Ausschreitungen in Kerbela | Bildquelle: AFP

Viele Tote im Irak Maskierte erschießen Demonstranten

Stand: 29.10.2019 10:42 Uhr

Sie trugen Masken und schwarze Zivilkleidung: Irakische Sicherheitskräfte haben in Kerbela das Feuer auf Demonstranten eröffnet. Mindestens 14 starben, fast 900 wurden verletzt. Auch in anderen Städten gab es Tote.

Die Gewalt im Irak hält an. Bei neuen Demonstrationen gegen die Regierung sind zahlreiche Menschen ums Leben gekommen. In der heiligen Stadt der Schiiten, Kerbela, rund 100 Kilometer südlich von Bagdad, haben nach Aussage irakischer Beamter Sicherheitskräfte in der Nacht mehrere Menschen erschossen. Beobachtern und Medizinern zufolge starben mindestens 14 Demonstranten, 865 seien verletzt worden.

Die Schüsse seien etwa zwei Kilometer vom Imam-Hussein-Schrein entfernt gefallen - einer der wichtigsten Pilgerstätten für schiitische Muslime. Augenzeugen berichteten, Hunderte Protestler hätten auf dem Platz ein Zeltlager für eine Sitzblockade errichtet. Sie seien aus einem fahrenden Auto mit scharfer Munition beschossen worden. Dann seien schwarz gekleidete Maskierte aufgetaucht und hätten das Feuer auf Protestteilnehmer eröffnet. Zelte seien in Flammen aufgegangen.

In Nassirija im Süden des Landes erlagen drei weitere Demonstranten ihren Verletzungen, die sie in vorangegangenen Auseinandersetzungen erlitten hatten.

Tote und Verletzte bei Protesten in Kerbala
tagesschau 16:00 Uhr, 29.10.2019

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Neue Welle der Gewalt

Der Irak wird seit fünf Tagen von einer neuen Protestwelle erschüttert. Insgesamt sind bei den neuerlichen Protesten bereits rund 100 Menschen getötet worden.

Der Zorn der Demonstranten richtet sich gegen die Regierung von Ministerpräsident Adel Abdul Mahdi und die politische Elite, der sie Korruption vorwerfen. Hinzu kommt die schlechte Wirtschaftslage. Ein Schwerpunkt der Demonstrationen ist Bagdad, wo die Sicherheitskräfte am Montag hart gegen Studenten und Schüler vorgegangen waren. Wenig später wurde in der Hauptstadt eine Ausgangssperre angeordnet, gegen die es zu neuen Protesten kam.

Ausschreitungen in Kerbela | Bildquelle: AFP
galerie

Ein Demonstrant hält leere Tränengaskartuschen in die Kamera.

Auf dem Bagdader Tahrir-Platz, der seit Donnerstag von Demonstranten besetzt wird, harrten die ganze Nacht Hunderte junge Leute aus. Viele Bewohner der Hauptstadt protestieren mit Hupkonzerten und lauter Musik gegen die Ausgangssperre, viele waren trotzdem mit dem Auto oder zu Fuß unterwegs. "Ihre Ausgangssperre hat keine Wirkung. Dachte die Regierung, dass wir Zuhause bleiben würden? Auf keinen Fall", sagte die 30-jährige Demonstrantin Duaa, die mehrere Stunden durch Bagdad gefahren war, bevor sie zum Tahrir-Platz kam.

Schwere Vorwürfe gegen Offiziere

Vor vier Wochen hatte es bereits eine erste Protestwelle mit 149 Toten gegeben. Eine Untersuchung durch die irakische Regierung hatte ergeben, dass 70 Prozent von ihnen durch Schüsse in Kopf oder Brust getötet worden waren. Der Bericht hatte hochstehende Offiziere der Sicherheitskräfte schwer belastet, die Regierung aber vom Vorwurf freigesprochen, den Schießbefehl erteilt zu haben.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 29. Oktober 2019 um 10:00 Uhr.

Darstellung: