Rückkehrer in Mossul | Bildquelle: dpa

Irak-Geberkonferenz in Kuwait Kein Geld für einen Kittel

Stand: 12.02.2018 03:13 Uhr

Immer mehr Iraker kehren nach dem Ende der Offensive gegen den IS zurück in die Heimat. Das Ausmaß der Zerstörung ist groß. In Kuwait beginnt heute eine Geberkonferenz.

Von Carsten Kühntopp, ARD-Studio Kairo, zzt. Kuwait

Ein gutes halbes Jahr ist es her, dass Mossul, Hauptstadt der Provinz Ninive, aus der Hand des IS befreit wurde. Monatelang tobten die Kämpfe, Straße um Straße. Die Zahl der Toten wird mittlerweile auf 10.000 geschätzt. Die Altstadt, am Westufer des Tigris, liegt in Trümmern.

Dennoch: Von einst 200.000 Menschen leben mittlerweile wieder etwa fünftausend hier. Noch immer liegen überall Sprengfallen. Noch immer hängt der süßliche Geruch des Todes über dem Viertel. Mit Schaufelbaggern und mit der bloßen Hand graben Stadtangestellte nach Leichen, jeden Tag aufs Neue. Der Leiter des Teams, Duraid Mohammed: "Die Stadtverwaltung hat ein Komitee gebildet, das die Leichen der IS-Militanten, die überall in der Stadt liegen, bergen soll - damit wir Krankheiten und Epidemien verhindern und den Gestank loswerden - und damit wir den Familien helfen, zurückzukehren - und damit das Leben so wird wie vorher."

Alle Kliniken im Westen zerstört

Doch es fehlen Trinkwasser und Strom. Und in der gesamten Provinz Ninive ist nicht einmal jede zehnte Arztpraxis oder Klinik intakt. Kürzlich gelang es UNICEF, in zwei Krankenhäusern in Mossul zumindest einzelne Abteilungen wieder herzurichten. Ein Assistenzarzt erzählt: "Es braucht viel, um die Krankenhäuser wieder aufzubauen, schauen Sie sich die Zerstörung an! Im Osten des Stadt ist es nicht so schlimm. Aber im Westen wurden alle Kliniken zerstört. Wir brauchen Medikamente, alles. Und wenn man die Mitarbeiter fragt, warum sie nicht zur Arbeit kommen, sagen sie, sie können ohne Gehalt nicht arbeiten - und können noch nicht mal ihre Kittel bezahlen."

Kosten für Wiederaufbau beträgt mehr als der Staatshaushalt

Als die Horrorherrschaft des IS auf ihrem Höhepunkt war, hatten die Fanatiker etwa ein Drittel des Irak unter ihrer Kontrolle. Heute ist das Kalifat zerschlagen. Doch in West-Mossul und andernorts war der Preis dafür die völlige Zerstörung. Laut einem Bericht, den die Weltbank soeben im Auftrag der irakischen Regierung erstellt hat, kostet der Wiederaufbau des Landes kurz- und mittelfristig 88 Milliarden US-Dollar - das ist mehr als der gesamte Staatshaushalt für dieses Jahr. Deshalb muss selbst der ölreiche Irak nun um Hilfe bitten.

Dhannoon Qader, ein Straßenkehrer in West-Mossul, hat wenig Vertrauen, dass das Geld der internationalen Geber auch da ankommt, wo es hin soll: "Wir wollen nicht, dass sie von jedem Projekt etwas abzweigen. Aber am wichtigsten ist es, dass die Schulen wieder aufmachen. Derzeit geht kein Kind hier in die Schule - denn die einzigen, die offen sind, sind auf der anderen Seite der Stadt."

Misstrauen in die Regierung

Viele Iraker halten ihre Regierung für korrupt. Deshalb achten die internationalen Hilfswerke ganz genau darauf, dass das Geld der Geberländer nicht in dunklen Kanälen verschwindet. Jaber Abd Haji, stellvertretender irakischer Wohnungsbauminister, gesteht ein: "Früher wurde tatsächlich Geld verschwendet oder in unwichtige Projekte gesteckt, völlig undurchsichtig. Aber schon jetzt haben wir mit wesentlich weniger Mitteln bereits viel tun können."

Irak bittet Weltgemeinschaft um Aufbauhilfe
Carsten Kühntopp, ARD Kairo
12.02.2018 00:08 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 12. Februar 2018 um 06:09 Uhr.

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