Wrackteile der ukrainischen Passagiermaschine | Bildquelle: AFP

Iranische Untersuchung Boeing-Abschuss ohne Erlaubnis?

Stand: 12.07.2020 15:25 Uhr

Anfang Januar wurde eine ukrainische Boeing von dem Iran abgeschossen. Jetzt haben iranische Ermittler ihren Bericht zu dem Abschuss vorgelegt: Die verantwortlichen Soldaten hätten ohne Erlaubnis geschossen.

Der Abschuss einer ukrainischen Boeing 737 über dem Iran Anfang des Jahres geht auf einen Fehler der Raketenmannschaft zurück. Zu diesem Schluss kommen iranische Ermittler, die den Abschuss des Passagierflugzeugs untersucht haben.

Keine Feuerfreigabe

Demnach war ein Raketenschild nach einer Verlegung falsch ausgerichtet. Außerdem sei es zwischen Soldaten und deren Vorgesetzten zu Fehlern in den Absprachen gekommen: Die Besatzung des Flugabwehrsystems habe die Passagiermaschine irrtümlich als Gefahr ausgemacht und zweimal darauf geschossen, ohne die Erlaubnis höherer Offiziere zu haben.

Das ukrainische Flugzeug selbst habe sich bis zum Start der Raketen nicht auffällig verhalten, heißt es in dem Bericht weiter: "Als die erste Rakete abgefeuert wurde, flog das Flugzeug in normaler Höhe und Flugbahn", so die Ermittler. Sie kommen zu dem Schluss: Ohne die Fehler "wäre das Flugzeug nicht als Ziel anvisiert worden".

Abschuss inmitten militärischer Eskalation

Die iranische Revolutionsgarde hatte die Boeing 737 der Gesellschaft Ukrainian International Airlines am 8. Januar versehentlich abgeschossen. Alle 176 Menschen an Bord wurden getötet. Der Abschuss des Fliegers geschah in der selben Nacht, in der die Islamische Republik mit Raketenangriffen US-Soldaten im Irak ins Visier nahm. Dies war ein Vergeltungsschlag für einen Drohnenangriff der USA in Bagdad, bei dem der hochrangige iranische General Kassem Soleimani getötet wurde.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. Juli 2020 um 15:00 Uhr.

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