Antonio Vitorino | Bildquelle: picture alliance / dpa

UN-Organisation für Migration Die Chef-Überraschung

Stand: 29.06.2018 17:12 Uhr

Der Chefposten der UN-Organisation für Migration geht überraschend an António Vitorino. Der frühere EU-Kommissar setzte sich gegen den US-Kandidaten durch und ist der erste Nicht-Amerikaner an der Spitze seit einem halben Jahrhundert.

Der frühere EU-Kommissar António Vitorino wird überraschend Chef der UN-Organisation für Migration (IOM). Er setzte sich erstaunlich deutlich gegen den Kandidaten des US-Präsidenten Donald Trump, Ken Isaacs, durch. Die Mitgliedsländer ernannten Vitorino per Akklamation, wie die IOM mitteilte.

Seine Nominierung für den Posten galt als Formalie, denn IOM-Chef wird seit fast 50 Jahren immer ein US-Amerikaner.

"Noch ein weiteres Zeichen dafür, dass US-Macht, - Autorität und -Prestige so dramatisch reduziert worden sind", schrieb der frühere Botschafter beim Menschenrechtsrat, Keith Harper, auf Twitter.

Verfechter multinationaler Lösungen

Ken Isaacs im Porträt | Bildquelle: AFP
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Der von US-Präsident Trump nominierte Kandidat Ken Isaacs unterlag in der Wahl.

Vitorino ist Jurist und seit Jahren auf internationalem Parkett unterwegs. Als Sozialist war er ab 1994 Abgeordneter im Europäischen Parlament, anschließend Verteidigungsminister und von 1999 bis 2004 EU-Kommissar für Justiz und Inneres. Später leitete der Portugiese das Jacques-Delors-Institut für Europafragen.

Die portugiesische Regierung stellte die Kompetenz Vitorinos in Migrationsfragen bei der Nominierung heraus: Er sei seit Jahren im Beirat mehrerer Initiativen, die sich um Migrationsprobleme kümmern. In Zeiten nationalistischer Tendenzen in den EU-Mitgliedstaaten ist Vitorino ein Verfechter multilateraler Lösungen. Migration müsse in partnerschaftlicher Absprache zwischen Ab- und Zuwanderungsländern geregelt werden, sagt er. Ganz so hat es die Europäische Union beim jüngsten Gipfel wieder betont.

Die IOM ist zusammen mit dem Flüchtlingshilfswerk UNHCR stark in der Bewältigung der Flüchtlings- und Migrantenkrise involviert. Während das UNHCR sich um schutzbedürftige Flüchtlinge kümmert, unterstützt die IOM beispielsweise gestrandete Migranten in Libyen und anderswo bei der freiwilligen Rückkehr in ihre Heimatländer. Die IOM hat mehr als 10.000 Mitarbeiter in mehr als 150 Ländern.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 29. Juni 2018 um 19:00 Uhr.

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