Demonstranten in Indien | Bildquelle: AFP

Proteste in Indien Wut nach brutalen Vergewaltigungen

Stand: 01.10.2020 16:01 Uhr

Zwei Fälle von Gruppenvergewaltigungen sorgen in Indien für Empörung. Beide Frauen wurden bei den Übergriffen schwer verletzt und starben. 2012 sorgte ein ähnlicher Fall für weltweite Schlagzeilen.

Während das Schicksal einer vergewaltigten und tödlich verletzten 19-Jährigen in Indien für Wut und Proteste sorgt, ist ein zweiter Fall bekannt geworden. Eine 22-Jährige ist nach Polizeiangaben Dienstagnacht vergewaltigt worden und noch auf dem Weg in ein Krankenhaus gestorben. Zuvor sei sie entführt und betäubt worden, sagte ihre Familie.

Ein Rikscha-Fahrer habe die Tochter nach dem Angriff schwer verletzt nach Hause gebracht, so die Mutter im Nachrichtensender NDTV. "Sie wurde einfach vor unserer Türe rausgeworfen. Mein Kind konnte kaum stehen oder sprechen." Zwei Verdächtige wurden festgenommen und sollen vor ein Schnellgericht kommen.

Verdächtige festgenommen

Das Martyrium der jungen Frau ereignete sich im Bezirk Balrampur, rund 500 Kilometer entfernt von dem Dorf Bool Garhi, in dem der andere für große Aufmerksamkeit sorgende Übergriff stattfand. Eine junge Frau wurde Mitte September von mutmaßlich vier Männern so brutal vergewaltigt, dass sie ebenfalls am Dienstag in einem Krankenhaus in Neu-Delhi ihren schweren Verletzungen erlag. Auch in diesem Fall nahm die Polizei Verdächtige fest - vier Männer im Alter zwischen 20 und 30 Jahren.

Dalit-Frauen doppelt diskrimiert

Beide Opfer gehörten der niedrigsten indischen Kaste, der Dalit, an. In der patriarchisch geprägten Gesellschaft Indiens, wo auch heute noch vielen Menschen das Kastenwesen wichtig ist, obwohl es offiziell abgeschafft ist, erleiden Dalit-Frauen deshalb oft eine doppelte Diskriminierung.

In mehreren Regionen Indiens protestierten die Menschen auf den Straßen und in den sozialen Netzwerken. Einige Demonstranten forderten auf Plakaten, die Täter zu hängen.

Ein tiefgehendes Problem

2012 hatte ein besonders brutaler Vergewaltigungsfall einer Studentin in einem Bus weltweit für Schlagzeilen gesorgt. Nach offiziellen Zahlen wird in Indien alle 15 Minuten eine Frau oder ein Mädchen vergewaltigt - und nicht alle Fälle werden erfasst. Auch heute schweigen viele Inderinnen darüber. Nur besonders brutale Fälle machen nationale Schlagzeilen.

Als Reaktion darauf haben in den vergangenen Jahren immer wieder Menschen demonstriert. Aktivistinnen machen die patriarchale Gesellschaft mitverantwortlich. In Indien lernten viele Frauen früh, dass sie weniger wert seien als ihre Brüder.

Jedes Jahr werden Tausende weibliche Föten abgetrieben, Mädchen besuchen Schulen seltener als Jungen und Töchter sind für Familien oft eine finanzielle Belastung. Häufig müssen sie bei ihrer Heirat eine hohe Mitgift zahlen, obwohl dies inzwischen offiziell verboten ist. Aktivistinnen werfen der Polizei und dem oft überlasteten Justizsystem auch vor, Opfer sexueller Gewalt nicht ernst genug zu nehmen - besonders, wenn sie einer niedrigen Kaste angehören.

Über dieses Thema berichtete mdr aktuell am 01. Oktober 2020 um 11:25 Uhr.

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