Im überschwemmten Nalanda Krankenhaus in Patna steht das Wasser knöchelhoch in den Zimmern. | Bildquelle: AFP

Heftiger Monsun in Indien Selbst in der Klinik steht das Wasser

Stand: 01.10.2019 17:28 Uhr

Die Monsunzeit in Indien ist eigentlich vorbei. Dennoch haben Unwetter vor allem im Norden und Osten schwere Schäden angerichtet. Viele Orte stehen weiter großflächig unter Wasser.

Von Silke Diettrich, ARD-Studio Neu Delhi

Hubschrauber kreisen über Patna, der Hauptstadt vom Bundesstaat Bihar im Osten von Indien. Rettungskräfte versuchen, Menschen aus ihren Häusern zu bergen. "Wir haben schon Tausende Menschen gerettet. Und wir sind auch jetzt noch dabei, den Menschen zu helfen", sagt eine Polizeisprecherin.

Hunderte Menschen, darunter auch der stellvertretende Ministerpräsident von Bihar, mussten tagelang in ihren überfluteten Häusern warten, bis Hilfe kam. "Die Situation hier ist extrem schlecht", erzählt ein Anwohner einem Reporter der Nachrichtenagentur AP. "Hier in dem Krankenhaus liegen die Leute jetzt alle zusammen in einer Halle."

In den Krankenzimmern steht das braune Wasser knöcheltief. Sogar ein Gefängnis wurde überflutet, etwa 900 Insassen mussten verlegt werden.

Eine Straße in Patna  steht nach dem heftigen Monsunregen komplett unter Wasser. | Bildquelle: STR/EPA-EFE/REX
galerie

Wie hier in Patna stehen nach dem heftigen Monsunregen viele Straßen in der Region komplett unter Wasser.

"Wir können eigentlich gar nichts tun"

Ananju Devi aus einem Dorf in Bihar lässt ein Kamerateam von Reuters in ihrem Haus filmen. Das Wasser in der Küche steht ihr bis zu den Knien. "Wir können nicht einmal kochen, wir können eigentlich gar nichts tun", klagt sie. Denn auch draußen geht das Wasser noch nicht zurück.

Der Monsun kommt jedes Jahr zwischen Juni und September nach Indien. In dieser Zeit fallen 75 Prozent der gesamten jährlichen Regenmenge. Aber dieses Mal ergoss sich der Monsunregen an vielen Orten besonders heftig. Viele Gegenden standen komplett unter Wasser.

Mehr als 1600 Menschen sind in Indien dieses Jahr durch den Monsun gestorben. Diese Daten hat das indische Innenministerium gerade veröffentlicht. Die meisten seien unter ihren Häusern begraben worden, viele andere ertranken. Einige wurden vom Blitz erschlagen, andere im Hochwasser von Schlangen gebissen.

Vorwürfe an die Behörden

Die Menschen, die überlebt haben, fühlen sich von den Behörden im Stich gelassen. Hunderte Menschen stehen vor dem Haus in Patna, in dem der Katastrophenschutz untergebracht ist, und verlangen nach Hilfe. "Sie geben uns Reis und Linsen, und dann verscheuchen sie uns wieder", ruft eine Frau aus der Menge. "Essen ist nicht unser einziges Problem gerade."

Im Osten und Norden des Landes steht das Wasser noch hoch in vielen Städten und Dörfern. Immerhin sollen die Regenfälle dort in den nächsten Tagen nachlassen.

Heftigster Monsun seit 25 Jahren in Indien
Silke Diettrich, ARD Neu-Delhi
01.10.2019 16:56 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 01. Oktober 2019 um 17:38 Uhr.

Darstellung: