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Bill Gates in den tagesthemen "Noch viel zu tun in Afrika"

Stand: 20.04.2020 13:19 Uhr

Seine Stiftung fördert mit Millionensummen Projekte für den Kampf gegen Krankheiten und Armut in Afrika. Im tagesthemen-Interview lobt US-Milliardär Bill Gates Kanzlerin Merkel: Sie hatte dafür gesorgt, dass Afrika auf der G20-Agenda steht.

tagesthemen: Das Global-Citizen-Festival in Hamburg wird vom Engagement der Künstler getragen, aber finanziert und unterstützt hat es unter anderem Ihre Stiftung. Was kann eine solche Veranstaltung wirklich erreichen?

Bill Gates: Wichtig ist, dass man den Menschen deutlich macht, welche Fortschritte erzielt werden - auch auf dem ärmsten Kontinent Afrika: Dass es Geldgeber gibt, dass innovative Ansätze verfolgt werden, dass es zählbare Erfolge gibt. Wir verbessern tatsächlich das Leben dort. Darüber kann man sich freuen. Wir sollten immer über die Probleme sprechen, aber wir sollten auch die Fortschritte sehen, uns die positiven Beispiele vor Augen führen. Etwa wenn junge Leute zusammenkommen und davon angesteckt werden. Denn sie sind die Generation, die uns hilft, die Probleme tatsächlich zu lösen.

tagesthemen: Aber es geht auch an die Adresse der G20-Teilnehmer. Und Kanzlerin Angela Merkel hat Afrika zu einem besonderen Schwerpunkt gemacht. Ist das reiner Aktionismus oder erwarten Sie wirklich ein Umdenken, wie man Afrikas Probleme in den Griff bekommt?

Gates: Wir dürfen nicht aus den Augen verlieren, dass noch ganz viel zu tun ist in Afrika. Auch wenn die Kindersterblichkeit um die Hälfte abgenommen hat oder die landwirtschaftliche Produktivität gesteigert werden konnte - die Herausforderungen in Afrika betreffen uns doch alle. Es gibt unglaubliches menschliches Leid, das wir lindern müssen, es gibt Instabilitäten, es gibt Krankheiten, die ein globales Problem werden können - deswegen ist es großartig, dass Kanzlerin Merkel Afrika zum großen Thema macht.

Die G7- und die G20-Treffen bieten den Ländern die Möglichkeit, einander auch anzutreiben und herauszufordern, besser zusammenzuarbeiten, um dem Kontinent zu helfen. Das macht einen großen Unterschied, das bewirkt einiges und ich bewundere die Führung der Kanzlerin in dieser Sache.

tagesthemen: Aber trotz all des Fortschritts - wir haben jahrzehntelang Milliarden von Hilfsgeldern nach Afrika geschickt, doch offensichtlich bringt es nicht viel, die Probleme einfach nur mit Geld zuschütten zu wollen. Was muss sich denn strukturell ändern?

Gates: Zunächst einmal erzielen wir Fortschritte. Es gibt Länder wie zum Beispiel Äthiopien, wo die landwirtschaftliche Erzeugung enorm zugenommen hat. Viele afrikanische Staaten haben die Millennium-Entwicklungsziele erreicht, die eine ganze Reihe von Themen beinhalten. Sie sind im Plan, was nachhaltige Ziele angeht.

Die Hilfe macht immer nur ein paar Prozent aus der staatlichen Haushalte. Dieses Geld - das leider begrenzt, aber auch sehr wichtig ist - sollten wir cleverer ausgeben, zum Beispiel, indem wir es in die Privatwirtschaft stecken oder in Innovationen wie neue Impfstoffe und neues Saatgut investieren. Wir stellen uns das so vor: Wir nehmen das Beste aus allen Bereichen und bündeln das. Mit diesen Ergebnissen wären wir sehr zufrieden.

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tagesthemen: Vor diesem Hintergrund - wie kontraproduktiv ist die neue US-Regierung in der Entwicklungshilfe, also Trumps Rückzug vom Multilateralismus hin zu seiner "Amerika-zuerst-Haltung"?

Gates: Das ist ein Riesenproblem. Und ich verbringe sehr viel Zeit damit, der Regierung klarzumachen, dass das alles doch positiv war und weiterhin positiv sein wird für Amerika, sich weltweit zu engagieren - das ist eine Win-Win-Situation. Es ist doch kein Fehler, anderen Ländern zu helfen. Im US-Kongress wird gerade über die Höhe von Hilfsgelder diskutiert. Zum Glück sieht es im Moment so aus, als würde der Kongress die momentane Höhe beibehalten, trotz der Kürzungen, die die Trump-Regierung vorgeschlagen hat.

Es ist wichtig, dass die Menschen, die nach Afrika reisen, die sich die Fortschritte anschauen, dann auch darüber sprechen. Zum Glück erinnern vor allem junge Menschen, aber auch sehr viele Menschen im Kongress Amerika daran, dass es wirklich in unserem Interesse ist, uns mit Partnern wie Deutschland zusammenzutun und nach Afrika zu gehen und unsere Strategie dort weiterzuverfolgen.

tagesthemen: Auch Ihre Stiftung engagiert sich sehr. Aber es ist Ihre Stiftung, Sie entscheiden, welche Projekte finanziert werden. Was sagen Sie Kritikern, die das undemokratisch finden, die befürchten, dass so Entwicklungshilfe von einigen reichen elitären Philanthropen bestimmt wird?

Gates: Der Großteil der Hilfe kommt von Staaten - mehr als 130 Milliarden US-Dollar jährlich. Die USA, Deutschland oder Großbritannien beispielsweise stellen das Geld laut OECD bereit. Die Stiftungen geben nicht annähernd so viel. Aber in einigen Bereichen bringt unsere Stiftung den Großteil auf, etwa um die richtigen Forscher bei der Entwicklung eines Impfstoffs gegen HIV oder Tuberkulose zu unterstützen.

Wir hätten natürlich gerne viel mehr Geld und würden uns wünschen, dass andere noch mehr ausgeben würden als wir das tun. Vor allem der privatwirtschaftliche Hintergrund unseres Teams ermöglicht es uns, uns mit diesen Erkrankungen zu beschäftigen. Aber wenn es um die Lieferung von Impfstoffen geht, dann machen das Staaten. Der Global Fund etwa kümmert sich um HIV-Therapien. Wir können auf gar keinen Fall staatliche Programme ersetzen, wir können sie nur ergänzen. Wir geben nicht die Entwicklungs-Agenda vor, wir helfen nur, das ganze zu beschleunigen.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 06. Juli 2017 um 22:30 Uhr.

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