Gianni Infantino  | Bildquelle: AP

FIFA-Präsident Infantino Große Bühne und große Deals

Stand: 05.06.2019 17:56 Uhr

Eine Wiederwahl ohne Gegenkandidat, Milliarden-Deals - die Anhänger von Infantino sagen, der FIFA-Präsident habe den Fußball-Weltverband auf Vordermann gebracht. Doch Kritiker sehen auch Schattenseiten.

Von Jens Wolters, SWR

Ohne hundertprozentigen Zuspruch, aber eine ungefährdete Wiederwahl per Akklamation: Gianni Infantino ist das Gesicht des Weltfußballs. Angetreten vor drei Jahren als Präsident, um den FIFA-Scherbenhaufen wieder zusammenzukleben, versprach er:

"Wir werden das Image der FIFA wiederherstellen. Die ganze Welt wird Euch applaudieren."

Er liebt die große Bühne

Wichtig ist Infantino aber schon, dass er den größten Applaus kassiert. Da ist er keinen Deut anders als sein aus ethischen Gründen abgesetzter Vorgänger Sepp Blatter. Machtbesessenheit? Immer sehr wichtig. Händeschütteln mit Donald Trump, ein Orden von Wladimir Putin - auch Infantino liebt die große Bühne. Und für die großen Deals möchte er dann, bitteschön, auch von der ganzen Fußballwelt geliebt werden.

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Ohne Gegenkandidat wurde Infantino per Akklamation wiedergewählt.

Wenn jeder Vorsitzende mit einem Deal über 25 Milliarden ankomme, heiße es in jedem anderen Geschäft "Nicht schlecht!", beklagte er sich einmal. Bei der FIFA würden dagegen einige die Nase rümpfen und vermuten, es gehe um "irgendwas Schlimmes". Infantinos Wahrheit: "Es ist nichts faul, es ist nichts Schlimmes!"

Druck auf kleinere Verbände

Aber es ist auch nicht immer ganz sauber. Für die satte Summe von 25 Milliarden Dollar sollten nicht nur die Rechte an der neu geschaffenen Nations League und der Klub-WM verkauft werden, sondern ganz nebenbei auch die Marketingrechte der echten Fußball-Weltmeisterschaft. Infantino machte gerade bei den kleineren Verbänden Druck mit dem Argument, dass es dann ja auch für jeden mehr Geld geben würde. Und afrikanische Verbände wie der nigerianische mit Amaju Pinnick an der Spitze sind ohne Ende dankbar:

"Gianni ist ein Geschenk für den Fußball. Wir müssen ihm alle den Rücken stärken und sicherstellen, dass all seine Visionen wahr werden. Das ist ganz wichtig."

Die Stimme des Afrikaners dürfte Infantino bei seiner Wiederwahl sicher gewesen sein; ohnehin gab es ja keinen Gegenkandidaten. So unzufrieden etwa Fußball-Europa auch mit Infantino ist - einen besseren Kandidaten für den Präsidentenjob gab es nicht.

Mehrere Verfahren

Ja, der Schweizer Infantino hat die Finanzen der FIFA in den Griff bekommen. Stand 2006 noch ein Minus von 370 Millionen Dollar in den Büchern, wurde es in der Folge ein Plus von einer Milliarde Dollar. Das macht Eindruck und lenkt auch ab von möglichen Vergehen wie der Bestechung der Schweizer Justiz.

Für den früheren Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes, Theo Zwanziger, ist Infantinos Werdegang immer noch überraschend.

"Ich habe nie verstanden, dass ausgerechnet einer der größten Reformgegner von den Europäern zum FIFA-Präsidenten hochgejubelt wird. Und er hat genau das gemacht, was ich vermutet habe, damit er wieder allmächtiger Herrscher ist und niemandem rechenschaftspflichtig und die Statuten und Reglemente für ihn so ausgelegt werden, wie er das braucht."

Einer Fortsetzung der Präsidentschaft Infantinos stand das aber nicht im Wege.

Infantino vor der Wiederwahl

05.06.2019 14:59 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 05. Juni 2019 um 15:00 Uhr.

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