In Bagdad kam es zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften. | Bildquelle: dpa

Demonstrationen im Irak Sicherheitskräfte gehen gegen Proteste vor

Stand: 25.01.2020 16:32 Uhr

Irakische Sicherheitskräfte haben regierungskritische Demonstranten von Straßen und Plätzen in Bagdad und weiteren Städten vertrieben. Mehrere Menschen wurden verletzt. Berichten zufolge gab es auch Tote.

In der irakischen Hauptstadt Bagdad ist es zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften gekommen. Irakische Medien berichteten, dass Spezialeinheiten mit Gewalt gegen Protestlager vorgegangen seien, um Plätze, Straßen und Brücken im Zentrum der Stadt zu räumen.

Auch Demonstrationen im Süden des Landes seien gewaltsam aufgelöst worden. Sicherheitskräfte sollen dabei Zelte der Protestlager angezündet haben. Angaben von Augenzeugen zufolge wurden mehrere Menschen wurden bei Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei verletzt. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet von insgesamt vier Toten und beruft sich auf dabei auf Sicherheitskreise und Ärzte. Die Nachrichtenagentur AFP zitiert Ärzte, die von insgesamt drei Toten berichteten.

Schiitenführer zieht Unterstützung zurück

Zuvor hatte der einflussreiche Schiitenführer Moktada al-Sadr erklärt, er unterstütze die Protestbewegung nicht mehr. Augenzeugen berichteten, die Anhänger des einflussreichen Predigers hätten sich von den Demonstrationen zurückgezogen und ihre Protestlager aufgelöst.

Al-Sadr gehört zu den wichtigsten Politikern des Landes. Bei der Parlamentswahl 2018 hatte sein Block die meisten Stimmen gewonnen. Der populistische Prediger kritisierte in den vergangenen Monaten immer wieder die Korruption und verlangte politische Reformen.

Proteste gegen US-Truppen

Am Freitag hatten Zehntausende Anhänger Al-Sadrs bei einem Massenprotest in Bagdad den Abzug der US-Truppen aus dem Irak gefordert. In diesem Monat hatte bereits das irakische Parlament beschlossen, dass alle ausländischen Truppen das Land verlassen müssten. Es reagierte damit auf die Tötung des iranischen Generals Khassem Soleimani bei einem US-Raketenangriff in Bagdad.

Seit Oktober 2019 kommt es in Bagdad und im Süden des Landes kommt immer wieder zu Protesten gegen die Regierung, Misswirtschaft und Korruption. Der vom Parlament gewählten Menschenrechtskommission zufolge wurden dabei mehr als 460 Menschen getötet und mehr als 20.000 verletzt. Menschenrechtler werfen den Sicherheitskräften einen unverhältnismäßigen Einsatz von Gewalt vor.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 25. Januar 2020 um 17:00 Uhr.

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