Eine Frau bekommt von einer Mitarbeiterin in einem Impfzentrum in Neu-Delhi einen Corona-Impfstoff verabreicht. | AP

Nach Zulassung Zweifel an indischem Corona-Impfstoff

Stand: 03.01.2021 20:17 Uhr

Gerade erst hat Indien zwei Corona-Impfstoffe zugelassen: Das britische Mittel von AstraZeneca und die indische Eigenentwicklung Covaxin. Experten bezweifeln allerdings die Wirksamkeit und Sicherheit von Covaxin.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Neu-Delhi, zzt. Hamburg

Die Zulassung des in Indien entwickelten Corona-Impfstoffes Covaxin hat eine kontroverse Debatte ausgelöst. Für das Präparat der indischen Firma Bharat Biotech lägen noch gar keine ausreichenden Daten der dritten klinischen Testphase vor, hieß es. Die Notfallzulassung für diesen Impfstoff hätte folglich gar nicht erteilt werden dürfen, behaupteten verschiedene Gesundheitsexperten und Politiker der oppositionellen Kongreßpartei.

Bernd Musch-Borowska ARD-Studio Neu-Delhi

Die indische Regulierungsbehörde für die Pharmaindustrie hatte gestern dem sogenannten Oxford-Impfstoff der Firma AstraZeneca und dem indischen Präparat Covaxin die Notfallzulassung erteilt und damit den Weg freigemacht für den Start der größten Impfkampagne weltweit. Schon innerhalb einer Woche sollen die Impfungen beginnen. Dabei wurden für den Oxford-Impfstoff die Ergebnisse der klinischen Tests in Großbritannien zugrunde gelegt.

Covaxin: "110-prozentig sicher"?

Der Leiter der Zulassungsbehörde, Venugopal Somani, wies die Kritik an dem indischen Corona-Impfstoff zurück. Covaxin sei 110-prozentig sicher, sagte Somani bei einer Pressekonferenz in Delhi. An den ersten beiden klinischen Testphasen hätten rund 800 Personen teilgenommen. "Die Ergebnisse haben gezeigt, dass das Präparat sicher ist und für eine robuste Immunisierung sorgt." Laut Somani wird die Wirksamkeit In der dritten Testphase an über 25.000 Freiwilligen getestet. Etwa 22.500 im ganzen Land seien bereits geimpft worden. "Auf der Grundlage der bisher vorliegenden Daten kann man sagen, der Impfstoff ist sicher", sagte Somani.

Bis Mitte des Jahres, so heißt es von Seiten der indischen Regierung, könnten bis zu 300 Millionen Menschen gegen Corona immunisiert werden. Geimpft werden zunächst Ärzte und medizinisches Personal sowie andere sogenannte systemrelevante Personen, zum Beispiel Polizeikräfte. Danach sind Personen an der Reihe, die wegen ihres Alters oder Vorerkrankungen als besonders gefährdet gelten.

Probeläufe in Impfzentren

In zahlreichen Impfzentren im ganzen Land gab es in den vergangenen Tagen Probeläufe. Dabei wurde auch versucht, Zweifel an der Sicherheit und Wirksamkeit der Impfstoffe auszuräumen.

Pooja Moriya, eine Krankenschwester aus Delhi, berichtet, dass sie wegen des Coronavirus seit Monaten ständig im Einsatz gewesen ist, auch während des Lockdowns. "In den vergangenen Tagen hatten wir zahlreiche Besprechungen zu den Impfungen. Dabei wurde erklärt, wie das alles funktioniert. Unsere Vorgesetzten sagten, wir bräuchten keine Angst zu haben. Denn ein bisschen Angst hatte ich anfangs schon", sagt die Krankenschwester.

50 Millionen Dosen des AstraZeneca-Vakzins auf Lager

Das indische Serum-Institut, der weltweit größte Hersteller von Impfprodukten, hat Behördenangaben zufolge bereits 50 Millionen Dosen des Oxford-Impfstoffes auf Lager. Insgesamt will das Serum-Institut eine Milliarde Dosen des britischen Impfstoffes herstellen. Zunächst jedoch nur für den Gebrauch in Indien.

Die Notfallzulassung erlaube vorerst keinen Export, sagte der Chef des Serum-Instituts, Adar Poonawalla in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP. Die Regierung in Delhi wolle damit sicherstellen, dass vorrangig gefährdete Bevölkerungsgruppen in Indien geschützt werden. Andere Länder, vor allem ärmere, müssten deshalb wahrscheinlich noch eine Weile warten, bevor sie ihre ersten Impfdosen aus Indien erhalten.