Gemeinsames Foto der Staatschefs der Mitgliedsstaaten der Shanghai-Kooperation | Bildquelle: AP

Asiatisches Sicherheitsbündnis Zwei Neue und ein bestimmendes Thema

Stand: 09.06.2017 17:23 Uhr

Verfeindet und nun gemeinsam im Bündnis: Indien und Pakistan sind neue Mitglieder der Shanghai-Kooperation. Bei dem Gipfel in Astana war aber vor allem ein Thema bestimmend - die Terrorgefahr in Afghanistan. Seitenhiebe auf die NATO kamen von Putin.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Neu-Delhi

Indien und Pakistan sind neue Mitglieder der sogenannten Shanghai-Kooperation, einem Bündnis für Sicherheit und Zusammenarbeit in Asien. Indiens Premierminister Narendra Modi und Pakistans Premier Nawaz Sharif trafen beim Gipfeltreffen der Organisation im kasachischen Astana zum ersten Mal seit über einem Jahr wieder aufeinander.

Die beiden verfeindeten Nachbarstaaten hatten wegen des andauernden Konflikts um die Region Kaschmir alle Verhandlungen und Gespräche eingestellt. Medienberichten zufolge habe das Treffen der beiden Politiker aber nur aus Smalltalk bestanden.

Dem 2001 gegründeten Shanghai-Bündnis gehören neben den beiden neuen Mitgliedern auch China und Russland an, außerdem Kasachstan, Usbekistan, Kirgistan und Tadschikistan.

Lage in Afghanistan wichtiges Thema

Russlands Präsident Wladimir Putin warnte bei dem Treffen vor der anhaltenden Terrorgefahr in Afghanistan. Die Situation dort sei eine der größten Gefahren für die Sicherheit in Zentralasien. Die Zusammenarbeit der internationalen Truppen in Afghanistan sei in den vergangenen Jahren wenig effektiv gewesen und habe die Situation nicht verbessert, sagte der russische Präsident: "Die USA und die NATO führen seit 15 Jahren Militäroperationen gegen die Taliban durch - und doch hat sich die militärische und politische Lage in Afghanistan weiter verschlechtert. Das ist eine der ernsthaftesten Bedrohungen für die Schanghai-Kooperation."

Afghanistans Präsident Aschraf Ghani, der beim Treffen der Shanghai-Kooperation Gespräche über gemeinsame Wirtschaftsprojekte führte, informierte seine Gesprächspartner auch über die Ergebnisse des sogenannten Kabul-Prozesses - der Konferenz für Frieden und Sicherheit in Afghanistan, die am Dienstag in Kabul stattgefunden hatte.

Knapp eine Woche zuvor war vor der deutschen Botschaft in Kabul eine gewaltige Lkw-Bombe explodiert. Bei dem Anschlag waren mehr als 150 Menschen ums Leben gekommen. Unbestätigten Presseberichten zufolge war die deutsche Botschaft das Ziel dieses Anschlags. Das Auswärtige Amt in Berlin wollte sich dazu jedoch nicht äußern. Die Untersuchungen seien noch nicht abgeschlossen, sagte ein Sprecher.

Putins Seitenhieb auf die USA und NATO

In Astana rief Putin die anderen Mitglieder der Shanghai-Kooperation dazu auf, enger zusammenzuarbeiten. Von der NATO und den europäischen Staaten könne man nicht viel erwarten: "Die USA rufen ihre Verbündeten in der NATO dazu auf, den Einsatz in Afghanistan zu verstärken, wir wissen das. Aber es sieht so aus, als ob vor allem die europäischen NATO-Mitglieder das nicht wollen, schon gar nicht in voller Stärke. Deshalb sollten wir die Arbeit der Afghanistan-Kontaktgruppe wieder aufnehmen."

Der Afghanistan-Kontaktgruppe gehören mehr als 50 Staaten an. Die Gesprächsplattform war 2009 durch deutsche Initiative ins Leben gerufen worden.

Indien und Pakistan neue Mitglieder der Shanghai-Kooperation
B. Musch-Borowska, NDR
09.06.2017 16:32 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 09. Juni 2017 um 23:12 Uhr.

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