Zu Hunderten ziehen frustrierte Bürger durch Bagdad, um gegen Arbeitslosigkeit, Korruption und schlechter Infrastruktur zu demonstrieren. | Bildquelle: AFP

Unruhen im Irak Gewaltiger Unmut im armen reichen Land

Stand: 03.10.2019 12:43 Uhr

Die Proteste im Irak gegen die schlechten Lebensbedingungen in dem reichen Ölland werden nicht weniger. Mindestens 18 Menschen sind seit Wochenbeginn gestorben. Inzwischen gilt eine Ausgangssperre.

Von Björn Blaschke, ARD-Studio Kairo

Szenen aus einer Stadt im Ausnahmezustand: Straßenblockaden und brennende Autoreifen. Dazwischen Demonstranten mit lautstarken Forderungen wie "Das Volk will den Sturz des Systems". Und immer wieder: beißendes Tränengas.

Gestern Abend verhängte die irakische Regierung in Bagdad und in anderen Städten des Landes eine Ausgangssperre - bis auf weiteres. Sie soll "den allgemeinen Frieden schützen", genau wie öffentliches Eigentum und die Bürger des Landes. Die Ausgangssperre ist eine Reaktion auf die Zusammenstöße zwischen Regierungsgegnern und Sicherheitskräften bei Demonstrationen in verschiedenen Provinzen des Irak.

Die Proteste richten sich vor allem gegen die soziale Situation im Irak, die immer schlechter wird - wie ein Demonstrant in Bagdad erklärt: "Unsere Forderungen? Wir wollen Arbeit. Wenn sie uns nicht wie Iraker behandeln wollen, dann sollen sie es uns sagen. Dann werden wir uns andere Staatsangehörigkeiten suchen und ins Ausland gehen!"

Polizisten im Karrada-Distrikt Bagdads überwachen die Einhaltung der verhängten Ausgangssperre. | Bildquelle: AFP
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Polizisten im Karrada-Distrikt Bagdads überwachen die Einhaltung der verhängten Ausgangssperre.

Wie Vertriebene im eigenen Land

In großen Teilen der irakischen Bevölkerung herrscht Unmut wegen Arbeitslosigkeit, Korruption und schlechter Infrastruktur. Das Land ist einer der größten Ölproduzenten weltweit. Gleichzeitig gibt es bis heute stundenlange Stromausfälle. Außerdem sind viele Städte und Dörfer zerstört - seit dem Kampf gegen die Terroristen des IS. Der Wiederaufbau kommt - wenn überhaupt - nur schleppend voran. Deshalb leben Hunderttausende Iraker nach wie vor als Vertriebene im eigenen Land.

Für die Proteste gegen die Misere sollen keine politischen Hintermänner verantwortlich sein. Die Leute gehen spontan auf die Straßen - organisiert über soziale Medien. Die wurden deshalb mancherorts blockiert.

Tote bei Protesten gegen Regierung im Irak
tagesschau 20:00 Uhr, 03.10.2019, Daniel Hechler, ARD Kairo

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Enttäuscht von der Politik

Ali al-Abboudi, selbst Mitglied des irakischen Parlaments, versteht den Unmut auch als Reaktion auf eine politische Misere: "Diese Demonstrationen sind aus dem Leiden der Menschen hervorgegangen. Es gibt viel Unmut", sagt er. Und den brächten die Bürger bei den Protesten zum Ausdruck. "Die Beteiligung bei den letzten Parlamentswahlen lag bei nur 22 Prozent. Das heißt, dass 78 Prozent der Menschen mit der Politik und der Regierungsarbeit unzufrieden sind. Es gibt viele Beschwerden der Menschen, für die die Politik keine Lösungen findet, die mit der Realität zu tun haben."

Viele Politiker des Irak sind Repräsentanten religiöser oder ethnischer Gruppen: Schiiten, Sunniten, Kurden. Gruppenbildung ist die Folge. Und jede Gruppe setzt sich für ihre jeweilige Klientel ein, aber nicht für die Iraker insgesamt. Mit einem Wort: Vetternwirtschaft.

Dagegen lehnen sich nun im ganzen Land einige Tausend Iraker auf. Der Regierungschef in Bagdad versprach noch am Mittwochabend Abhilfe, aber frühere Versprechen dieser Art erwiesen sich immer als leere Worte.

Irak: Tote und Verletzte bei Demonstrationen
Björn Blaschke, ARD Kairo
03.10.2019 12:12 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. Oktober 2019 um 06:00 Uhr und tagesschau24 um 12 Uhr.

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