Impfung gegen Covid-19 in Neu Delhi, Indien | dpa

Corona-Impfkampagne In Indien sind auch Straßenkehrer systemrelevant

Stand: 13.02.2021 16:04 Uhr

Die Infektionszahlen sinken, die Todesfälle ebenfalls und die Impfkampagne läuft erfolgreich - Indien kommt bei der Bekämpfung der Pandemie gut voran. Das hat mehrere Gründe.

Silke Diettrich ARD-Studio Neu-Delhi

Von Silke Diettrich, ARD-Studio Neu-Delhi

"Indien hat schon wieder einen Meilenstein erreicht: Wir sind das schnellste Land der Welt, das sieben Millionen Impfungen gegen Covid-19 verabreicht hat", heißt es in einem Video, dass die indische Regierung auf sämtlichen Kanälen verbreitet. Im Zeitraffer sieht man einen Graphen ständig nach oben gehen, es sieht aus wie bei einem Wettrennen, in dem Indien ständig die Nase vorn hat.

Positive Nachrichten sind das Credo der indischen Regierung und es gibt kaum ein Entkommen. Dazu passt eine Ansage, die gerade jedes Mal ertönt, wenn man jemanden anruft: "Guten Tag! Das neue Jahr hat neue Hoffnungsstrahlen nach Indien gebracht, in Form von Impfungen gegen Covid-19. Impfungen aus Indien sind sicher und effektiv. Vertrauen Sie Impfungen 'Made in India' und lassen Sie sich impfen, wenn Sie an der Reihe sind."

Straßenfeger sind sytemrelevant

Zum Zuge kommen derzeit Menschen, die im Gesundheitssystem arbeiten und Leute, die systemrelevant sind. Dazu gehören in Indien auch die Straßenkehrer. Amar Jeet hat seine erste Impfung bereits in einem Krankenhaus im Süden von Neu-Delhi erhalten: "Alles ist gut, das ist doch eine große Erleichterung, dass wir die Impfung bekommen. Nicht nur ich, ganz Indien ist stolz darauf."

Schließlich müsse er sich täglich der Gefahr aussetzen, sich anzustecken, sagt Amar Jeet. Die Viren könnten ja auch noch im Müll lauern. Dennoch glaubt er, dass er und seine Kollegen auch ohne die Impfung genügend Abwehrkräfte hätten. "Wir sind gegen alle Arten von Krankheiten immun, gerade einmal drei Leute haben sich hier bei den Straßenkehrern in Delhi mit Corona angesteckt."

Bevölkerung weniger anfällig?

In der Tat gehen auch einige Virologen davon aus, dass Inderinnen und Inder Kreuz-Immunitäten entwickelt haben könnten. Die Zahl der Neuinfektionen sinkt seit September rapide. Die meisten Menschen in Indien sind aber auch deutlich jünger als der 58-jährige Straßenkehrer. Daher sind die Krankheitsverläufe im Land im Allgemeinen wahrscheinlich milder.

In den dichten Großstädten, so die letzte Studie aus Neu-Delhi, würden mehr als 56 Prozent der Menschen bereits Antikörper gegen Corona in sich tragen. Dennoch ist der Plan der Regierung, bis zum Sommer bis zu 300 Millionen Menschen im Land geimpft zu haben.

Viele verpassen Impftermin

Doch schon jetzt in der ersten Phase erscheinen nicht alle Menschen zum Impftermin, der für sie vorgesehen ist. Rund 40 Prozent seien am vergangenen Werktag nicht zum Termin erschienen, sagt Kapil Kumar. Er ist Polizeioffizier und führt Liste an einem Krankenhaus in Süd-Delhi. "Dafür kommen auch einfach so Leute vorbei, die nicht hier aufgeführt sind. Das müssen wir gerade noch irgendwie regeln.” Es wird also noch ein wenig an der Vergabe gearbeitet werden müssen.