Migranten versuchen, den Grenzzaun von Ceuta zu überwinden. | Bildquelle: REUTERS

Grenzschutz in Spanien Wenn Zäune nicht mehr abschrecken

Stand: 06.12.2018 08:31 Uhr

Die EU-Innenminister befassen sich heute mit dem Ausbau der Grenzschutzbehörde Frontex. Für Spanien ist das Thema besonders wichtig. Das Land ist inzwischen wichtigstes Ankunftsziel für illegale Migranten.

Von Marc Dugge, ARD-Studio Madrid

Das Symbol für die europäische Außengrenze steht auf afrikanischem Boden: Der Grenzzaun der spanischen Exklave Ceuta. Genauer gesagt sind es zwei Zäune: Gut acht Kilometer lang, jeweils sechs Meter hoch, an der Spitze mit NATO-Draht verkleidet - und mit modernsten technischen Mitteln überwacht.

Dieser Zaun habe nur eine Funktion. Er verschaffe Zeit, sagt Alfonso Cruzado von der Guardia Civil in Ceuta. "Wenn jemand eindringen will, brauchen wir ein Mindestmaß an Zeit, um darauf zu reagieren. Wenn wir Grenzschützer nicht da wären, würde er vielleicht zerschnitten oder auf andere Weise überwunden werden können. Aber nur der Zaun an sich wird niemanden vom Versuch abbringen, den Grenzübertritt zu versuchen."

Vom Ansturm offenbar überrascht

Und tatsächlich versuchten auch in diesem Jahr wieder Hunderte Menschen, den Zaun zu überwinden. Und hatten damit immer wieder auch Erfolg - wie Ende Juli: Junge Afrikaner jubelten, obwohl ihre Hände blutverschmiert waren von den Schnittwunden, die sie sich am Stacheldraht des Zaunes zugezogen hatten. Doch die Freude siegte über den Schmerz. Die Grenzschützer von Ceuta wurden von dem Ansturm offenbar komplett überrascht.

Migranten versuchen, den Grenzzaun von Ceuta zu überwinden. | Bildquelle: REUTERS
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Hunderte Menschen haben dieses Jahr versucht, den Zaun in Ceuta zu überwinden.

Manche der Afrikaner waren äußerst brutal vorgegangen, mit selbstgebauten Flammenwerfern, Steinen und ätzenden Substanzen. Mehr als 20 Grenzschützer wurden verletzt.

Die meisten kommen aber nicht über die Landgrenze, in den spanischen Exklaven Ceuta und Melilla an, sondern über die Meerenge von Gibraltar - wo Europa gerade mal 14 Kilometer von Afrika trennt. "Das hier ist kein Bach und auch kein See", sagt Adolfo Serrano, der Leiter der Seenotrettung im andalusischen Dorf Tarifa. "Auch wenn das Wetter gut ist, gibt es dennoch starke Strömungen. Wer da nicht kräftig genug dagegen rudert, wird oft viele Kilometer weit abgetrieben."

40.000 Menschen aus Booten gerettet

Serrano und seine Mannschaft haben ein hartes Jahr hinter sich. Insgesamt rettete die spanische Seenotrettung in diesem Jahr nach eigenen Angaben rund 40.000 Menschen aus Booten. Wie viele bei der Überfahrt gestorben sind, weiß keiner genau.

Unterstützt wird Serrano dabei auch von Frontex, der europäischen Grenzschutzbehörde. Sie schickt spezielle Hubschrauber, Flugzeuge und Boote in der Straße von Gibraltar auf Patrouille. Diese suchen das Meer nach Migranten-Booten ab, um dann die Seenotrettung zu alarmieren. Immer ist ein spanischer Polizist mit an Bord.

Die spanische Seenotrettung hat Hunderte Flüchtlinge auf dem Mittelmeer gerettet. | Bildquelle: A. CARRASCO RAGEL/EPA-EFE/REX/Sh
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Die spanische Seenotrettung rettete in diesem Jahr nach eigenen Angaben 40.000 Menschen aus Booten auf dem Mittelmeer.

Gerade in Spanien weiß man gut, dass der Kampf gegen die illegale Migration ohne die Hilfe der Nachbarländer aussichtslos ist. So setzt sich Spanien sehr dafür ein, die Länder beim Grenzschutz stärker finanziell zu unterstützen: Marokko oder den Senegal etwa. "Wenn die EU die Migration kontrollieren will, wird sie nur dann erfolgreich sein, wenn auch die Herkunftsländer etwas davon haben", glaubt der spanische Botschafter im Senegal, Alberto Virella.

Deswegen stattete Spanien die Grenzschützer im Senegal mit Gerät und Know-How aus und schickte Guardia-Civil-Beamte ins Land. Gemeinsam sollen die Migranten schon in Afrika von der Fahrt auf die Kanaren abgehalten werden. Grenzschutz beginnt manchmal schon sehr weit weg.

Europa und der Grenzschutz - Die Situation in Spanien
Marc Dugge, ARD Madrid
06.12.2018 07:18 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 06. Dezember 2018 um 05:45 Uhr in der Sendung "Informationen am Morgen".

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