Oberster Gerichtshof Indiens | Bildquelle: AP

Oberstes Gericht in Indien Ehebruch ist nicht länger strafbar

Stand: 27.09.2018 12:10 Uhr

Ein Gesetz aus der britischen Kolonialzeit, das Ehebruch mit bis zu fünf Jahren Haft bestrafte, ist in Indien für verfassungswidrig erklärt worden. Das Urteil stärkt die Rechte der Frauen in dem Land.

Ehebruch ist in Indien nicht mehr strafbar. Indiens Oberster Gerichtshof erklärte ein Gesetz gegen Ehebruch für verfassungswidrig. Nach dem 158 Jahre alten Gesetz aus der britischen Kolonialzeit drohten einem Mann bis zu fünf Jahre Haft, wenn er mit der Ehefrau eines anderen Mannes ohne das Einverständnis des Ehemannes Geschlechtsverkehr hatte.

Die fünf Richter gaben einstimmig einem Kläger recht, dass dies die Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen verletze, wie zahlreiche Medien aus dem Gerichtssaal in der Hauptstadt Neu Delhi berichteten. "Es ist Zeit zu sagen, dass der Ehemann nicht der Herr seiner Ehefrau ist", las der Chefrichter Dipak Misra aus dem Urteil vor. "Rechtliche Hoheit eines Geschlechts über das andere Geschlecht ist falsch."

Relikt aus der Vergangenheit

Die Richter erklärten zudem, das Gesetz sei ein Relikt aus der Vergangenheit und sexistisch, weil es verschiedene Standards in der moralischen Bewertung von Mann und Frau setze. Es sehe die Frau als Eigentum des Ehemannes. Denn Frauen können nicht gegen ihre Ehemänner klagen, wenn diese sie betrügen. Auch gegen die Partnerin des Ehemannes beim Fremdgang hatten Ehefrauen keine juristische Handhabe.

Ehebruch solle aber im Zivilrecht weiter als Scheidungsgrund gelten. Die indische Regierung hatte argumentiert, das Gesetz müsse beibehalten werden, um die Unantastbarkeit der Ehe zu schützen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 27. September 2018 um 12:45 Uhr.

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