Atommaterial zu verstecken
Georg Schwarte, ARD New York
28.09.2018 08:44 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 27. September 2018 um 22:03 Uhr.

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