Die irakische Flagge

Provinz Kirkuk Militär bestreitet Einsatz gegen Kurden

Stand: 13.10.2017 16:19 Uhr

Es gebe keine Kämpfe um Kirkuk. Mit diesem Dementi haben sich Kurden und Iraker an die Öffentlichkeit gewandt. Zuvor hatte ein irakischer General von einem Angriff auf die Kurden berichtet.

Von Carsten Kühntopp, ARD-Studio Kairo

Die Spannungen zwischen den irakischen Kurden und der Zentralregierung in Bagdad steigen. Die Kurden befürchten, dass die irakische Armee einige von ihnen kontrollierte Gebiete im Norden des Landes mit Gewalt zurückholen will. Doch sowohl in Erbil, als auch in Bagdad wurde am Mittag bestritten, dass die irakische Armee angegriffen habe und es nun Gefechte gebe.

Zuvor hatte ein irakischer General der Nachrichtenagentur AFP gesagt, die Armee habe einen Militäreinsatz gestartet, um die Provinz Kirkuk von den Kurden zurückzuerobern. Kurz darauf stellte Said al-Gayashi vom gemeinsamen Koordinierungsbüro, das die Peschmerga und die Armee für den Kampf gegen den IS unterhalten, aber klar: "Die Führung unserer gemeinsamen Kräfte bestreitet strikt irgendeine neue militärische Operation in Süd-Kirkuk. Leider bestehen einige Medien darauf, die Nachrichten zu fälschen und die Lage zu eskalieren. Die Kräfte, die im Einsatz sind, sind die, die zuvor Hawija vom IS befreit hatten. Sie sind dabei, die Gegend weiter zu säubern und die Sicherheit wiederherzustellen."

Auch ein Peschmerga-General schildert die Situation ähnlich: "Die irakischen Kräfte haben sich an einigen Stellen fünf Kilometer an Kirkuk angenähert. Dies vermittelte einigen Medien den Eindruck, es gäbe einen Zusammenstoß. Aber bislang gab es keine Gefechte", sagte Hiwa Abdallah. Diese Darstellung bestätigte auch die internationale Anti-IS-Koalition.

Irakische Militärfahrzeuge bei Kirkuk (Archivbild) | Bildquelle: AFP
galerie

Irakische Militärfahrzeuge bei Kirkuk (Archivbild)

Kurden füllten Vakuum

Dennoch ist die Situation in Kirkuk nach wie vor unübersichtlich. Offenbar haben die Kurden dort einige Stellungen aufgegeben, in die dann die irakische Armee vorrückte - möglicherweise sogar nach Absprache. Unter den Regionen im Irak, die zwischen den Kurden und der Zentralregierung umstritten sind, ist die Provinz Kirkuk die begehrteste. Die dortigen Ölvorkommen sind sehr groß.

Als 2014 der IS Teile des Irak überrannte, zog sich die irakische Armee auch aus Kirkuk zurück. In dieser Situation rückten die Peschmerga in die Region ein. Damit verhinderten sie, dass der IS die Ölquellen in die Hände bekam.

Bereits vor zwei Tagen hatte die kurdische Regionalregierung gewarnt, dass die irakische Armee und die paramilitärischen sogenannten Volksmobilisierungseinheiten starke Truppenverbände in Kirkuk zusammenzögen, und zwar südlich und westlich davon, in Gebieten, die bis vor einiger Zeit noch vom IS kontrolliert wurden.

Auch nördlich von Mossul seien Truppen aufmarschiert. Diese Verbände, so die Kurden, bereiteten einen "Großangriff" vor. Gleichzeitig versetzte die Regionalregierung ihre Kämpfer in der Region in Gefechtsbereitschaft und kündigte eine "Verteidigung um jeden Preis" an.

BBC beobachtet Truppenbewegung

Iraks Ministerpräsident Haider al-Abadi widersprach am Donnerstag energisch. Er plane nicht, die Armee gegen Irakisch-Kurdistan einzusetzen. Ähnlich äußerte sich ein Vertreter des irakischen Militärs - man bereite sich lediglich auf einen Vorstoß gegen den IS im Westen des Landes vor, also in einer ganz anderen Region.

Doch eine Reporterin der BBC beobachtete gestern tatsächlich, wie irakische Verbände bei Kirkuk zusammengezogen wurden. Die mehrheitlich schiitischen Volksmobilisierungseinheiten, die teilweise vom Iran ausgebildet werden, hatten in der Vergangenheit mehrmals damit gedroht, auf Kirkuk zu marschieren und die Peschmerga von dort zu vertreiben.

Steigende Spannungen im Nordirak
Carten Kühntopp, ARD Kairo
13.10.2017 17:31 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichteten am 13. Oktober 2017 tagesschau24 um 12:30 sowie um 14:30 Uhr in den "Hundert Sekunden" und Inforadio um 12:48 Uhr.

Ihre Meinung - meta.tagesschau.de

Darstellung: