US-Drohneneinsatz im Irak Bewaffnet - aber nur zur Verteidigung

Stand: 28.06.2014 08:40 Uhr

Es kreisen wieder bewaffnete US-Drohnen und Flugzeuge über dem Irak. Das Pentagon begründete dies mit dem Schutz der eigenen Soldaten. Ein Sprecher betonte zudem: Die Armee sei auf Kampfeinsätze im Irak vorbereitet.

Von Sabrina Fritz, SWR-Hörfunkstudio Washington

Der Reporter des amerikanischen Fernsehsenders NBC fühlt sich an den letzten Irak-Krieg erinnert: "Ich stehe wieder auf dem Dach eines Hotels in Bagdad. Eine Ausgangssperre ist in Kraft und bewaffnete Drohnen und Flugzeuge fliegen über die Stadt."

"Einige davon sind bewaffnet"

Die USA gehen im Irak-Konflikt einen Schritt weiter. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums sind nun auch bewaffnete Drohnen und Kampfflugzeuge im Einsatz. Bislang hatten die USA nach eigenen Angaben nur Aufklärungsdrohnen eingesetzt, um sich eine Übersicht der Lage zu verschaffen.

"Es fliegen bemannte und unbemannte Flugzeuge über das Land. Einige davon sind bewaffnet. Der Grund, warum sie bewaffnet sind, ist vor allem, dass unsere Einsatzkräfte geschützt werden, die wir ins Land geschickt haben", erläuterte Pentagonsprecher John Kirby die Situation.

Eine "Global Hawk"-Drohne der USA beim Landeanflug auf eine Basis in Japan | Bildquelle: AP
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Die USA setzen verschiedene Drohnen-Typen ein. Unbewaffnete wie die "Global Hawk" (Archiv) ...

Eine "Predator"-Drohne bei einem Kontrollflug in Kalifornien. (Archiv)
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... aber auch die "Predator", die mit Raketen bestückt werden kann. (Archiv)

US-Armee auf weitere Einsätze vorbereitet

Momentan sind nach offiziellen Angaben rund 500 US-Spezialisten im Irak im Einsatz. Sie sollen die irakische Armee trainieren, die ISIS-Rebellen ausspionieren und US-Einrichtungen beschützen.

Militärs in Washington schließen aber auch weitere Aktionen im Irak nicht aus. "Wir planen und sind vorbereitet, falls der Präsident gemeinsame Kampfeinsätze entscheidet", so Kirby. "Es wäre unverantwortlich dies nicht zu tun."

Die irakische Regierung fordert schon seit Wochen US-Luftangriffe, um die radikalen Sunniten der ISIS zu stoppen.

Drohnen starten in Iraks Nachbarländern

Die mit Raketen bestückten Drohnen sollen aber nicht gegen Stellungen der Terrorgruppe eingesetzt werden, heißt es in Washington. Sie dienen demnach nach wie vor der Aufklärung, können aber notfalls US-Einrichtungen und US-Soldaten verteidigen, falls diese in Gefahr sind.

Die Drohnen starten in Nachbarländern wie der Türkei, werden aber von US-Piloten auf US-Stützpunkten gesteuert, berichten US-Medien.

Zusammenarbeit mit dem Iran? 

General Martin Dempsey während einer Senatsanhörung
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General Dempsey schließt auch eine Kooperation mit dem Iran nicht aus.

Damit wird die Irak-Politik von Präsident Barack Obama weiter aufgeweicht. Erst hatte er versprochen, dass kein US-Soldat wieder einen Fuß in den Irak setzen soll. "No boots on the ground", hatte er angekündigt. Doch als die ISIS-Kämpfer weitere Städte eroberten, schloss Obama gezielte Militäreinsätze nicht mehr aus.

Nächste Woche soll ein militärisches Lagezentrum im Irak eröffnet werden, das von amerikanischen und irakischen Soldaten gemeinsam betrieben wird, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. General Martin Dempsey, der ranghöchste Militär der USA, will nicht ausschließen, dass noch mehr US-Soldaten in den Irak geschickt werden.

Dempsey kann sich auch eine Zusammenarbeit mit dem Iran vorstellen: "Das ist eines der Dinge, die wir herausfinden müssen. Unterstützen die Iraner die irakischen Sicherheitskräfte? Wir müssen jetzt erst einmal  wissen, was vor Ort los ist, bevor wir uns ihnen gegenüber äußern."

Dieser Beitrag lief am 28. Juni 2014 um 7:53 Uhr im Deutschlandfunk.

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