Papst Franziskus spricht während eines interreligiösen Gottesdienstes in Ur. | AFP

Irak-Reise Papst ruft zum "Weg des Friedens" auf

Stand: 06.03.2021 12:15 Uhr

Papst Franziskus hat in der geschichtsträchtigen irakischen Stadt Ur für die Opfer von Krieg und Terror gebetet. Bei einem interreligiösen Treffen erinnerte das katholische Oberhaupt auch an das Leid der Jesiden.

Papst Franziskus hat bei einem interreligiösen Treffen im Irak für Frieden und "Geschwisterlichkeit" im Nahen Osten gebetet und religiösen Extremismus verurteilt. "Es wird keinen Frieden geben ohne Völker, die anderen Völkern die Hand reichen", sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche in der antiken Stadt Ur, die als Geburtsstätte Abrahams gilt.

In einem Gebet "für den ganzen Nahen Osten" forderte er dazu auf, den "Weg des Friedens" zu gehen. In den vergangenen Jahren hätten sich über dem Irak "die dunklen Wolken des Terrorismus, des Krieges und der Gewalt zusammengebraut", sagte Papst Franziskus laut der offiziellen Übersetzung. Alle ethnischen und religiösen Gemeinschaften hätten darunter gelitten. 

Gemeinsames Gebet

Laut biblischer Überlieferung ist der Ort Ur in der Wüste des Südirak die Geburtsstätte Abrahams, des Stammvaters von Juden, Christen und Muslimen. "Dass wir uns heute hier auf seinen Spuren befinden, dies möge ein Zeichen des Segens und der Hoffnung sein für den Irak, für den Nahen Osten und für die ganze Welt", sagte der Papst bei dem gemeinsamen Gebet mit Muslimen, Jesiden und Mandäern. 

Er erinnerte an die jesidische Gemeinschaft, die unter der IS-Herrschaft "den Tod vieler Männer zu beklagen hatte und mit ansehen musste, wie Tausende Frauen, Mädchen und Kinder entführt, als Sklaven verkauft sowie körperlicher Gewalt und Zwangskonvertierungen unterworfen wurden". Ur ist eine der zentralen Stationen der Irak-Reise von Papst Franziskus.

Die Schiiten

Schiiten sind neben den dominierenden Sunniten eine der beiden Hauptrichtungen des Islam. Etwa 80 bis 90 Prozent der Muslime weltweit sind Sunniten, nur in wenigen Ländern stellen Schiiten die Mehrheit. Dazu gehören der Iran, der Irak und Bahrain. Im Irak, dem Ursprungsland der Schia, machen Anhänger dieses Bekenntnisses zwei Drittel der Bevölkerung aus.

Höchste Lehrautorität im Irak und darüber hinaus ist Großajatollah Ali al-Sistani mit Sitz in Nadschaf. Als heilige Stätten der Schiiten gelten die Schreine der Imame in den irakischen Orten Kerbela, Nadschaf, Samarra und al-Kazimiyya, ein Vorort von Bagdad. Der Iran verfügt mit Maschhad und Qom ebenfalls über wichtige Wallfahrtsstätten.

Am Morgen war das Oberhaupt der katholischen Kirche bereits in der heiligen Stadt Nadschaf von dem einflussreichen Schiitenführer Ayatollah Ali Sistani empfangen worden. Der Papst betonte nach Angaben des Vatikans die Bedeutung des interreligiösen Dialogs für den gesamten Nahen Osten. Zudem dankte der Argentinier al-Sistani für dessen stabilisierende Rolle in den vergangenen Jahren, er habe "seine Stimme zur Verteidigung der Schwächsten erhoben".

Messe in der chaldäischen Kathedrale am Abend

Al-Sistani machte sich für die christliche Minderheit im Land stark. Christen sollten in Frieden leben und hätten die gleichen Rechte wie alle anderen Iraker, sagte er. Die religiösen Institutionen spielten eine Rolle dabei, Christen zu schützen. Die Zusammenkunft war monatelang von dem Büro des Ajatollahs und dem Vatikan geplant worden.

Am Abend will Franziskus eine Messe in der chaldäischen Kathedrale Bagdads feiern.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 06. März 2021 um 12:00 Uhr.