Ein Wandgemälde in Teheran zeigt Ayatollah Chamenei und die iranischen Revolutionsgarden. | Bildquelle: AP

Spannungen um Atomdeal Deutschland will im Iran vermitteln

Stand: 23.05.2019 08:03 Uhr

Die Bundesregierung bemüht sich weiter, Spannungen um das Atomabkommen mit dem Iran zu glätten: Berichten zufolge sind Gespräche mit dem Vize-Außenminister geplant. Die USA denken über weitere Truppenentsendungen nach.

Die Lage im Persischen Golf sei "ausgesprochen ernst", heißt es aus dem Auswärtigen Amt angesichts der Spannungen zwischen den USA und dem Iran. Die Bundesregierung will nun offenbar eine Vermittlerrolle einnehmen: Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, reist der Politische Direktor im Auswärtigen Amt, Jens Plötner, heute nach Teheran. Er solle dort unter anderem mit Vizeaußenminister Seyed Abbas Araghchi sprechen.

Hauptziel von Plötners Besuch ist demnach die Bewahrung des Atomabkommens: Angesichts der "realen Eskalationsgefahr", die auch durch mögliche Missverständnisse oder Zwischenfälle angeheizt werden könne, sei Dialog von hoher Bedeutung.

USA denken über Truppenverstärkung nach

Der Iran hatte genau ein Jahr nach dem einseitigen Rückzug der USA aus dem Atomabkommen verkündet, er fühle sich ebenfalls nicht mehr an den Vertrag gebunden. Das Abkommen sieht vor, dass der Iran nur in begrenzter Menge Uran anreichern und schweres Wasser lagern darf - Materialien, die ihn dazu befähigen könnten, eine Atomwaffe zu bauen. Im Gegenzug waren Sanktionen gegen den Iran gefallen, die die USA inzwischen wiedereingeführt haben.

Die US-Regierung erwägt derzeit offenbar eine Entsendung weiterer Soldaten in die Region. Das Verteidigungsministerium werde dem Weißen Haus entsprechende Pläne vorlegen, meldete die Nachrichtenagentur AP unter Berufung auf US-Regierungsbeamte. Angedacht ist demnach die Entsendung von bis zu 10.000 zusätzlichen Soldaten, weiteren Patriot-Raketen oder Schiffen - allerdings sei noch keine Entscheidung gefallen.

Die USA hatten im Mai angekündigt, als Reaktion auf eine nicht näher erläuterte Bedrohungslage einen Flugzeugträger in den Persischen Golf zu sentsenden. Auch Spannungen zwischen dem iranischen Erzfeind Saudi-Arabien und den Huthi-Rebellen im Jemen waren neu aufgeflammt. US-Präsident Donald Trump hatte den Iran auf Twitter mit Vernichtung bedroht, wenn er Krieg gegen die USA führen wolle.

Ayatollah Ali Chamenei spricht sitzend vor ranghohen Militärs und Revolutionsgardisten. | Bildquelle: IRANIAN SUPREME LEADER OFFICE HA
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Ayatollah Ali Chamenei zählte zu den Unterzeichnern des Atomabkommens. Er habe immer seine Zweifel an dem Dokument gehabt, sagt er.

Ayatollah Chamenei glaubte nicht an Deal

Im Iran selbst hat sich der führende Geistliche, Ayatollah Ali Chamenei, kritisch über Präsident Hassan Rouhani und Außenminister Mohammed Dschawad Sarif geäußert. "In gewisser Weise habe ich nicht daran geglaubt, wie das Abkommen umgesetzt wurde", sagte er öffentlich vor einer Rede an Studenten in Teheran. "Ich habe sowohl den Präsidenten als auch den Außenminister oft daran erinnert."

Chamenei hat in allen wichtigen Fragen im Iran das letzte Wort. Er hatte dem Atomdeal im Jahr 2015 ebenfalls zugestimmt, allerdings gewarnt, dass den USA nicht zu trauen sei.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. Mai 2019 um 08:00 Uhr.

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