Migranten warten nach ihrer Ankunft im spanischen Malaga vor einem Zelt des Roten Kreuzes. | Bildquelle: dpa

Flüchtlinge in Nordafrika Lieber zurück als in Libyen bleiben

Stand: 23.10.2018 15:33 Uhr

In diesem Jahr haben bereits mehr als 13.000 in Libyen festsitzende Flüchtlinge UN-Hilfen für die Rückkehr in ihre Heimat angenommen - also mehr Menschen als von dort nach Italien kamen. Dies hat mehrere Gründe.

Libyen wird für Flüchtlinge offenbar ein immer schwierigeres Transitland nach Europa. Darauf deuten verschiedene Entwicklungen hin, die von den Vereinten Nationen erhoben wurden. So nutzten in diesem Jahr erstmals mehr Migranten die Möglichkeit, sich in ihre Heimatländer zurückbringen zu lassen, als sich auf den Weg nach Italien zu machen. Bei der Rückkehr werden sie von der UN-Organisation für Migration (IOM) unterstützt, die Flüge und eine Starthilfe zahlt. Bis Mitte Oktober haben dies mehr als 13.000 Menschen aus 32 Ländern in Anspruch genommen, sagte IOM-Sprecher Joel Millman.

Schlechtere Geschäfte für Schleuser

Im gleichen Zeitraum seien knapp 12.500 Migranten und Flüchtlinge in Italien angekommen, die Schleuser in Libyen in Boote gesetzt hatten. Etwa 9500 weitere Ankömmlinge in Italien starteten demnach in Tunesien, Algerien, der Türkei und Griechenland.

Die IOM führt den Rückgang unter anderem auf verstärkte Patrouillen der libyschen Küstenwache zurück, die Migranten zurück nach Libyen bringt.

In Italien ankommende Migranten
Monat20182017
Januar41824468
Februar10658971
März104910.853
April317112.943
Mai396322.993
Juni314723.524
Juli196911461
August15313914
September9476282
Oktober911 (bis 21.10)5988 (ganzer Monat)
Quelle: Ital. Innenministerium

UN warnen vor Menschenhändlern in Libyen

Bereits in der vergangenen Woche hatte das UNHCR davor gewarnt, dass Menschen in libyschen Lagern Gefahr liefen, an Menschenhändler verkauft zu werden. In den Lagern herrschten erbärmliche Bedingungen. Deshalb bringt auch das UNHCR Migranten zurück in Heimatländer und in aufnahmewillige Staaten.

Vermutlich spielt auch der Kurs der neuen italienischen Regierung ein Rolle. Innenminister Matteo Salvini von der rechtsgerichteten Lega verweigerte privaten Rettungsschiffen, anderen zivilen Schiffen und im Fall der "Diciotti" sogar zeitweise einem italienischen Küstenwachschiff die Einfahrt in italienische Häfen.

Neues Ziel: Spanien

Immer mehr Flüchtlinge weichen deshalb weiter nach Westen aus, um doch noch nach Europa zu kommen. Laut IOM kamen bis zum 21. Oktober 45.145 Menschen nach Spanien. Damit kamen in diesem Jahr mehr Flüchtlinge über diese westliche Route als in den Jahren 2015, 2016 und 2017 zusammen.

Insgesamt sind die Flüchtlingszahlen jedoch zurückgegangen. Bis zum 21. Oktober zählte die IOM 146.898 Migranten, im selben Zeitraum 2016 waren es 324.267 Menschen gewesen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. Oktober 2018 um 14:00 Uhr.

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