Präsidentenwahl in Indien: Der Kandidat der regierenden BJP, Ram Nath Kovind | Bildquelle: REUTERS

Wahl in Indien Ein ehemals "Unberührbarer" als Präsident

Stand: 17.07.2017 11:51 Uhr

In Indien wird ein neues Staatsoberhaupt gewählt. Das Ungewöhnliche: Zwei Dalits - früher "Unberührbare" - treten gegeneinander an. Doch das heißt noch lange nicht, dass Dalits nicht mehr diskriminiert werden.

Von Jürgen Webermann, ARD-Studio Neu-Delhi

Darüber zu sprechen, was er als Kind erleben musste, fällt Chandrasen schwer. Chandrasen kommt aus dem indischen Bundesstaat Maharaschtra. Geboren wurde er in eine Dalit-Familie. Dalits hießen früher "Unberührbare". Sie wurden verstoßen und verachtet von den höheren Kasten - und werden es bis heute.

Indien wählt neuen Präsidenten
tagesschau 20:00 Uhr, 17.07.2017, Markus Spieker, ARD Neu-Delhi

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"Auf der Schule habe ich zum ersten Mal gemerkt, was es bedeutet, diskriminiert zu werden", erzählt Chandrasen. "Bis dahin hatte ich keinen Kontakt zu Menschen anderer Kasten. Wir blieben in unserem Dorf unter uns." In seiner Schule habe es einen Brunnen gegeben. "Ich wollte dort Wasser holen, ich war durstig. Aber die anderen Kinder ließen mich nicht vor. Ich durfte den Brunnen nicht berühren. Für mich blieb nur das Wasser, das andere verschütteten." Auch gemeinsam mit ihm essen wollten die anderen, höherkastigen Kinder nicht. Ihre Häuser durfte er schon gar nicht betreten. Chandrasen galt als unrein.

Studienplatz per Quote

Heute ist Chandrasen 25 Jahre alt und hat es über eine Quotenregelung geschafft, einen Studienplatz zu ergattern. Die früheren, meist sozialistischen Regierungen Indiens haben über Quoten für Arbeits- und Studienplätze versucht, die Lage der Dalits zu verbessern.

Aber auch an der Hochschule gebe es Diskriminierung - nur subtiler, sagt Chandrasen: "Schon der Uni-Mitarbeiter, der meine Bewerbung angenommen hat, hat mich verhöhnt, weil ich Rechtschreibfehler gemacht habe. Und auch später wurde ich immer nach der Kaste gefragt und von oben herab behandelt."

Indiens Staatschef Narendra Modi und Wahlleute nach Stimmabgabe | Bildquelle: AP
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Indiens Premierminister Narendra Modi nach der Stimmabgabe.

"Dalits kämpfen inzwischen für ihre Rechte"

Mit Sprösslingen aus feineren Elternhäusern, die gute Schulen besuchen durften, können es die meist armen Dalits ohnehin kaum aufnehmen. Nur wenige bringen es zu Einfluss oder Reichtum. Jetzt also ein Dalit als indischer Präsident? Sowohl Regierung als auch die Opposition haben für die Wahl Dalits nominiert.

Narendra Kumar, Politologe aus Neu-Delhi, überrascht das nicht: "Die Regierungspartei BJP versucht, mit neuen Gesichtern die Wählergruppe der Dalits für sich zu gewinnen", sagt er. "Und der Opposition blieb nichts anderes übrig, als auch eine Dalit-Angehörige zu nominieren. Dalits kämpfen inzwischen für ihre Rechte. In manchen Wahlkreisen sind sie in der Mehrheit."

 "Der Präsident hat so gut wie keine Macht"

Geschätzt gehören etwa 200 Millionen Menschen zu den Dalits. Damit sind sie eine bedeutende Wählergruppe, die die Parteien bedienen müssen. Das Amt des Präsidenten eigne sich dafür, sagt Kumar. Den Präsidenten bestimmen Wahlleute, die im indischen Parlament sitzen und von den einzelnen Bundesstaten entsandt wurden. "Der indische Präsident ist nur eine symbolische Figur", erklärt Kumar. "Er hat so gut wie keine Macht. Und so passt den Parteien jeder, der ihre Gesetze unterschreibt."

Die Wahl gewinnen wird wahrscheinlich der Kandidat der regierenden BJP, Ram Nath Kovind. Bisher war der Rechtsanwalt den meisten Indern unbekannt, genau wie seine Gegenspielerin Meira Kumar von der Kongresspartei. Sie gelten nicht als Gallionsfiguren der Dalit-Bewegung. Und so glauben der Student Chandrasen und auch Politik-Experte Kumar nicht, dass die Präsidentenwahl an der üblen Lage der meisten Dalits in Indien etwas verändern wird.

Meira Kumar | Bildquelle: AFP
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Meira Kumar kandidiert für die Kongresspartei.

Inder wählen einen neuen Präsidenten
Jürgen Webermann, ARD Neu Delhi
17.07.2017 11:06 Uhr

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Über dieses Thema berichteten am 17. Juli 2017 NDR Info um 11:50 Uhr und die tagesschau um 17:00 Uhr..

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