Der in China verschwundene Interpol-Präsident Meng Hongwei | AP

Meng weiter vermisst China ermittelt gegen Interpol-Chef

Stand: 08.10.2018 08:31 Uhr

Chinas Anti-Korruptions-Behörde hat Ermittlungen gegen den in China verschwundenen Interpol-Chef bestätigt. Interpol meldet, sie hätten eine Rücktrittserklärung des 64-jährigen Meng Hongwei erhalten.

Nach tagelangem Rätselraten hat China eine Erklärung für das Verschwinden von Interpol-Chef Meng Hongwei geliefert. Die chinesische Behörde für Korruptionsbekämpfung teilte am Sonntag auf ihrer Website mit, sie habe Ermittlungen gegen Meng wegen des "Verdachts auf Gesetzesverstöße" aufgenommen.

China bezichtigte den Interpol-Chef der Korruption. Meng habe "Bestechungsgelder angenommen" und werde verdächtigt, "gegen das Gesetz verstoßen" zu haben, erklärte das Sicherheitsministerium.

Meng stehe unter "Aufsicht", gab die Disziplinarkommission der Kommunistischen Partei Chinas in Peking bekannt. Damit ist zumeist eine Inhaftierung gemeint. Hinter einem solchen Vorgehen gegen hohe Regierungsvertreter stecken in China häufig Korruptionsvorwürfe, doch gab es auch Spekulationen, ob der 64-Jährige in Machtkämpfe hinter den Kulissen verwickelt gewesen sein könnte.

Meng ist in China Vizeminister für öffentliche Sicherheit und war vor seiner Wahl 2016 zum Präsidenten von Interpol Direktor der chinesischen Küstenwache. Zudem bekleidete er hohe Posten bei der Betäubungsmittelkontrollbehörde sowie der Antiterrorbehörde.

Seit Ende September vermisst

Seit Tagen hatte die in Frankreich ansässige internationale Polizeibehörde Interpol von China eine Erklärung für das Verschwinden ihres Chefs gefordert. Mengs Familie hatte Ende September den Kontakt zu ihm verloren, nachdem er in sein Heimatland gereist war. Seine Frau meldete ihn schließlich bei den Behörden in Frankreich als vermisst.

Die "South China Morning Post" hatte am Wochenende bereits unter Berufung auf einen ungenannten Informanten berichtet, Meng sei nach seiner Ankunft in China zur Befragung abgeführt worden. Seitens der chinesischen Behörden hatte es zunächst keine Bestätigung für die berichtete Festnahme gegeben.

Mengs Frau unter Polizeischutz

Inzwischen hat die Ehefrau des verschwundenen Interpol-Chefs Meng Hongwei an die internationale Staatengemeinschaft appelliert, sich für die Suche nach ihrem Mann einzusetzen. "Diese Angelegenheit geht die internationale Gemeinschaft an", sagte Grace Meng bei einer Pressekonferenz in Lyon. Sie gehe davon aus, dass ihr Mann in Gefahr sei. Aus Sorge um ihre Sicherheit hatte Frau Meng dabei den Kameras den Rücken zugedreht.

Die Frau des vermissten Interpol-Präsidenten Meng bei einer Pressekonferenz in Lyon. | AFP

Aus Sorge um ihrer Sicherheit: Bei einer Pressekonferenz drehte die Ehefrau des vermissten Interpol-Chefs Meng den Kameras ihren Rücken zu. Bild: AFP

Er habe ihr am 25. September, dem Tag seiner Ankunft in China, eine Mitteilung über ein soziales Netzwerk geschickt, in der er schrieb: "Warte auf meinen Anruf." Eine zweite Mitteilung habe lediglich ein Messer-Emoji enthalten, das für eine Gefahrensituation steht.

Die französische Regierung hatte sich am Freitag "besorgt" gezeigt, nachdem Mengs Frau nach eigenen Angaben Drohungen über das Internet und per Telefon erhalten hatte. Laut dem Innenministerium in Paris wurde die Ehefrau unter Schutz gestellt, die Staatsanwaltschaft Lyon ermittele wegen der Drohungen.

Angeblich ist Meng als Interpol-Präsident zurückgetreten

Am Abend meldet Interpol überraschend, sie hätten aus China eine Erklärung von Meng erhalten, mit der er mit sofortiger Wirkung von seinem Amt als Präsident zurücktrete. Vorübergehend werde der Südkoreaner Kim Jong Yang die Aufgaben des Präsidenten übernehmen, so Interpol, bevor auf der nächsten Sitzung der Organisation im November in Dubai sein Nachfolger verkündet werde. Wo Meng sich derzeit aufhält und ob es persönlich Kontakt von Interpol zu Meng gegeben hat, ist bisher noch unklar.

Interpol ist die wichtigste internationale Polizeiorganisation der Welt. Die 192 Mitgliedstaaten tauschen unter anderem Informationen zu gesuchten Personen aus. Meng war 2016 als erster Chinese zum Interpol-Präsidenten gewählt worden - eine international durchaus umstrittene Personalie. Sie hatte vor allem unter Menschenrechtlern Besorgnis ausgelöst. Amnesty International warf China damals vor, schon lange zu versuchen, Interpol für die Fahndung nach chinesischen Dissidenten und Aktivisten zu benutzen.

Unter Präsident Xi Jinping sind in China bereits mehrere hochrangige Beamte verschwunden. Oft tauchten sie nach einigen Monaten als Angeklagte vor Gericht auf. Die Regierung in Peking geht seit einiger Zeit hart gegen Korruption vor. Sehr ungewöhnlich ist, dass die chinesischen Behörden auf diese Art offenbar mit einem Beamten wie Meng umgehen, den die Volksrepublik für ein Spitzenamt in einer internationalen Organisation benannt hat.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 08. Oktober 2018 um 01:58 Uhr und 04:50 Uhr.

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KOMMENTARE

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Shertys 07.10.2018 • 22:39 Uhr

Mir ist ehrlich gesagt

Mir ist ehrlich gesagt schleierhaft, wie Interpol diese "Rücktrittserklärung" anerkennen kann.