In Bagdad gehen die Menschen auf die Straße, um gegen die miserable wirtschaftliche Lage zu protestieren. | Bildquelle: AFP

In mehreren Landesteilen Tote bei Protesten im Irak

Stand: 03.10.2019 11:59 Uhr

Seit Tagen prangern die Menschen im Irak bei Protesten die schlechte wirtschaftliche Lage an. Innerhalb von zwei Tagen wurden neun Demonstranten getötet. Regierungschef Mahdi verhängte nun eine Ausgangssperre in Bagdad.

Den zweiten Tag in Folge sind irakische Sicherheitskräfte in der Hauptstadt Bagdad mit Gewalt gegen Demonstranten vorgegangen. In mehreren Teilen der Stadt, aber auch in anderen Provinzen des Landes gingen erneut Tausende auf die Straße, um gegen Korruption und politischen Stillstand zu demonstrieren.

Sicherheitskräfte versuchten mit Tränengas und Schüssen in die Luft, die Proteste aufzulösen. Auf Bildern des TV-Senders Al-Sharqiya war zu sehen, wie Demonstranten eine Straße sperrten und Reifen anzündeten.

Angesichts der heftigen Proteste verhängte Regierungschef Adel Abdel Mahdi eine Ausgangssperre in der Hauptstadt Bagdad. Die Ausgangssperre für "Fahrzeuge und Menschen" trete am frühen Donnerstagmorgen in Kraft und gelte bis auf Weiteres, erklärte die Regierung in der Nacht.

Demonstrant bei Anti-Korruptions-Protest in Bagdad | Bildquelle: AFP
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Bei den Protesten kam es erneut zu Ausschreitungen.

Gebäude gestürmt, Feuer gelegt

Zuvor hatten Demonstranten in fünf Provinzen des Landes laut Augenzeugen einige Gebäude gestürmt und Feuer gelegt. In den Provinzen Nasirija und Dhi Kar wurde eine ab 20.00 Uhr geltende Ausgangssperre verhängt. In Bagdad erreichten die Protestierenden trotz einer anfänglichen Blockade durch Sicherheitskräfte den zentralen Tahrir-Platz, weitere von ihnen versammelten sich später am Flughafen.

In der sogenannten Grünen Zone, in der neben irakischen Regierungsgebäuden auch mehrere Botschaften liegen, waren verstärkt Sicherheitskräfte im Einsatz.

Bei den Protesten wurden seit Beginn der Woche 19 Demonstranten getötet. Alleine seit Mittwoch starben mindestens zehn Menschen. Es gab zudem mehrere Hunert Verletzte.

In der irakischen Bevölkerung herrscht unter anderem wegen schlechter Infrastruktur und hoher Arbeitslosigkeit großer Frust. Das Land gehört zu den größten Ölproduzenten der Welt, leidet aber unter einem Energiemangel. Viele Gebiete sind nach dem Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) noch immer zerstört.u

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. Oktober 2019 um 06:00 Uhr.

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