Eine Frau geht in Mumbai an einem Graffiti vorbei, das auf das Tragen von Mund-Nasen-Masken aufmerksam macht.  | dpa

Millionenfache Vakzin-Produktion Indien setzt auf AstraZeneca-Impfstoff

Stand: 30.12.2020 08:53 Uhr

Die indische Regierung will in den nächsten Tagen entscheiden, ob der Impfstoff von AstraZeneca zugelassen werden kann. Mehr als 40 Millionen Impfdosen sollen schon jetzt bereitstehen und könnten sofort ausgeliefert werden.

Von Silke Diettrich ARD-Studio Neu-Dehli

Schon seit Monaten werden im Serum Institut of India die Impfstoffdosen gegen Corona am Fließband produziert. Die Firma ist der größte Hersteller von Impfstoffen auf der ganzen Welt. Seit Jahrzehnten werden von hier aus Impfdosen auf den Markt gebracht. In riesigen Mengen und im internationalen Vergleich sehr kostengünstig. Zum Beispiel gegen Masern, Röteln, Mumps, Polio oder Tollwut.

Silke Diettrich ARD-Studio Neu-Delhi

Nun konzentriert sich die Firma darauf, den Impfstoff von AstraZeneca zu produzieren, unter dem Namen Covishield soll er bald verbreitet werden.

"40 bis 50 Millionen Impfdosen schon jetzt bereit"

Der Impfstoff von AstraZeneca wurde gerade in Großbritannien zugelassen. Bald wird er dort auch verabreicht. Auf diesem Impfstoff liegen große Hoffnungen, weil er vergleichsweise günstig ist. Außerdem muss er nicht bei so niedrigen Temperaturen gelagert werden, wie beispielsweise das Biontech-Pfizer-Vakzin, was auch die Lieferung extrem erleichtert. Aus Sicht der Firma Serum Institute könnte die Impfstoff-Kampagne jederzeit losgehen:

"40 bis 50 Millionen Impfdosen stehen schon jetzt bei uns bereit und jede Woche produzieren wir mehr", sagt Adar Poonawalla, Hauptgeschäftsführer und Sohn des Firmengründers. "Wenn also die Zulassung in den nächsten Tagen kommt, liegt es eher an der indischen Regierung, wie viele Dosen sie wie schnell im Land verteilen kann und will."

In einem Monat will die Firma bis zu 100 Millionen Impfstoffdosen herstellen, zunächst für den indischen Markt. Aber auch andere Länder sollen bald von dem günstigeren Impfstoff profitieren. Indien geht davon aus, dass die produzierten Impfdosen im eigenen Land ausreichen werden und nicht im Ausland bestellt werden müssen. Eine Notfallzulassung für ein anderes indisches Impfstoffprodukt ist auch schon beantragt.

Zahl der Neuinfektionen rückläufig

Schon seit Wochen gehen in Indien die Neuinfektionen laut offiziellen Zahlen stark nach unten. Derzeit liegen sie am Tag bei etwa 20.000. Im September hatten sich die meisten Menschen in diesem Jahr in Indien angesteckt, in dem Zeitraum gab es fast 100.000 Neuinfektionen innerhalb eines Tages. Warum die Infektionen seitdem sinken, ist nicht geklärt.

Harter Lockdown im März

Ende März gab es einen sehr harten Lockdown im Land: Fast neun Wochen lag Indien still. Dann wurden zunächst einmal fast alle Einschränkungen wieder aufgehoben. Aber seitdem die Mutation des Virus in Großbritannien festgestellt wurde, sind in einigen Bundesstaaten erneut Ausgangssperren verhängt worden, vor allem in der Nacht. Daher sind auch in Indien zahlreiche Silvester-Partys abgesagt worden. 

 

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 30. Dezember 2020 um 05:15 Uhr in der Sendung "Informationen am Morgen".