Jugendliche Reisegruppe bei der Abreise | Bildquelle: picture alliance

Pläne von EU-Parlamentariern Zum 18. ein Interrail-Ticket von der EU?

Stand: 19.09.2016 14:39 Uhr

Umsonst Europa erkunden - per Interrail-Ticket, das die EU allen 18-Jährigen zum Geburtstag schenkt: Dieser Plan macht im EU-Parlament derzeit die Runde. Die Idee dahinter: Junge Menschen für das geeinte Europa gewinnen.

Von Sabine Hackländer, ARD-Studio Brüssel

Es ist ein Einfall, quasi aus der Not geboren. Weil Europas Bürger immer weniger Lust auf das zähe Politikgerangel in Brüssel verspüren, nicht wissen, was sie damit anfangen sollen, überraschte der CSU-Europaparlamentarier Manfred Weber kürzlich mit einem eher ungewöhnlichen Vorschlag: "Wie wäre es, wenn wir zukünftig jedem europäischen Jugendlichen, der 18 Jahre wird, von der Europäischen Union ein Interrail-Ticket schenken, damit er dieses Europa im Alltag für drei Wochen erleben darf?"

Und die Idee scheint Zustimmung zu finden. Neben EU-Abgeordneten äußerte sich nun auch die EU-Kommission positiv. "Die Mobilität von jungen Europäern zu erleichtern, ist ein wichtiges Ziel, so die zuständige Verkehrskommissarin Violetta Bulc.

Es würde teuer

Allerdings müsste zuvor noch ein für alle wohl unübersehbares Problem gelöst werden, das da lautet: Wer soll das bezahlen? Denn bei 5,4 Millionen 18-Jährigen im vergangenen Jahr würden sich die Kosten auf jährlich eine bis 1,5 Milliarden Euro jährlich belaufen, wenn man davon ausgeht, dass 50 bis 70 Prozent der Jugendlichen ein solches Ticket nutzen würden. Das bedeutet, neben dem EU-Haushalt müssten auch die Mitgliedstaaten kräftig mitfinanzieren.

Für Deutschland wäre das vielleicht kein Problem, wohl aber für Länder wie Griechenland, Portugal oder Spanien, deren Jugendliche wahrscheinlich gerade ganz andere Sorgen haben, als drei Wochen durch Europa zu touren, weil dort statt Urlaub erst mal die Jobsuche ganz oben auf der Agenda steht.

Trotzdem sollte man die Idee nicht zu früh abschreiben. Immerhin finden sich in Brüssel derzeit mehr Fürsprecher als Kritiker. Soll heißen: Wenn der politische Wille da ist, können im Zweifel auch solche Kleinigkeiten wie die Finanzierung in Milliardenhöhe geregelt werden.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 19. September 2016 um 15:19 Uhr

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