Wasserknappheit in der indischen Stadt Chennai | Bildquelle: dpa

Wasserkrise in Indien Schlange stehen für ein bisschen Wasser

Stand: 22.06.2019 06:55 Uhr

Seit Wochen ist in der indischen Millionenstadt Chennai das Wasser knapp. Wegen Regenknappheit sind die Reservoirs fast erschöpft, es werden Tanklaster mit Wasser geschickt. Bald könnte es auch anderen Städten so gehen.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Neu-Delhi

Bei der Wasserausgabe in den ärmeren Stadtteilen von Chennai liegen die Nerven blank. Wenn der Tanklastwagen kommt, geht der Streit zwischen den wartenden Hausfrauen los. Denn es reicht kaum für alle Familien des Viertels. Durch eine anhaltende Dürre im Bundesstaat Tamil Nadu ist die Wasserversorgung in der Hauptstadt des Bundesstaates an der indischen Ostküste zusammengebrochen.

Wasserknappheit in Südost-Indien: Millionen Menschen ohne fließendes Wasser
tagesschau24 15:00, 21.06.2019, Sibylle Licht, ARD Neu Delhi

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Wer Geld hat, kauft Wasser

Die Bewohner der besseren Stadtteile der Millionenstadt, die es sich leisten können, kaufen Trinkwasser. Dadurch werde seit einigen Wochen ein großer Teil des Haushaltsgeldes aufgebraucht, klagen Syed Hassan und seine Frau Arshiya.

Syed sagt: "Unsere Ausgaben für Wasser steigen ständig. Anfangs haben wir die Wasserlieferungen der Stadtverwaltung genutzt, und als dieses Wasser knapp wurde, sind wir auf private Lieferanten umgestiegen. Aber auch das geht irgendwann zur Neige, und dann haben wir und alle Einwohner von Chennai ein ernsthaftes Problem."

Arshiya fügt hinzu, dass es für die Bauern besonders schlimm sei. Sie könnten kein Wasser für ihre Felder kaufen, und dann stünde ihre Lebensgrundlage auf dem Spiel.

Kinder holen Wasser aus Brunnen

Außerhalb der Städte, auf dem Land gibt es keine Wasserlieferungen. Wie viele andere Frauen und Mädchen, geht Godavari jeden Tag mehrmals mehrere Kilometer eine staubige Straße entlang, um aus einem tiefen Brunnen Wasser für die ganze Familie zu schöpfen. Godavari schildert die Situation so: "Die Straße ist nicht gut, da wird gerade gebaut. Und ich habe keine Zeit für meine Hausaufgaben oder zum Spielen. Dreimal am Tag muss ich Wasser holen. Und jedes Mal habe ich Angst, dass ich in den Brunnen falle."

600 Millionen Menschen leiden

Indien erlebt zurzeit die bisher schlimmste Wasserkrise. Rund 600 Millionen Menschen leiden unter großer bis extremer Wasserknappheit. Und die Zukunftsprognosen sehen düster aus. Bis zum Jahr 2030 soll der Wasserbedarf etwa zweimal so hoch sein wie die verfügbaren Ressourcen.

Schon im nächsten Jahr könnte es sein, dass 21 größeren Städten in Indien das Wasser ganz ausgeht. In Chennai macht sich das bereits bemerkbar. Schon längst wird das Grundwasser für den alltäglichen Wasserbedarf aufgebraucht.

Jeyannathan Karunanithi, von der International Water Association zeigt auf den völlig ausgetrockneten Redhill Lake, der normalerweise als Wasserreservoir der Stadt Chennai dient: "Wir haben schon seit etwa zwei Jahren kaum Regen hier in Chennai. Wir bekommen höchstens 15 Regentage im Jahr. Und dann wird einfach zu viel Wasser verbraucht und nicht ausreichend wieder aufbereitet. Dass dieser See hier völlig ausgetrocknet ist, liegt unter anderem an dem zu schwachen Monsun. Aber auch an der nicht nachhaltigen Grundwassernutzung. Die Stadt lebt doch nur noch vom Grundwasser, und das führt dazu, dass der Wasserspiegel sinkt."

Wasserknappheit in der indischen Stadt Chennai | Bildquelle: dpa
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In Chennai wird das Grundwasser für den alltäglichen Wasserbedarf aufgebraucht.

Industrie verbraucht viel Wasser

Doch nicht nur die rund fünf Millionen Einwohner der Stadt verbrauchten zu viel Wasser, meint der Experte Jeyannathan. Die Hauptstadt von Tamil Nadu sei eine bedeutende Industrieregion. Chennai sei das größte Industriegebiet in ganz Südindien, sagt er. Der Wasserbedarf der Industrieunternehmen sei gewaltig. Die Regierung versuche bereits, das Abwasser so weit aufzubereiten, dass es von der Industrie wieder genutzt werden könne. So dass die Industrie künftig nicht mehr der größte Verbraucher von sauberem frischen Grundwasser sei.

Eigenes Ministerium für Wasser

Die indische Regierung hat angesichts der Wasserkrise in Südindien ein eigenes Ministerium geschaffen. Man müsse die Wasservorräte für künftige Generationen bewahren, sagte Indiens Präsident Ram Nath Kovind kürzlich bei einer Ansprache im Parlament. Die zunehmende Wasserkrise sei eine der größten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Angesichts des voranschreitenden Klimawandels und der zunehmenden Erderwärmung dürfte die Wasserkrise in Zukunft noch schlimmer werden.

Das Ministerium für Wasserkraft war bereits kurz nach dem Wahlsieg von Premierminister Narendra Modi Ende Mai gebildet worden. Modi hatte versprochen, bis zum Jahr 2024 alle Haushalte des Landes mit Trinkwasser zu versorgen. Nach einem Bericht von UNICEF haben noch mehr als 50 Prozent der rund 1,3 Milliarden Inder keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser.

Wasserkrise in Chennai: Millionen ohne Trinkwasser
Bernd Musch-Borowska, ARD Neu-Delhi
21.06.2019 21:11 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 21. Juni 2019 um 15:00 Uhr.

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