Eine Gruppe von Demonstranten reckt Fäuste in die Luft und schwenkt eine indische Flagge | Bildquelle: dpa

Nach Eskalation in Kaschmir Pakistan lässt indischen Piloten frei

Stand: 01.03.2019 16:58 Uhr

Friedensgeste oder Selbstverständlichkeit? Der von Pakistan festgehaltene indische Pilot ist zurück in seiner Heimat. Die Spannungen zwischen den Atommächten aber bleiben.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Neu-Delhi

Unter dem Jubel vieler Schaulustiger ist der von Pakistan gefangen genommene indische Pilot an Indien zurückgegeben worden. An der Wahga-Border, einem Grenzübergang zwischen Lahore und Amritsar, hatten sich Hunderte Inder versammelt, um den neuen Volkshelden in Empfang zu nehmen. Manche warteten schon seit dem frühen Morgen auf die Rückkehr des Plioten. "Er ist unser Held", beton´ten sie.

Der indische Pilot Abhinandan an der pakistanisch-indischen Grenze (Screenshot) | Bildquelle: REUTERS
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Der indische Pilot Abhinandan an der pakistanisch-indischen Grenze (Screenshot)

Pakistan: Freilassung ist "Geste des Friedens"

Während die indische Regierung und auch viele Inder die Rückgabe des gefangenen Piloten gemäß der Genfer Konvention als Selbstverständlichkeit betrachten, bezeichnete Pakistans Premierminister Imran Khan diesen Schritt gestern im Parlament als "Geste des Friedens".

Für Indien sei die Gefahr damit aber nicht vorüber, erklärte Kommandeur Generalmajor Surinder Singh Mahal: "Wir bleiben in höchster Alarmbereitschaft, sowohl an der Line of Control als auch an der offiziellen Grenze. Das gilt für unsere Flugabwehr und auch unsere Bodentruppen. Wir sind bereit, jede nur denkbare Provokation Pakistans zu beantworten."

Situation ist weiterhin kritisch

Die Lage zwischen den beiden verfeindeten Atommächten ist weiter angespannt. Pakistan sagte heute seine Teilnahme an einem Treffen der Organisation für Islamische Zusammenarbeit in Abu Dhabi ab, weil auch der indische Außenminister dort eingeladen war.

Indiens Premierminister Narandra Modi wiederum steht im eigenen Land unter großem öffentlichen Druck, gegenüber dem Erzfeind Pakistan Härte zu zeigen. In den nächsten Monaten soll ein neues Parlament gewählt werden und eine zu große Nachgiebigkeit könnte die Popularität des Regierungschefs beschädigen.

Indische Polizisten stehen in einer Reihe auf der Straße an der Grenze zu Pakistan | Bildquelle: dpa
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Der Pilot wurde an der Grenze den indischen Sicherheitskräften übergeben.

Erneute Eskalation jederzeit möglich

Gespräche mit dem Erzfeind Pakistan will die indische Regierung erst führen, wenn die Regierung in Islamabad ernsthafte Maßnahmen gegen die Terrorgruppen unternimmt, die von pakistanischem Boden aus operieren. Pakistan bestreitet deren Existenz.

Dieser Punkt sei ausschlaggebend für die weitere Entwicklung, sagte der Politologe Waheguru Pal Singh Sidhu vom Center for Global Affairs in New York einem Reporter der Nachrichtenagentur AP. Indien habe klar gemacht, dass es zurückschlagen wird, solange es Gruppen gebe, die Indien angreifen und dabei aus Pakistan unterstützt werden. Das zeichne die Situation gegenüber früheren Vorfällen aus. "Die pakistanische Seite wird dann auch wieder zurückschlagen und so weiter. So kann die Lage weiter eskalieren", analysierte Sidhu.

Luftraum über Pakistan wieder teilweise freigegeben

Die pakistanische Luftfahrtbehörde hat nun die teilweise Freigabe des Luftraums über Pakistan bekannt gegeben. An den internationalen Flughäfen in Islamabad, Quetta, Peshawar und Karachi darf der Flugbetrieb wieder aufgenommen werden. Der gesamte Luftraum über Pakistan soll am 4. März wieder frei gegeben werden.

Wegen der Spannungen mit Indien und den militärischen Einsätzen der Luftwaffe der beiden verfeindeten Nachbarländer waren vor zwei Tagen alle Überfluggenehmigungen gestoppt worden. Viele internationale Fluggesellschaften waren gezwungen, ihre Flugpläne zu ändern und die Flüge zwischen Südostasien und Europa weiträumig umzuleiten.

Pakistan hat Pilot an Indien zurückgegeben
Bernd Musch-Borowska, NDR Neu-Delhi
01.03.2019 12:50 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 01. März 2019 um 17:00 Uhr.

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