Indien Sprengung Hochhäuser Umweltschutz | Bildquelle: AFP

Sprengungen in Indien Abriss für die Umwelt

Stand: 11.01.2020 14:00 Uhr

Innerhalb weniger Sekunden sackten sie zusammen: In Indien haben die Behörden zwei Luxustürme im Wert mehrerer Millionen Euro sprengen lassen. Sie waren zu nah am Wasser gebaut.

Im südindischen Bundesstaat Kerala haben die Behörden zwei Hochhäuser mit Luxuswohnungen dem Erdboden gleichgemacht. Sie waren unter Missachtung von Umweltvorschriften gebaut worden. Zwei weitere Komplexe am See Vembanadu im Bezirk Maradu sollen folgen. Es ist die bisher größte Abrissaktion in Indien aus Umweltschutzgründen.

Vorausgegangen war ein Gerichtsurteil, das für die rund 300 Besitzer ein Schock war. Die Richter urteilten, dass die Gebäude entgegen der Baugesetze zu nahe am Wasser gebaut worden seien - und ordneten den Abriss an.

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Sekunden nach der Detonation. An der Fassade hängen noch die Protestplakate.

Sprengung trotz Hungerstreik

Es ist äußerst selten, dass derartige Bausünden von den indischen Behörden geahndet werden. Doch in diesem Fall hielt das Urteil durch alle Instanzen hinweg stand. Der Streit zog sich über Jahre hin, die Bewohner der Luxusapartments hatten argumentiert, dass sie ihre Ersparnisse guten Glaubens in die neuen Wohnungen investiert hätten.

Als sie sich weigerten, die Gebäude zu verlassen, drehten die Behörden das Wasser ab und kappten die Stromversorgung. Aber die Eigentümer gaben nicht auf. Sie reagierten mit Protestaktionen und einem Hungerstreik - ohne Erfolg. Am Ende rückten Arbeiterkolonnen an und begannen, die Fassaden abzutragen, bis nur noch das Betonskelett übrig war.

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Die Trümmer des Komplexes fielen in den See.

130.000 Euro in Rauch aufgegangen

Die Sprengungen ließen die Gebäude innerhalb von Sekunden zusammenfallen, eine Staubwolke stieg bis zu 200 Meter hoch auf. Einer der früheren Apartment-Eigentümer, Shamshudeen Karunagapally, erzählte, seine Frau und seine Kinder hätten sich geweigert, bei der Sprengung dabei zu sein. Karunagapally hatte nach eigener Aussage umgerechnet 130.000 Euro für die Wohnung ausgegeben. Der Streit um Entschädigungszahlungen könnte sich Jahre hinziehen.

Umweltexperten sagten, die Zerstörung der vier Hochhäuser werde erhebliche Auswirkungen auf den ökologisch empfindlichen See haben. Die Küstengebiete in Kerala beheimaten sensible ökologische Systeme. Hinter der vorderen Küstenlinie befinden sich zahlreiche Haffs mit Brackwasser. Darüber hinaus gibt es an der Küstenseite oftmals Springfluten. Im Jahr 2018 kamen bei Überschwemmungen in Kerala mehr als 400 Menschen ums Leben.

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